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epa06664459 German musicians Kollegah (R) and Farid Bang (L) pose on the red carpet as they attend the 27th Echo 2018 music awards in Berlin, Germany, 12 April 2018. The awards are presented for outstanding achievement in the music industry.  EPA/CLEMENS BILAN

Farid Bang und Kollegah bei der Echo-Verleihung: Die Rapper sind in Deutschland das Thema der Stunde. Bild: EPA/EPA

«Symbol der Schande» – Kritik am Echo wird immer schärfer



Die Trophäe des Echo hat bei so manchem Künstler massiv an Wert verloren. Nach der Debatte um antisemitische Texte der Preisträger Farid Bang und Kollegah ist die Musikauszeichnung hoch umstritten.

Bislang war der Echo eine renommierte Auszeichnung in der Musikbranche, doch nach der Würdigung für die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang nehmen Preisträger Abstand.

Klaus Voormann, Freund und Wegbegleiter der Beatles, gab am Montag den Echo für sein Lebenswerk zurück. «Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als grosse Enttäuschung», teilte der Musiker und Grafiker am Montag in München mit.

epa06665291 German musician Klaus Voormann poses with his Echo trophy at the 27th Echo 2018 music awards in Berlin, Germany, 12 April 2018. The awards are presented for outstanding achievement in the music industry.  EPA/CLEMENS BILAN

Gab seinen Echo wieder zurück: Klaus Voormann. Bild: EPA/EPA

Am letzten Sonntag hat bereits die Schweizer Sängerin und Songwriterin Sophie Hunger in den Sozialen Medien kritisiert, der Entscheid des Beirats sei «katastrophal».

Mit einem Preis gebe man zum Ausdruck: «Das ist richtig, das ist gut, das ist das Beste», schrieb sie in einem offenen Brief an die Ethikkommission, die beschlossen hatte, die beiden Rapper trotz offenkundig antisemitischer Texte zur Echo-Verleihung zuzulassen. Zudem berichteten die «Schaffhauser Nachrichten», dass ein Konzert der beiden Rapper in Schaffhausen zur Debatte gestellt würde.

Das Notos Quartett aus Berlin hatte ebenfalls erklärt, seinen Echo Klassik vom vergangenen Herbst zurückgeben zu wollen. Er sei für sie nun ein «Symbol der Schande». Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf.

Veranstalter bedauern

Auch andere Musiker und Kulturschaffende machten ihrem Unmut Luft, was den deutschen Verband Musikindustrie dazu veranlasste, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Auf der Facebook-Seite des Preises hiess es von den Veranstaltern am Montagabend: «Wenn im Zuge der aktuellen Diskussion Künstler entscheiden, ihren Echo zurückzugeben, bedauern wir das zutiefst, müssen diese Entscheidung aber natürlich respektieren. Wir hoffen, dass die Künstler trotzdem die Debatte mit uns weiter führen, in der es um mehr als um diesen Musikpreis geht.»

Grund für den Proteststurm ist das Album «Jung, Brutal, Gutaussehend 3», für das die beiden Rapper am Donnerstagabend mit einem Echo gewürdigt worden waren. Es wird als antisemitisch kritisiert – wegen Textzeilen wie «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen» und «Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow». Der Echo orientiert sich unter anderem an den Verkaufszahlen.

«Was muss passieren, dass ein Echo-Ethikrat Konsequenzen ergreift und eine Nominierung trotz Megaumsätzen eines Albums aus ethischen Gründen ablehnt?», fragte Voormann deshalb. «Provokation ist erlaubt und manchmal sogar notwendig, um Denkanstösse zu geben», so der Bassist. Aber die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äusserungen und Taten dürfe nicht überschritten werden.

Voormann wird am 29. April 80 Jahre alt wird und hat unter anderem das Cover des berühmten «Revolver»-Albums der Beatles gestaltet.

Auch Rocksänger Wolfgang Niedecken, der Voormann den Echo überreicht hatte, richtet scharfe Vorwürfe an die Echo-Veranstalter. Man habe ihn und Voormann bei der Verleihung der Musikpreise «ganz einfach ins Messer laufen lassen», schrieb der BAP-Musiker auf Facebook.

Ruf nach Verantwortungsbewusstsein

Niedecken erklärte, er habe die Texte der Rapper nicht gekannt. «Beim vorletzten Show-Act wurden wir dann mit der menschenverachtenden Brutalität der beiden Schein-Musikanten konfrontiert, allerdings ohne irgendetwas von deren Gebrabbel zu verstehen. Textverständlichkeit: Fehlanzeige. Und dann standen auch schon unsere beiden Gitarren auf der Bühne und ich musste blitzartig entscheiden, wie ich mich adäquat verhalten sollte.»

Rockmusiker Peter Maffay sah einen Mangel an Sensibilität, der nicht erträglich sei. «Man hätte sich bewusst sein müssen, dass es zu einer solchen Eskalation kommen würde», sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur DPA.

epa04561848 German musician Peter Maffay performs on stage during his 'Wenn das so ist' (If that is so) tour, at the O2 World in Hamburg, Germany, 15 January 2015.  EPA/JOERN POLLEX

Peter Maffay: «Man hätte sich bewusst sein müssen, dass es zu einer solchen Eskalation kommen würde.» Bild: EPA/DPA

«Deswegen gehören in diese verantwortlichen Positionen Leute, die sich dieser Verantwortung bewusst sind und sie nicht an einen sogenannten Ethikrat weiterdelegieren, der auf Tauchstation geht.» Es müsse ein ethisches Grundverständnis geben, das bindend für alle ist. «Wer sich nicht daran hält, kann nicht erwarten, beim Echo berücksichtigt zu werden.»

Preisverleihung am Holocaust-Gedenktag

Ein anderes Regelwerk und mehr Transparenz ist nach Ansicht Maffays notwendig. «Wenn das nicht geschieht, dann hat der Echo keine Daseinsberechtigung mehr», sagte er. Auf Facebook schrieb er überdies, gerade angesichts der deutschen Vergangenheit sei dieser Preis eine «Ohrfeige».

Bei der Preisverleihung am Donnerstagabend – dem Holocaust-Gedenktag in Israel – hatte unter anderem Campino, der Sänger der Toten Hosen, auf der Bühne Stellung bezogen.

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Echo-Verleihung: Campino kritisert Farid Bang und Kollegah. Video: YouTube/Mussi

«Wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht» sei für ihn die Grenze überschritten. Trotzdem wurden die Rapper später ausgezeichnet. Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen zeigte Kollegah eine Karikatur Campinos, mit Heiligenschein. (cma/sda/dpa)

Mehr zum Thema:

Leo hat ein Herz für Hip-Hop und Rap

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Video: watson/Leo Helfenberger, Emily Engkent

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49
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    Alle Leser-Kommentare
  • LVeecy 17.04.2018 20:55
    Highlight Highlight Wer sich für die Gesinnung von Kollegah interessiert, darf sich gern mal diese Doku anschauen, dann versteht man auch die Kritik:

    https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die-story/video-die-dunkle-seite-des-deutschen-rap-100.html
  • outdoorch 17.04.2018 14:30
    Highlight Highlight Gil Scott-Heron, wenn ich‘s richtig im Kopf habe, aus dem Jahre 1973. Der Text passt ganz gut zum Thema, finde ich:
    Play Icon
  • Ohniznachtisbett 17.04.2018 13:16
    Highlight Highlight Umso erstaunlicher, dass dieser "Ethikrat" vor ein paar Jahren die Südtiroler Band frei.wild wegen angeblichem Rechtsextremismus ausgeschlossen hatte. Dies obwohl sich die Band immer wieder von solchem klar distanziert hat. Aber hier sagt der Ethikrat dann, naja so können wir ja nicht sein...
  • fabsli 17.04.2018 12:57
    Highlight Highlight Das passiert wenn man nix kann und mit allen Mitteln versucht Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dann greift man eben auch mal in die braune Trickkiste.
  • Scrat 17.04.2018 12:54
    Highlight Highlight Dass zwei vollpubertäre Pseudo-Gangstas überhaupt auf die Idee kommen, solch völlig pietätlosen Texte zu veröffentlichen, ist zweifelsfrei äusserst Geschmacklos. Viel bedenklicher finde ich aber, dass es da draussen offenbar massenhaft Beschränkte gibt, die solchen Schund auch noch kaufen und geil finden.
    • Sir Konterbier 17.04.2018 14:20
      Highlight Highlight Ich bin einer der Beschränkten🤙🤙

      Hab mir sogar die Bonus-Box mit DVD und JBG Handschuhen sowie einem Tanktop gegönnt😍
    • User0815 17.04.2018 14:31
      Highlight Highlight Lies einfach nur die Kommentare bei Facebook und Co bei den beiden „Musikern“ und Du machst Dir sorgen um deine Rente .....
  • tagomago 17.04.2018 12:46
    Highlight Highlight Heutige Rapper sind Trolle. Dieselben Leute die bei Youtube und so provozieren.
  • Tschakkaaa! 17.04.2018 12:06
    Highlight Highlight Ich finde das was die Beiden musikalisch wie neben der Bühne von sich lassen erbärmlich!
    Denn ich bin eine Frau und ihr Gelaber ist ganz einfach nur unerträglich für mich!
    Aber hören wir doch endlich auf, ihnen noch ständig eine Plattform zu bieten!
    Genau das gibt ihnen Aufwind!
    Ich bin mir sicher, in ein paar Jahren sind sie nur noch Kandidaten für‘s Jungelcamp!
    • Sir Konterbier 17.04.2018 14:09
      Highlight Highlight Sie müssen das nicht so ernst nehmen. Ich höre nebst den beiden Rappern beispielsweise auch die Rapperinnen SXTN, die ihres Zeichens schon den einen oder anderen männerfeindlichen oder zumindest stark emanzipatorischen Text gerappt haben. Ich finds extrem witzig, so funktioniert Rap nunmal...
    • Tschakkaaa! 17.04.2018 15:49
      Highlight Highlight Das habe ich schon von anderen gehört. Aber ich kann mich dem nicht entziehen, oder darüber hinwegsehen. Für mich sind Worte die ausdrucksstärkste Form seine Meinung zu äussern. Wenn ich etwas nicht so meine wie ich es Sage, dann sage ich es anders. Und soviel Interpretationsfreiheit lassen die Zeilen dieses Duos nun mal nicht!
      Aber sie haben recht, ich muss es mir nicht nochmals anhören.
    • Sir Konterbier 17.04.2018 18:12
      Highlight Highlight Satire ist weniger lustig wenns sofort als solche zu erkennen ist...

      Farid Bang sagt über sich selbst er sei dumm^^
  • Sir Konterbier 17.04.2018 12:02
    Highlight Highlight Kollegah rappt auch:

    "Ich reite durch SOS-Kinderdörfer / mit mehr Bling am Körper / als der Silversurfer"

    Ist das ernst gemeint? sicher nicht, es ist eine Parodie auf Gangsterrap und sich selbst...

    Reimtechnisch übrigens erste Sahne👌
    • mihi92 17.04.2018 13:29
      Highlight Highlight Einer der Kollegah versteht und ihn kennt! (Y)
    • fabsli 17.04.2018 13:32
      Highlight Highlight Ja, mega fantastisch
    • CASSIO 17.04.2018 21:27
      Highlight Highlight wow, poesie pur. nennen wir ihn doch "goethe junior mafia" oder "shakespeare the sire"!
  • Persimon 17.04.2018 11:57
    Highlight Highlight Geschätztes Watson-Team
    Bitte weniger von solchen No News-Häppchen und Twitter-Copypastes von Hinz bis Kunz. Stattdessen lieber mehr journalistisch aufgearbeitete Hintergrundinfos über die entlarvenden Ansichten und Denkstruktur des kommerziell und in Punkto Vermarktung unbestritten erfolgreichen Kollegah, die über die eine - in den letzten Tagen viel zitierte - Sprechzeile hinausgeht (zB durch euren talentierten W. Stern) - denn für letztere mag ich euch sehr 😙
  • Pitsch Matter 17.04.2018 11:53
    Highlight Highlight Der Echo beerdigt sich in naher Zukunft von selbst. Wer früher Stars sehen wollte war auf diese Veranstaltungen angwiesen, heute sieht man sie jeden Tag wenn man will, dank Sozialmedia-Kanäle.
  • Ravel 17.04.2018 11:49
    Highlight Highlight Logische Entwicklung einer Musikrichtung, die sich in den letzten 10 Jahren in eine Richtung entwickelt hat, die bedauerlich ist. Hip-Hop/Rap war zu seinen besten Zeiten klug und legte den Finger auf den wunden Punkt (siehe z.B. Public Enemy), inzwischen geht es aber zu oft um ein gockelhaftes Anpreisen fragwürdiger Werte (Wer Geld hat, ist erfolgreich; Geil ist, wer Geld hat; Konflikte mit Gewalt lösen ist männlich; krass ist, wer sagt, dass er krass ist).
    Schade ist, dass es ja durchaus anders geht (Kendrick Lamar, Curse, Zugezogen Maskulin, K.I.Z.). Warum dann diese Affen geehrt werden, kA.
    • Domino 17.04.2018 12:40
      Highlight Highlight Public Enemy ist klar rassistisch, Professor Griff als Mitglied sogar antisemitisch. Am klarsten wird das wohl bei Souljah Sister:
      Play Icon


      Ich finde HipHop auch toll, aber viele Texte sind einfach schwachsinn, frauenfeindlich bis rassismus. Klar ist das nicht bei allen Gruppen / Interpreten der Fall.
    • Pius C. Bünzli 17.04.2018 12:50
      Highlight Highlight Hip Hop war schon immer primär zur Selbstprofilierung da, auch Biggies Texte, oder die des Wu Tang Clans waren voll mit Gewalt und Drogen.
    • kloeti 17.04.2018 13:03
      Highlight Highlight Beim Echo werden eben keine künstlerischen Grosstaten gewürdigt, sondern derjenige der sich am besten verkauft. Capitalism at its finest.
    Weitere Antworten anzeigen
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 17.04.2018 11:30
    Highlight Highlight Ich möchte hier einmal Kollegah und Farid Bang zu dieser erfolgreichen Vermarktung gratulieren. Was schärft das Profil als "Gangster-Rapper" besser und Nachhaltiger als von der gesamten C-Prominenz plus dem Feuilleton "niedergeschrieben" zu werden?
    Diese Leistung ist deswegen auch bemerkenswert, weil sie selber wenig mehr tun mussten, als einen Preis für ihr nicht-indizierten Album entgegen zu nehmen und dabei lässig und entspannt alles an sich abprallen zu lassen. Grosses Kino, auch nachdem doch bei Charlie Hebdo und Böhmmerman noch alle für die absolute Kunstfreiheit waren...
    • AustinOsmanSpare 17.04.2018 11:37
      Highlight Highlight Hebdo und Böhmmerman haben Inhalt, Kollegah ist blos ein Schwachmaat auf brauner See.
    • watsinyourbrain 17.04.2018 12:14
      Highlight Highlight Danke für diesen perfekt treffenden Kommentar! Kann nichts mehr hinzuzufügen 😊👌🏼
    • Olmabrotwurst vs. Schüblig 17.04.2018 12:15
      Highlight Highlight Nur so nebenbei Kollegah hat Jura studiert, das kann kein Schwachmaat sein. Musik hin oder het
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sheez Gagoo 17.04.2018 11:23
    Highlight Highlight Dass sich die Leute so aufregen...
    Ich mag die zwei.
    • Skip Bo 17.04.2018 11:45
      Highlight Highlight Der österreichische Politiker Landbauer ist auf öffentlichen Druck zurückgetreten weil in einem Liederbuch seiner Studentenvebindung einen antisemitische Liederstrophe gefunden wurde.
      Und du magst solche Leute?
    • Sheez Gagoo 17.04.2018 12:02
      Highlight Highlight @Skip: Ich erschlage auch gern härzige Büsis mit noch viel härzigeren Büsis.
  • MrJS 17.04.2018 11:22
    Highlight Highlight Bei einem Preis, welcher hauptsächlich über Verkaufszahlen vergeben wird, kann man sich sowieso fragen, welchen Wert er hat. Sollen sie doch einfach die Kategorie Rap abschaffen, dann sind alle Leute zugrieden. Aber Kollegah ist unbestritten der König des deutschen Raps.
    • Sliminem Mathers 17.04.2018 11:38
      Highlight Highlight "Sollen sie doch einfach die Kategorie Rap abschaffen". Dem "Problem" einfach aus dem Weg zu gehen, löst die Debatte nicht.
    • AustinOsmanSpare 17.04.2018 11:39
      Highlight Highlight König des deutschen Raps. Mhja, einmal spühlen die Kloake. Ich lach mich tot ab den peinlichen Texten, dem peinlichen Kleidungsstil und dem ganzen Rumgemucke unter Mamas Rock ...
    • Dageka 17.04.2018 12:05
      Highlight Highlight "Aber Kollegah ist unbestritten der König des deutschen Raps."

      Ähm ja, natürlich...
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