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Dank neuen Spar-Upgrades wird der Wechsel in die 1. Klasse billiger.
Dank neuen Spar-Upgrades wird der Wechsel in die 1. Klasse billiger. Bild: keystone

So billig sind die neuen SBB-Billettupgrades für die 1. Klasse – jetzt wird Kritik laut

Ab in die 1. Klasse: Mit dem «Sparklassenwechsel» haben die ÖV-Betriebe ein neues Billig-Angebot eingeführt. Es zielt vor allem auf GA-Reisende. Die Günstig-Offensive passt nicht allen: Pro Bahn wirft der SBB Intransparenz vor.
14.12.2021, 15:4016.12.2021, 06:02

Good News für die Passagiere der 2. Klasse. Mit dem Fahrplanwechsel haben SBB & Co. mit dem «Sparklassenwechsel» ohne viel Aufhebens ein schweizweites Billig-Upgrade für die 1. Klasse eingeführt. Das Angebot richtet sich primär an knapp 400'000 GA-Kundinnen (2. Klasse), aber auch an Nutzer von Tages- und Streckenkarten.

Bild: printscreen/sbb

Durch das Sparklassenbillett werden Passagiere also animiert, vermehrt die 1. Klasse zu nutzen. «Das primäre Ziel ist, schwach ausgelastete Züge besser auszulasten. Das Angebot kann aber sicher auch die Auslastung innerhalb eines Zuges glätten. In erster Linie erfüllen wir damit aber einen häufig geäusserten Wunsch von GA-Kundinnen und -Kunden», sagt Thomas Ammann, Sprecher der ÖV-Branchenorganisation Alliance Swisspass.

So günstig sind die Upgrades

Eine kurze Recherche via SBB-App zeigt, wie günstig der Sparklassenwechsel tatsächlich ist:

  • Statt 19 Franken kostet der Klassenwechsel auf der Paradestrecke Bern-Zürich am Mittag (Bern ab 11.31 Uhr) nur 6 statt wie normal 19.50 Franken. Dies entspricht je nach Zug einem Rabatt von 70 Prozent.
  • Auf der Route Zürich-Brig (Zürich ab 11 Uhr) kostet der normale Klassenwechsel 33 Franken. Mit dem neuen Angebot startet das 1.-Klasse-Upgrade bereits bei zehn Franken. Diese Tickets sind analog den Sparbillets nur begrenzt verfügbar und nur auf den gekauften Verbindungen gültig.
  • Von Basel nach Luzern kostet ein Sparklassenwechsel je nach Verbindung nur 4 Franken statt wie ein normales Upgrade 13 Franken.
  • Von St.Gallen nach Zürich kostet das Upgrade je nach Verbindung nur 3.80 Franken statt wie normal 12 Franken.
  • Von Lugano nach Zug ist der Sparklassenwechsel ab 6.40 Franken erhältlich.
«Das primäre Ziel ist, schwach ausgelastete Züge besser auszulasten.»
Thomas Ammann, Alliance Swisspass

Selbst in Stosszeiten verfügbar

Was erstaunt: Die Sparklassenwechsel sind selbst auf Hauptstrecken in Stosszeiten verfügbar. Diese Züge sind teils selbst in Corona-Zeiten sehr voll.

  • Während der Rush Hour (Bern ab 7.01 oder 7.31 Uhr) kostet der Klassenwechsel je nach Datum mit dem neuen Ticket nur noch 9.80 statt 19.50 Franken, was einem Rabatt von 50 Prozent entspricht.
Bild: printscreen/sbb

Wie kann das sein? Es gebe auch in den Stosszeiten Züge, die schwach ausgelastet sind. «Aktuell ist die Nachfrage auf den Fernverkehrszügen wegen der Corona-Pandemie unterdurchschnittlich. Somit gibt es zur Zeit auch in Zügen Sparbillette, in denen es sonst keine gibt», sagt SBB-Sprecher Martin Meier.

Wer beim Anblick von übervollen 2.-Klasse-Wagen auf dem Perron spontan ein Billig-Upgrade lösen will, muss aufpassen: Aktuell können die Sparklassenwechsel nur bis eine Stunde vor Abfahrt gekauft werden. «Ab Ende Januar wird dies bis direkt vor der Abfahrt möglich sein», so Ammann weiter.

So oder so muss man kein Hellseher sein, um vorauszusehen, dass in Zukunft vermehrt Passagiere von der 2. in die 1. Klasse wechseln werden. Werden dadurch die Besitzer von 1.-Klasse-GAs nicht benachteiligt? «Fahrgäste mit GA für die 1. Klasse reisen nach wie vor zu einem sehr attraktiven Pauschalpreis ein ganzes Jahr auf dem gesamten ÖV-Netz. Dies auch mit voller Flexibilität», schreibt die SBB dazu.

«Intransparent»: Passagierorganisation übt Kritik

Keine Freude an den Billig-Upgrades hat die ÖV-Passagierorganisation Pro Bahn. Man unterstütze zwar grundsätzlich eine Vergünstigung von ÖV-Billetts. «Was wir aber nicht mittragen, sind Spezialangebote oder intransparente Tarife. Beziehungsweise Billettangebote mit massiven Vergünstigungen, die ein Ungleichgewicht zwischen den Reisenden zur Folge haben», sagt Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler zu watson.

«Was wir aber nicht mittragen, sind Spezialangebote oder intransparente Tarife.»
Karin Blättler, Pro Bahn

Der öffentliche Verkehr stelle die Grundversorgung auf Strasse, Schiene, Wasser und Luftseilbahn in der Schweiz sicher und werde von der öffentlichen Hand mitfinanziert. «Eine freie Preisgestaltung analog der Luftfahrt ist deshalb aus unserer Sicht hier nicht vertretbar», so Blättler weiter. Aufgrund dessen plädiere Pro Bahn schon seit Jahren, das Tarifwesen bezahlbar, transparent und einfach zu gestalten. «Vielmehr sollte man Bonussysteme oder Vielfahrerrabatte einführen», so Blättler. Das Tarifsystem müsse zudem einfach handhabbar sein und auf allen Verkaufskanälen zur Verfügung stehen. Die Sparklassenwechsel sind derweil nur auf der SBB-App verfügbar. Ob und wann der Sparklassenwechsel auch via Webseite zugänglich ist, ist laut SBB derzeit noch offen.

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