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FILE - In this May 28, 2019, file photo Bird scooters are seen along Mission Beach boardwalk in San Diego. The two largest scooter companies in the U.S., Bird and Lime, generally place the responsibility for accidents on riders by listing in their rental agreements that riders relieve the companies of liability. Customers must agree to those terms to ride.  Bird says riders are fully insured for anything that might happen as a result of a faulty Bird scooter. (AP Photo/Gregory Bull, File)

Bird – einer von vielen E-Scooter-Anbietern in San Diego. Bild: AP

San Diego versinkt in E-Scootern ... und zwei Typen machen ein Geschäft daraus

Praktisch keine Stadt auf der Welt, in der man unterdessen nicht auf E-Scooter trifft. Überall fahren Menschen geräuschlos durch die Strassen – und lassen die Scooter dann irgendwo stehen oder liegen. Vor allem in San Diego.

Dario Cantieni
Dario Cantieni



So fing's an

Februar 2018: Das Unheil nimmt seinen Anfang. San Diego bekommt seine eigenen E-Scooter. Verschiedene Start-ups wie «Bird» oder «Lime» bieten ihre smoothen Gefährte der breiten Masse zur Fortbewegung an. Etwas, das zur umweltfreundlichen Ausrichtung der Stadt passt; San Diego will die Treibhausgasemissionen senken. Schnell finden sich bis zu 30'000 Benutzerinnen und Benutzer auf den E-Scootern wieder. Ein Boom, wie er im Buche steht.

Bild

So soll es in San Diego teilweise aussehen. Ein Bild, das ein Mitglied der Anti-E-Scooter-Facebookseite «Safe Walkways SD» postete. facebook

Doch bereits im folgenden Sommer wehren sich diverse Geschäftsinhaber und Bewohner der Stadt gegen die motorisierten Trottinette. Der Türsteher eines Clubs sagt zur «New York Times», dass die E-Scooter vor dem Club herumgeworfen wurden und BesucherInnen darüber stolperten. Ausserdem habe er mindestens 20 Unfälle mit E-Scootern beobachtet.

Allgemein kommt es immer wieder zu teils schweren Unfällen. Im Frühling erschien eine dreimonatige Studie des «Centers for Disease Control and Prevention» und den «Public Health and Transportation Departments» in Austin, Texas, die aufzeigt, dass pro 100'000 Rollerfahrten 20 Menschen verletzt wurden.

Auch in Europa gibt's immer wieder tödliche Unfälle mit E-Scootern

Im Dezember starb ein Mann in Chula Vista, einem Vorort von San Diego, nachdem er auf einem E-Scooter von einem Auto angefahren worden war. Ein Tourist starb einige Monate später, nachdem er mit seinem Leihroller gegen einen Baum gekracht war und auch bei Zusammenstössen der E-Scooter kam es schon zu tödlichen Unfällen.

So kam es, dass die Aktivistengruppe «Safe Walkways» Beschwerde gegen die E-Scooter bei den Regierungsbehören in San Diego einreichten. Die über Facebook organisierte Gruppe demonstrierte ausserdem auf der Promenade des Mission Beach und hielt Schilder in die Höhe mit «Safety Not Scooters» oder «BoardWALK».

So ist's heute

Die Stadtverwaltung von San Diego will jetzt etwas gegen die Masse der Roller unternehmen. Praktisch an jeder Ecke sieht man irgendwelche Gefährte rumliegen. Bis zu 70 auf einem Haufen, so die Reporterin der «New York Times». Das soll sich ändern – und zwar mit Regulierungen. Im Juli dieses Jahres beschränkte San Diego die Bewilligungen der E-Scooter auf 20'000 Stück. Ausserdem wurden an drei Tagen 2500 E-Scooter beschlagnahmt, die gegen das Parkverbot verstiessen.

So sieht's aktuell an manch einer Ecke in San Diego aus. Der originale NYT-Artikel zum Thema. twitter

Man habe den E-Scooter-Betreibern klar gemacht, dass man mit aller Härte gegen sie vorgehen werde, so die Stadtverwaltung. Diese räumen zum Teil Fehler ein und sind bestrebt, ihre Fahrzeuge sicherer zu machen. So rüsten sie beispielsweise die E-Scooter mit besseren Akkus, grösseren Rädern oder längerer Laufzeit aus.

So machen zwei Typen Geld

Bei allem Ärger, zwei Bewohner von San Diego dürfen sich über die E-Scooter-Flut freuen. Nämlich Dan Borelli und John Heinkel von «ScootScoop». Sozusagen E-Scooter-Kopfgeldjäger. Der Veloverleiher und der Abschleppdienst-Betreiber haben sich nämlich zusammengetan und räumen eigenhändig die E-Scooter von privatem Grund und Boden. Weil diese da illegalerweise abgestellt wurden, werden sie jetzt von den beiden gesammelt und den E-Scooter-Betreibern in Rechnung gestellt.

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50 Dollar fürs Einsammeln, 2 Dollar pro Tag fürs Lagern. Ein Geschäft, das sich lohnen dürfte, haben sie doch schon über 12'500 E-Scooters abgeschleppt. Im Auftrag von 250 ortsansässigen Firmen. Einige Betreiber hätten ihre Gefährte tatsächlich wieder zurückgekauft, freuen sich die beiden in der «New York Times».

Viel Grund zur Freude haben sie aber nicht lange. Die beiden E-Scooter-Kopfgeldjäger wurden von den grossen Betreibern «Lime» und «Bird» verklagt, legten aber Berufung ein.

Lindsey Haswell, Kommunikationsleiterin von «Lime», bezeichnete die beiden als «opportunistische Geschäftsleute, die auf den Strassen Roller stehlen, ohne das Gesetz zu respektieren und versuchen, auf Kosten von San Diego Profit zu machen.»

Und so wird der E-Scooter-Krieg in San Diego wohl noch eine Weile weitergehen, denn Haswell gibt sich in der «New York Times» kämpferisch und meint: «Wir haben in San Diego ebenso viele Anhänger wie Kritiker.»

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Die selbsternannten Superhelden von San Diego

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Die selbsternannten Superhelden von San Diego
quelle: x00030 / mike blake
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Adrian testet den neuen Lime-Scooter

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