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Zweite Chance nach Untreue: Wie Paare einen Seitensprung überwinden

Nachdenkliches Pärchen.
Neu zu vertrauen ist ein schwieriger Akt, doch mit viel Arbeit kann er gelingen.Bild: Shutterstock

Zweite Chance nach Untreue: Wie Paare einen Seitensprung überwinden

24.06.2023, 20:41
Julia Dombrowsky / watson.de
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Enttäuscht, verletzt, angeekelt, verraten oder manipuliert: Das sind nur einige der Gefühle, die Menschen gegenüber ihrem Partner oder ihrer Partnerin empfinden können, wenn sie oder er untreu war. Für viele ist ein Seitensprung das Ende.

Andere wiederum lieben sich noch, wollen sich nicht aufgeben und suchen den Weg zurück zueinander. Doch das ist oft leichter gedacht als getan, schliesslich erschüttert eine Affäre das Vertrauensverhältnis bis ins Mark. Wie findet man heraus aus den Verletzungen und zurück in die Beziehung? Gibt es eine zweite Chance nach Untreue?

«Es ist wirklich harte Arbeit.»
Therapeutin Julia Henchen

Wir sprachen darüber mit Julia Henchen. Sie ist Sexualtherapeutin in Deutschland und Autorin des Buches «Lustfaktor». Im Gespräch mit watson berichtet sie, was sie bei ihrer Arbeit mit zahlreichen Paaren beobachtet.

Therapeutin und Buchautorin Julia Henchen
Therapeutin und Buchautorin Julia Henchen.Bild: privat / kim hoss

Aufarbeitung ist für beide Seiten anstrengend

«Die gute Nachricht ist: Es gibt auf jeden Fall Wege zurück in die Beziehung», sagt sie direkt zu Beginn. «Ich habe schon viele Paare begleitet, die nach einem Seitensprung wieder zusammenfanden. Aber es ist wirklich harte Arbeit.»

«Ich beobachte, dass der Betrogene manchmal in einer Frageschleife feststeckt.»

Eine schnelle Lösung gibt es nicht, denn Untreue aufzuarbeiten ist schon deshalb beschwerlich, weil mindestens eine:r der Beteiligten verunsichert ist. Julia Henchen: «Die Vertrauensbasis ist massiv erschüttert und das macht auch die Kommunikation danach sehr kompliziert.»

So würden sich die Gespräche oft zu Beginn im Kreis drehen und von dem oder der Fremdgehenden zahlreiche Details eingefordert werden. Ein typisches Muster, berichtet sie:

«Ich beobachte, dass der Betrogene manchmal in einer Frageschleife feststeckt: ‹Warum hast du das getan? Was genau habt ihr gemacht? War es besser als mit mir?›' Selbst wenn die Fragen hundertmal beantwortet wurden, werden sie wieder und wieder auf den Tisch geholt.»

Das sei zwar «ein spannendes Phänomen aus therapeutischer Sicht», sagt Henchen, helfe dem Paar aber nicht weiter: «Wer derart feststeckt, für den wird es natürlich schwierig, in die Zukunft zu schauen.»

Wer die Affäre war, ist oft unwichtiger als das Paar denkt

Noch eine zweite Sache ist ihr in der Arbeit aufgefallen. «Ich mache ausserdem die Erfahrung in meiner Praxis, dass die dritte Person, also die Affäre, für die Fremdgehenden gar nicht so wichtig ist, wie für denjenigen, der betrogen wurde», erklärt die Sexualpädagogin weiter.

«Manchmal reichen die Defizite, die der Betrügende versucht hat, auszugleichen, bis zurück in die Kindheit.»
Therapeutin Julia Henchen

War sie lustiger als ich? Er sportlicher? Brünett? Blond? Eine Kollegin oder eine Partybekanntschaft? Das Interesse an der dritten Person ist logisch, aber viel unwichtiger als der oder die Gehörnte meint, erklärt Henchen. Sie führt aus:

«Tatsächlich ist die Frage, mit wem es letztlich zum Seitensprung kam, gar nicht so entscheidend. Nicht immer, aber sehr oft geht es bei einem Seitensprung vor allem um die Suche nach sich selbst, der eigenen Identität. Diese Tatsache müssen beide Parteien erst einmal verstehen.»

Ist der Fokus endlich wieder zurück auf das Paar und nicht mehr auf die Affäre gerichtet, beginnt erst die richtige Beziehungsarbeit. Die Auflösung zur Frage «Wie kam es dazu?» kann «sehr komplex werden», sagt Henchen, «Manchmal reichen die Defizite, die der Betrügende versucht hat, auszugleichen, bis zurück in die Kindheit.»

Die Gründe für Untreue sind vielfältig und müssen individuell betrachtet werden. In den Fällen, die zu ihr in die Praxis kommen, ging es aber meist nicht darum, den Partner oder die Partnerin mit dem Seitensprung böswillig zu verletzen.

«Zu mir kommen die Paare, die zusammenbleiben wollen und die hatten meist nicht die bewusste Absicht, ihren Liebsten wehzutun, haben es aber bereitwillig in Kauf genommen», sagt Julia Henchen. Der offenkundige Wille, an diesem Problem gemeinsam und mit professioneller Hilfe arbeiten zu wollen, ist erst einmal ein gutes Zeichen.

Eine zweite Chance für die Liebe? Die gibt es durchaus, glaubt die Therapeutin, doch für beide Seiten wird es zwischendrin hart. «Diese Verletzung zu akzeptieren und an einer besseren Lösung für die Zukunft zu arbeiten ist anstrengend», sagt sie, «aber es ist absolut möglich.»

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75 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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EinBisschenSenfDazu
24.06.2023 22:20registriert September 2022
Aus eigener schmerzhafter Erfahrung: Möglich ist es, wieder zusammen zu kommen. Aus meiner Sicht ist es aber eine Frage der Zeit, bis die beissenden Fragen bei der gehörnten Person in unerwarteten Momenten wieder voll in die Magengrube reinhauen. Die Fugen des Vertrauens können nie ganz repariert werden...
So leid es mir tut: Zweite Chancen gibt es in dieser Hinsicht bei mir nie mehr.
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R. Klärer
24.06.2023 21:07registriert Oktober 2017
Man sollte sowas einfach gar nicht erst tun!
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Alex747
24.06.2023 21:00registriert Oktober 2019
Na ja, nach einem Seitensprung ist Vertrauen für immer weg. Ma kann es drehen wie man will, Paartherapie oder Psychotherapie… auch wenn da Paar sich entscheidet weiter zusammen zu bleiben, egal aus welchem Grund, der betrogene Partner wird nie , aber nie mehr dem Betrüger Glauben und Vertrauen schenken. Viele können damit aber weiter leben und sich arrangieren.
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