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First Dates ein Tisch für zwei Roland Trettl

Roland Trettl und sein Team, rechts aussen der schöne Nic. Bild: Vox

Vergiss «Bachelor»! Herr Trettl gibt dir den Glauben an Dating-Shows zurück  

«First Dates – ein Tisch für zwei» mit Starkoch Roland Trettl ist das Wohlfühligste in Sachen Liebe, das es gerade am TV zu sehen gibt.



Seit Wochen schau ich immer wieder verzückt in eine Dating-Show rein, bei der niemandem ein nacktes Teil irgendwo raushängen muss und Silikon einzig in der Form von hitzeresistenten Küchenhandschuhen vorhanden ist. Jens Büchner oder Daniela Katzenberger haben auch noch nie reingeschaut, und obwohl viel gegessen wird, liegen weder Maden noch Hoden auf den Tellern. Es ist, als wäre die Kelly Family nie mit Musik berühmt geworden, sondern würde irgendwo in der Provinz eine Beiz führen, die ein bisschen ambitionierter ist als Mövenpick und ein bisschen stylisher als Ikea.

Und hier soll Liebe werden? Echt jetzt? An diesem Ort, wo jede Neigung zum Exzess sofort unter buttrigem Kartoffelstampf verschütt geht? Klingt das nicht auf schon perverse Art langweilig? Eines deutschen Privatfernsehsenders geradezu unwürdig? «First Dates – ein Tisch für zwei» ist die Dating-Shows eines Kochs, weil Liebe ja durch den Magen gehen soll und so.

Gemeinsames Essen als geteilter sinnlicher Genuss ist eine gesittete Sublimation von Sex.

First Dates ein Tisch für zwei Roland Trettl

Eine Kandidatin aus der Lebensmittelsicherheitsbranche wird empfangen. Bild: Vox

Roland Trettl, der Mann, der schon mit zwei seiner Restaurants einen Michelin-Stern angelte und im Kochwettbewerb «The Taste» der King der Kandidatenherzen ist, begrüsst hier Singles in einer Kölner Restaurantkulisse. Die Kameras, das versichern alle, die schon dort waren, seien dabei so diskret versteckt und ferngesteuert, dass man sie gar nicht bemerke. Und da sitzen sich dann also zwei von der Redaktion füreinander ausgewählte Menschen in einem zivilisierten Setting gegenüber. Zwischen Anfang zwanzig und Mitte siebzig ist alles dabei, die Mehrheit kurz vor oder nach dreissig.

Der adrette Herr Trettl empfängt sie, der schöne Nic, der auch im richtigen Leben ein Barboy ist, mixt einen Drink, auf Barhockern lockern sich Zungen und Stimmung. Überraschend oft werden die Singles die Information, die ihnen am meisten auf der Seele liegt, als erstes los: «Ich bin die Mutter eines Sohn/ der Vater von zwei Töchtern/ schon dreimal geschieden.»

First Dates ein Tisch für zwei Roland Trettl

Die beiden sind sich im Ausgang schon begegnet ... Schon damals hat es nicht gefunkt. Bild: Vox

Die Reaktionen sind immer tolerant. Überhaupt sind alle in allen Belangen irre tolerant miteinander, es existiert hier nichts Böses, kein Shaming irgendeiner Art.

Tatsächlich geht nach einem feinen Dinner das so abwesend wirkende Manga-Nerd-Mädchen mit dem scheuen, übergewichtigen, schwitzenden Teddybären-Männchen aus dem Studio, sie machen einen romantischen Spaziergang am Rhein und sind seither glücklich. Behauptet das Fernsehen jedenfalls. Und die schicke, alleinerziehende Tanzlehrerin fällt fast um, als sie tatsächlich einen Mann mit Bart vorgesetzt kriegt, so sehr hat sie sich immer einen Bärtigen gewünscht! Sein Traumberuf? Kindergärtner! Jackpot! Eine herzigere Verschossenheit als zwischen den beiden sah man selten. Das kommt gut!

First Dates ein Tisch für zwei Roland Trettl

Der Bartli und die Tanzlehrerin – hier braucht es keine Worte mehr. Bild: Vox

Weit öfter entscheiden sich die Zufallspaare aber dazu, einander nicht ein zweites Mal zu sehen. Etwa eine junge Frau, die von einem Mann «Humor und dass er mich unterhalten kann» erwartet, im Gespräch mit ihrem Gegenüber selbst aber kein einziges Wort spricht. Hoffentlich haben die beiden wenigstens das Essen genossen. Es wäre schade gewesen um das zarte Rehfilet.

Der Charme dieser Sendung, die sich um 18 Uhr enorm unauffällig zwischen das Hochzeitskleider-Melodram «Zwischen Tüll und Tränen» und «Das perfekte Dinner» kuschelt, liegt seltsamerweise gerade in der Abwesenheit von allem, was irritierend, peinlich, skandalös sein könnte. Der (ursprünglich vom britischen Channel 4 erfundene) Rahmen ist zwar bis in den letzten Salzstreuer hinein konzipiert, aber die Dialoge sind nicht gescriptet, wirken authentisch und nachvollziehbar. Ich schwöre, aktuell übt auf mich kein anderes Reality-Format im Fernsehen eine derart liebevolle, nachhaltige Anziehungskraft aus.

First Dates ein Tisch für zwei Roland Trettl

Auch bei ihnen hat sich das Blind Date mit Dinner gelohnt. Bild: Vox

«First Dates» ist im Kontrast zu allen verhaltensauffälligen Ballermann-Barden und kopulierenden Nacktschnecken die reine Wohltat.

Hier erröten Menschen noch und ihre Augen beginnen zu glänzen. Eine Sendung wie ein Fenster zur Wirklichkeit der Liebe. Die zart ist, in ihren Anfängen oft unbeholfen, komisch und verwirrend. Wie gut, dass man sich da ab und zu einen leckeren Bissen in den stotternden oder stummen Mund schieben kann. Bon appetit et bonne chance!

«First Dates – ein Tisch für zwei» läuft von Montag bis Freitag um 18 Uhr auf Vox.

Wir haben Bachelor geschaut und uns dabei gefilmt

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Video: watson/Emily Engkent, Angelina Graf, Severin Aebi, Daniela Iacono

Das sind die Bachelor-Kandidatinnen 2018

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FrancesB 26.10.2018 10:01
    Highlight Highlight Ich mag alle Sendungen mit Roland Trettl weil er ein toller Mensch ist und sehr authentisch rüberkommt. Der braucht niemandem mehr etwas beweisen.

    So wie auch Simone Meier und ihre immer schön zu lesenden Artikel.
  • Toerpe Zwerg 26.10.2018 08:24
    Highlight Highlight Ein ausgesprochen wohlformulierter Text.
    • Lichtblau550 27.10.2018 00:09
      Highlight Highlight Stimmt. Bei mir haben die Zürcher Meiers/Meyers momentan überhaupt einen Stein im Brett: Simone, Yonni und Thomas.
  • N. Y. P. 25.10.2018 17:36
    Highlight Highlight Schau ich mir an.

    Die Geschichte vom Bartli und der Tanzlehrerin ist doch so schön.
    Diese Folge liegt vermutlich schon über 7 Tage zurück.
    • Simsalabum 25.10.2018 17:48
      Highlight Highlight Nein, wurde gestern oder vorgestern ausgestrahlt, comeback also kein Problem :).
    • Simone M. 25.10.2018 17:51
      Highlight Highlight Glück gehabt, Tommy und Josephin liefen am vergangenen Montag!
    • N. Y. P. 25.10.2018 17:55
      Highlight Highlight 😍
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Typ 25.10.2018 17:31
    Highlight Highlight Ich schaue seit Tag 1 mit meiner Frau diese Sendung. Sie ist sehr sympatisch und alles ja, aber das Format ergibt insgesamt trotzdem nicht wirklich Sinn.
    Es verhalten sich sehr viele, als ob das ein freiwilliges Date wäre. Also, als ob die Frau oder der Mann das Date mit genau dieser Person wollte. Das führt zu einer Selbstsicherheit der Leute die nicht wirklich wahr ist und am Schluss werden eben diese noch vor den Kopf gestossen.
  • c-bra 25.10.2018 17:20
    Highlight Highlight Zum Thema „vergiss Bachelor/ette“:

    Bei first Dates hat vor einigen Tagen ein gewisser Safak seine grosse Liebe gesucht.. ;-)
    Benutzer Bild
    • Simone M. 25.10.2018 17:23
      Highlight Highlight Ist nicht wahr?! Ausgerechnet das hab ich verpasst! Hat er sie gefunden?
    • c-bra 25.10.2018 17:49
      Highlight Highlight Also eine Rose hat er nicht gekriegt, alles andere ist mir zu hoch.
    • unknownCH 25.10.2018 18:15
      Highlight Highlight @Simone M, nein er bekam eine Dame wo zwar sexy war aber vorher ein Mann war. Er fand Sie auch sehr männlich aber hätte gern ein zweites Date gehabt (weil sexy), Sie sagte aber nein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • fuegy 25.10.2018 17:12
    Highlight Highlight Die Sendung erinnert mich sehr an First Dates, welches seit 2013 auf dem englischen Channel 4 läuft.
    • Simone M. 25.10.2018 17:18
      Highlight Highlight Das ist ja auch die Vorlage!
    • eurydike 25.10.2018 17:18
      Highlight Highlight Stimmt, steht auch so im Text: "Der (ursprünglich vom britischen Channel 4 erfundene) Rahmen ..."
    • fuegy 25.10.2018 17:20
      Highlight Highlight Gibt es dann auch bald ein First Dated Hotel?
    Weitere Antworten anzeigen
  • eurydike 25.10.2018 16:48
    Highlight Highlight Im Moment tatsächlich auch eine der Sendungen, die ich mir immer wieder gern angucke. Angenehm undramatisch und schön zum Mitfreuen, wenn's denn tatsächlich funkt.
  • Cmo 25.10.2018 16:43
    Highlight Highlight Bei dieser Sendung ist nicht alles Gold was glänzt. Zum Teil hat es also schon Kandidaten wo man sich fremdschämen kann. Zum Beispiel letzte Woche, mit der Kellnerin vom Rotlichtviertel welche als Hauptspeise Creme Brule bestellte und bevor der Partner die Hauptspeise beginnen konnte, vom Date flüchtete.

    Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass dies bis jetzt der einzige Tiefpunkt in dieser Sendung war.
    Ich freue mich jedesmal wenn die Show zwei Personen zusammenbringt, welche auch zusammengehören *schwärm*.
    • Lambda 25.10.2018 16:54
      Highlight Highlight Der Typ ohne Schuhe der mit den Worten "Sie zahlt!" rausrannte oder der eine der gleich am Eingang umdrehte, weil sie nicht seiner Vorstellung entsprach waren nun auch nicht gerade Highlights. Ganz zu schweigen von den (Hobby-)musikern die am Date ihre CD promoten wollten...
  • herrkern (1) 25.10.2018 16:36
    Highlight Highlight Trettl ... ist eh' ein Vorbild, der Mann hat so viel Stil und Klasse.
  • PizzaPestoni 25.10.2018 16:34
    Highlight Highlight Der schöne Nic heisst eigentlich Minder (Mischung aus Mexikaner und Inder)
    • Optimus Klein 25.10.2018 16:41
      Highlight Highlight Genau richtig! Ist es Ein Mexikaner? ein Inder? alles was wir wissen ist das die Sendung mit Ihm steht und Fällt.
  • Siebenstein 25.10.2018 16:15
    Highlight Highlight Wunderbar beschrieben 🙂
    Und ich finde auch, als ein Paradebeispiel entschleunigten Fernsehens ein echter Geheimtipp 👍
  • olga 25.10.2018 16:07
    Highlight Highlight ach simone. was du mit worten machst, ist kunst. <3
    • Simone M. 25.10.2018 17:02
      Highlight Highlight du bist eine schmeichelkatze, olga!

Wenn Frauen über Autoren schreiben, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben

Alles fing damit an, dass sich eine Journalistin über eine Rezension im «Tages-Anzeiger» aufregte. Darin schrieb ein älterer Mann über das Buch einer sehr jungen Frau. Vor allem aber schrieb er darüber, wie er das Aussehen besagter sehr junger Frau auf dem Foto im «New Yorker» empfand. Sie sehe darauf aus «wie ein aufgeschrecktes Reh mit sinnlichen Lippen».

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