«Nach der Sexszene wurde es schwierig»: Luca Hänni über seinen ersten Film «Ewigi Liebi»
Luca Hänni, glauben Sie an ewige Liebe?
Luca Hänni: Es ist ein sehr romantischer Gedanke. Ich glaube schon, dass es die ewige Liebe gibt. Man darf nur nicht vergessen, dass Liebe auch etwas ist, woran man arbeitet.
Halten Sie ewige Liebe für wünschenswert, wie es im Lied heisst?
Ja. Jemanden an der Seite zu haben, der einen völlig versteht, der loyal ist, der einem Freiraum gibt – das finde ich schon wünschenswert.
Hat die Ewigkeit nicht auch etwas Belastendes? Viele Dinge sind doch genau deshalb kostbar, weil sie vorbeigehen.
Stimmt schon. Ewig ist natürlich ziemlich lange. Ewig leben möchte ich auch nicht.
Aber ewig lieben?
Ewig lieben schon – halt so lange, wie das Leben ist. Liebe gehört dazu, um glücklich zu sein. Aber man kann ja auch andere Dinge lieben als einen Menschen. Ein Abenteuer oder ein Flugzeug oder ein Gebäude. Wie heisst das nochmal?
Objektophilie?
Genau.
«Ewigi Liebi» ist auch Ihr Debüt als Filmschauspieler. Die Musik, die Shows, die Moderationen, die Sie schon machen – all das war Ihnen nicht mehr genug?
Ich bin meistens offen für Neues. Und als die Anfrage kam, wollte ich es ausprobieren.
Das Musical gibts jetzt als Film
Dann war da nicht die Überlegung, Ihr Portfolio weiter zu diversifizieren, falls es mit Ihren übrigen Engagements einmal nicht mehr so gut laufen sollte?
Ich streue sowieso schon lange breit. Ich mache Musik, Fernsehen, Moderationen, Shows. Eigentlich alles, was mit Entertainment zu tun hat. Das scheint mir schlauer.
Es hat sich auch ausgezahlt. Die «Bilanz» zählt Sie seit letztem Jahr zu den 100 reichsten Schweizerinnen und Schweizern unter 40.
Stimmt, das habe ich auch gelesen.
Sie haben es nicht gewusst?
Ach.
Vermutet?
Genau, vermutet. Nein, über Geld spricht man ja eigentlich nicht. Aber es macht natürlich Spass, wenn es finanziell funktioniert. Schliesslich habe ich jetzt eine Familie und bin auch nicht mehr 20.
Wie genau kamen Sie zur Filmrolle?
Vor drei Jahren habe ich ein Mail der Produktionsfirma bekommen, dass sie den Film planen und mich gern in der Rolle des jungen Daneli hätten. Da dachte ich mir ja, warum nicht? Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Berührungspunkte mit der Schauspielerei.
Das heisst, Sie mussten sich nicht regulär bewerben, sondern haben die Rolle gekriegt, weil Sie Luca Hänni sind?
Ja, wahrscheinlich. Aber im Nachhinein denke ich, dass es gut gepasst hat. Ich glaube, ich bringe Sympathie in die Rolle, mache sie zugänglich und genau das sollte Daneli auch sein.
Sie haben das Musical «Ewigi Liebi» nicht gesehen. Hatten Sie andere Vorbilder für die Rolle?
Nicht wirklich. Ich habe das Drehbuch gelesen und mich in ein paar Punkten von Daneli wiedererkannt und wusste, die kann ich anwenden. Den Rest, die übrigen vielleicht 60 Prozent, musste ich umsetzen, und da hat mir Pierre (Monnard, der Regisseur, Anm. d. R.) viele Tipps gegeben.
Worin haben Sie sich in der Figur Daneli wiedererkannt?
Er ist nett und will nicht anecken, will es allen recht machen. Das sehe ich bei mir auch.
Das deckt sich mit Ihrem Image als Sunnyboy.
Stimmt. Aber das war nicht die Absicht, es ist einfach meine Art.
Wie haben Sie sich aufs Schauspielern vorbereitet?
Es hiess, ich solle das Drehbuch zehnmal lesen. Aber da habe ich leer geschluckt. Lesen ist nicht so meine Stärke, ich bin ADHSler.
Wie oft haben Sie es denn gelesen?
Sechsmal. Überflogen. Aber das Wichtigste war ohnehin, mit dem Regisseur zusammenzusitzen, um sich in Danelis Perspektive einzufühlen. Das war mehr wert als das Drehbuch noch fünfmal mehr zu lesen.
Welcher der Schweizer Hits, die Sie im Film singen, ist Ihnen der liebste?
Ah, «Ewigi Liebi» war schön. Aber «Alperose» hatte ich fast lieber.
Wurmt es Sie, dass Sie selbst bislang keinen schweizerdeutschen Hit dieser Grössenordnung im Portfolio haben?
Man kann nicht alles machen. Ich singe ja hauptsächlich auf Englisch und seit ein paar Jahren auf Deutsch. Wenn jetzt noch Schweizerdeutsch dazukäme, wäre es vielleicht ein bisschen viel.
Aber Sie sind auf den Geschmack gekommen?
Mit Englisch kann man halt in eine poppigere Richtung gehen. Aber auf Schweizerdeutsch ist es so echt. Daher: Wer weiss, vielleicht kommt das Schweizerdeutsch schon noch. Dann werde ich mit 40 zum Mundart-Rocker.
Den richtigen Dialekt hätten Sie.
Stimmt.
Luca Hänni, Superstar
Im Film reist der Mittfünfziger Daneli zurück in die Neunzigerjahre zu seinem jüngeren Ich, gespielt von Ihnen, um die Vergangenheit zu verändern. Würden Sie auch gern in der Zeit zurückreisen?
Ich hätte Angst, dass ich alles durcheinanderbringe. Wenn du etwas Kleines veränderst, ist ja nachher alles durcheinander. Daher lieber nicht. Zufrieden sein mit dem, was funktioniert hat. Ich bin kein Gambler.
In gewisser Weise ist die Rolle auch für Sie eine Zeitreise. Sie sind heute 31, der von Ihnen gespielte Daneli ist rund zehn Jahre jünger. Vermissen Sie das Jahr 2016?
Irgendwie habe ich meine Jugend schon verpasst. Seit ich 16 bin, mache ich Musik und habe seither fast alles dem Job untergeordnet. Deshalb denke ich manchmal schon, dass es cool wäre, wieder weniger Verantwortung zu haben. Aber es ist alles wunderschön, wie es ist. Ich habe Familie, bin mitten im Leben. Und durch die Filmrolle konnte ich auch noch mal ein bisschen jugendlich tun.
Sie wurden als Teeniestar bekannt und haben deswegen vor ein paar Jahren gesagt, es sei Ihnen wichtig gewesen, «die Schneise vom Teenie zum Mann» zu überbrücken. Ist es da nicht ein Rückschritt, wenn Ihre erste Filmrolle Sie jetzt als Jüngling mit glatten Backen zeigt?
Verdammt, stimmt. Das ist eine schwierige Frage. Ich würde das Schauspiel als Erweiterung sehen.
Und nicht als Zementieren eines Images?
Schlussendlich zahlt wahrscheinlich doch alles auf die Marke Luca Hänni ein. Aber ich habe mir dazu ehrlich gesagt nicht so viele Gedanken gemacht. Ich fand einfach cool, in einem Film mitzuspielen. Und so schlecht finde ich es nicht, dass ich mir den Bart abhauen und dann wieder wie 20 aussehen kann.
Es gibt im Film eine Sexszene, vor der Sie nach eigener Aussage «Schiss» hatten. War es die schwierigste Szene?
Lustigerweise nicht. Man sieht ja nicht so viel, nur schnell mein nacktes Füdle durch die Scheibe. Es war eher amüsant. Ich hatte ja wirklich nichts an. Man musste das Zeug abkleben, das Auto musste wackeln. Da musste ich mich auf eine lustige Art konzentrieren, dass ich es trotzdem noch ernst nahm.
Welches war denn die schwierigste Szene? Einen Verdacht habe ich.
Schwierig war es, nach der Sexszene aus dem Auto auszusteigen, wo Heidi mich beim Fremdgehen erwischt hat. Dann diese Ernsthaftigkeit rüberzubringen, das Hässige, das Traurige – das fand ich nicht so leicht. Verliebt spielen ist einfacher. Bei welcher Szene dachten denn Sie, dass es die schwierigste gewesen sei?
Die, in der sich Ihre Figur mit ihrem Freund Ferdinand streitet, weil dieser sich an Danelis Flamme Heidi rangemacht hat. Da müssen Sie Ferdinand etwas an den Kopf werfen wie «du verdammter Seckel, du». Das ging Ihnen nicht leicht über die Lippen.
Das stimmt.
Stimmt es, dass Sie bezüglich der Schauspielerei Blut geleckt haben?
Ja. Ich hoffe, dass das, was ich im Film mache, auch ein paar Regisseurinnen und Regisseure sehen und gut finden. Vielleicht gibt es dann wieder mal eine Rolle, die zu mir passen würde.
An was für Rollen denken Sie?
Wahrscheinlich wäre ich nicht unbedingt der Bösewicht. Eigentlich könnte es ja irgendeine Rolle sein. Aber irgendwo bin ich halt doch Luca Hänni.
Justin Timberlake, Ihr grosses Vorbild, hat auch Actionfilme gedreht.
Oh, Action fände ich cool. Gibt es Schweizer Actionfilme?
«Tschugger» hatte Action drin.
Stimmt. So etwas wäre doch cool. Ein bisschen Action. Es kann ja dann trotzdem noch eine Flöte drin sein, für die Musik.
«Ewigi Liebi» läuft ab dem 12. Februar im Kino.
