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Der «Koch» Yewgeni Prigoschin (links) und sein wichtigster Gast: Wladimir Putin.
Der «Koch» Yewgeni Prigoschin (links) und sein wichtigster Gast: Wladimir Putin.
Bild: AP/AP POOL

Putins Geheimarmee erleidet in Syrien ein Debakel

Wahrscheinlich mehrere hundert russische Söldner sind bei einem Angriff auf einen US-Stützpunkt getötet worden. Der Kreml und das Weisse Haus wollen sich dazu nicht äussern.
27.02.2018, 11:48

In der Nacht des 7. Februars wurde ein Stützpunkt in der Nähe der syrischen Stadt Deir Ezzor angegriffen. Er dient kurdischen und amerikanischen Truppen, die gemeinsam die Ölfelder in dieser Gegend bewachen. Bei den Angreifern handelt es sich um Gruppen, die dem syrischen Präsidenten Bashar-al-Assad nahe stehen. Sie wurden unterstützt von russischen Söldnern der Wagner-Gruppe.

Proteste gegen den Krieg in Syrien vor dem UNO-Gebäude in Genf.
Proteste gegen den Krieg in Syrien vor dem UNO-Gebäude in Genf.
Bild: KEYSTONE

Der Angriff wurde erfolgreich abgewehrt. Die Angreifer erlitten dabei massive Verluste. Genaue Zahlen gibt es nicht. Doch das renommierte Magazin «Foreign Affairs» spricht von «bis zu 600 toten Russen». Tote Amerikaner gab es offenbar nicht.

Der Kreml gibt tröpfchenweise russische Verluste zu

Das Weisse Haus hat sich bisher nicht zu den Vorfällen geäussert. Der Kreml hat zunächst zugegeben, dass Russen möglicherweise involviert gewesen seien, dass es sich jedoch keinesfalls um russische Soldaten handle. Zögerlich wurde danach auch bekannt, es habe tatsächlich Tote gegeben. Am 20. Februar schliesslich meldete das Aussenministerium, dass «mehrere Dutzend» Russen oder russisch sprechende Menschen getötet oder verletzt worden seien.

Soweit die Fakten. Doch was versteckt sich hinter dem rätselhaften Vorfall? Wer ist diese Wagner-Gruppe? Warum die Geheimniskrämerei?

Obwohl das Söldnerwesen in Russland verboten ist, ist die Wagner-Gruppe genau das. Sie muss jedoch keine Angst haben, vom Staat verfolgt zu werden. Kontrolliert wird die Wagner-Gruppen nämlich von Yewgeni Prigoschin.

Yewgeni Prigoschin führt Putin durch eine seiner Fabriken.
Yewgeni Prigoschin führt Putin durch eine seiner Fabriken.
Bild: AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

Prigoschin wird auch «Putins Koch» genannt, weil zu seinem Imperium auch mehrere Restaurants gehören, in denen der russische Präsident gerne speist. Er gehört zum inneren Putin-Kreis. Sein Name steht auf der Liste der 13 Russen, die kürzlich vom Sonderermittler Robert Mueller angeklagt worden sind.

Der unmittelbare Chef der Wagner-Gruppe heisst Dmitry Utkin. Auch er hat einen direkten Draht zum Kreml. Ihm hat Putin höchstpersönlich eine Tapferkeitsmedaille für seine Verdienste auf der Krim verliehen. Utkin hat schon den Vorläufer der Wagner-Gruppe kommandiert, das slawische Korps.

Warum Putin auf Söldner setzt

Die Söldnertruppe spielt eine bedeutende Rolle in Putins Machenschaften. «In den letzten fünf Jahren hat sich Wagner zum wichtigsten militärischen Auftragnehmer Russlands entwickelt», schreibt «Foreign Affairs». «Die Gruppe spielt eine zentrale Rolle in den von Moskau gesteuerten Militäroperationen in Syrien und der Ukraine

Der Weltöffentlichkeit bekannt wurde die Wagner-Gruppe mit den «grünen Männchen» auf der Krim, Soldaten, die russisch sprachen, russische Waffen und Ausrüstungen hatten, von denen Putin jedoch zunächst standhaft behauptete, sie seien keine russischen Soldaten.

Die «grünen Männchen» bei ihrem Einsatz auf der Krim.
Die «grünen Männchen» bei ihrem Einsatz auf der Krim.
Bild: X02624

In Syrien sind derzeit rund 2500 Söldner der Wagner-Gruppe aktiv, etwa halb so viel wie die Anzahl der offiziellen Soldaten. «Ihr Nutzen ist offensichtlich», schreibt «Foreign Affairs». «Sie erlauben es Russland, Bodentruppen einzusetzen, ohne ein politisches Risiko einzugehen oder Verluste bei der offiziellen Truppe zu erleiden.»

Seit den blutigen Kriegen in Tschetschenien sind tote russische Soldaten ein innenpolitischer Risikofaktor geworden. In Syrien jedoch sind die Söldner möglicherweise ausser Kontrolle geraten. Der Oligarch Prigoschin verfolgt private Ziele in der Gegend. Ihm gehört eine Firma, die zusammen mit dem syrischen Staatsbetrieb General Petroleum Corporation einen Viertel der Rechte an der Förderung von allem Öl und Gas erworben hat.

Putins Ärger

Prigoschin hat deshalb grosses Interesse daran, gemeinsam mit Assad die Kurden aus diesem Gebiet zu vertreiben. Ein riskantes Unterfangen: Wie der Vorfall vom 7. Februar zeigt, besteht dabei die Gefahr, in direkten Konflikt mit den amerikanischen Truppen zu geraten.

 Auch Putin dürfte verärgert sein: «Die Offenbarung, dass Prigoschin de facto die Wagner-Gruppe zusammen mit syrischen Regierungsvertretern als Werkzeug für seine persönliche Bereicherung benutzte, ist beunruhigend und stellt ein bisher nicht bekanntes Potenzial für weitere Eskalationen dar, selbst wenn die Aktion bis zu einem gewissen Grad vom Kreml sanktioniert war», so «Foreign Affairs».

Das erklärt auch, weshalb sowohl der Kreml als auch das Weisse Haus den Vorfall totschweigen wollen. Es ist ihnen vortrefflich gelungen, nicht zuletzt deshalb, weil das Massaker an einer Schule in Florida die Schlagzeilen beherrscht hat.

Die US-Truppen haben den russischen Söldnern vorerst eine blutige Nase verpasst. Die Gefahr, dass aus solchen Aktionen ein heisser Krieg mit der NATO entsteht, ist jedoch nicht gebannt.

Mehr als 5000 freigelassene Kindersoldaten

Video: srf
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