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Robinson & Rohe bei «Musig im Pflegidach»

Musikalischer Roadtrip durch die USA

Das Duo Jean Rohe und Liam Robinson beeindruckte in Muri mit Musik, so vielfältig, wie die Stadt aus der sie kommen.

lionel zingg



Wer am vergangenen Sonntagabend im Pflegidach in Muri «Robinson & Rohe» zuhörte, dem wurde eine vollkommen neue Interpretation von Jazz und Folk geboten. Die beiden aus New York stammenden Musiker Liam Robinson und Jean Rohe starteten ihre Europatournee im Freiamt. Vor Spielbeginn wurden die Zuschauer vom Organisator und Musiker Stephan Diethelm darauf hingewiesen, dass ihnen etwas geboten wird, was sie noch nie zuvor gehört hätten. 

Als Rohe mit der Gitarre auf die Bühne trat, mit sanften Akkorden den ersten Song anstimmte und Robinson schliesslich zu singen begann, wurde vielen sofort klar, dass die beiden die Musik nicht nur spielen, sondern auch leben. Robinson ergänzte den Gesang mit Klängen seines Banjos, einem traditionellen amerikanischen Instrument. So entstand eine unkonventionelle Kombination aus Gitarre, Gesang und Banjo, die Lust auf mehr machte, oder um es in den Worten von Stephan Diethelm auszudrücken: «Es macht den Wald aus, dass es nicht nur Fichten gibt, sondern viele verschiedene Bäume.»

Robinson & Rohe «Louisa» @ Musig im Pflegidach

abspielen

Video: YouTube/Stephan Diethelm

Durch die Musik zur Liebe gefunden

Rohe und Robinson sind beide vor etwas mehr als zehn Jahren nach New York gezogen, um von der bekannten Künstlerszene in der Stadt zu lernen und sie aktiv mitzugestalten. Im Stadtteil Brooklyn lernten sie sich kennen und haben schliesslich eine gemeinsame Wohnung gemietet. Was ihre Musikkarriere betrifft, sind sie aber immer noch getrennte Wege gegangen. Liam Robinson hat sich als Mitglied der Becca Stevens Band auch ausserhalb von New York einen Namen gemacht, während Jean Rohe mit einer alternativen Hymne der Vereinigten Staaten im ganzen Land grosse Aufmerksamkeit erregte. Auf die Idee des gemeinsamen Duos sind sie per Zufall gekommen, wie sie auf Nachfrage erklärten.

Eines Nachmittags sassen sie am Küchentisch und und tauschten Melodien aus. Am Ende eines Liedes seien sie schweigend dagesessen, denn sie hätten gemerkt, dass ihre Stimmen viel Potential hätten. Das war aber nicht nur der Start von «Robinson & Rohe», sondern auch der Beginn einer Liebesbeziehung und diese Liebe schwingt im Debütalbum «Hunger» mit. Ein Teil davon erfüllte am Sonntag das Pflegidach mit harmonischen Klängen. Auch das Publikum bemerkte, dass hinter den Liedern Geschichten aus dem alltäglichen Leben stecken und belohnte das Duo zwischen den Stücken mit begeistertem Applaus. Nicht nur während dem Musizieren mochten Rohe und und Robinson zu überzeugen, sondern auch neben der Bühne. Vor jedem Stück erklärten sie, wieso es ihnen viel bedeutet und woher sie die Inspiration dafür nahmen. Das machte die Musik erlebbar und der eine oder andere vermochte in den Liedern Lebenssituationen zu erkennen, in denen er selber auch schon steckte.

New York – Virginia – Appalachian Mountains – Washington

Ihre Lieder handelten abwechselnd von der Liebe zwischen Robinson und Rohe oder der Liebe zu den Vereinigten Staaten selber. Manchmal war es auch eine Mischung aus beidem. Ob Liebesanekdoten, verschiedene Traditionen, vergangene Zeiten, Hüttengeschichten aus den Appalachen oder eine alternative Nationalhymne, all das wurde während gut einer Stunde thematisiert. Das eine Lied handelte von der Sehnsucht nach den typischen «Cable Cars», die es früher auch in New York gegeben hat, während man sie heute nur noch in San Francisco sieht. Ein anderes wiederum von der Liebesbeziehung, zwischen einer jungen Frau aus Virginia und einem Mann aus dem Norden, die Grenzen überwindet. So erstaunt es nicht, dass man sich zwischendurch in einer Erzählung der Lebensgeschichte von diesem jungen Paar wähnte, das mit einem Roadtrip durch ihr Land versucht hat, die Grenzen zwischen verschiedenen Menschen aufzulösen.

«Das zentrale Stück des Albums handelt von einem Roadtrip durch die USA. Es ist aber nicht nur eine Reise durch die verschiedenen Regionen und Traditionen unseres Landes, sondern auch eine Reise durch die Zeit.»

 Jean Rohe

So beschrieb Rohe ihr Lied, das alles zusammenfasst, was sie mit ihrer Musik den Zuhörern mitteilen möchten, nämlich das vermischen von verschiedenen Kulturen und Hintergründen. Am Ende des Abends spielte das Duo schlussendlich die mit Spannung erwartete alternative Nationalhymne der USA «Arise Arise» und damit bekam der Auftritt eine politische Note. Wie Rohe erklärte, war der Grund für das Komponieren einer alternativen Hymne, dass sie die bisherige für veraltet hielten: «Unsere alternative Nationalhymne soll die Menschen inspirieren und ihnen aufzeigen, dass sie Amerika verbessern können, wenn sie einen Schritt aufeinander zugehen und gemeinsam vorwärts schauen.»

Vor dem Hintergrund einer angespannten politischen Situation, möchten sie die Menschen einander näher bringen und ihnen den Weg «to a more perfect union», wie der Refrain treffend lautete, zeigen. Am Ende ihres Auftritts erklärten die beiden, dass sie eine Art Kurierdienst am laufen haben, wo jeder der an einem Konzert war, auf einen Zettel eine Nachricht schreiben kann, die sie dann am nächsten Konzert einem Zuschauer übergeben würden. Aber wirklich überraschend war das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, denn so wie das Duo «Robinson & Rohe» die Musik nicht nur spielt sondern auch lebt, so reden sie nicht nur von Grenzen überwinden, sondern setzen das auch gleich aktiv um.

Robinson & Rohe bei «Musig im Pflegidach»

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