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Eine Story voller falscher Entschlüsse: Der Luzern-Fan, der eine FCA-Flagge klauen wollte

Ein FC-Luzern-Fan, der mit vier Kumpanen zusammen FC-Aarau-Fahnen klauen wollte und dabei irrtümlich zwei Unbeteiligte überfiel, blitzte beim Bezirksgericht ab.

Ueli Wild / az Aargauer Zeitung



Im Mittelalter galt es als Schmach, das Banner in der Schlacht zu verlieren. Bei Fussball-Ultras lebt dieses Gedankengut weiter. Jedenfalls kamen vor gut einem Jahr fünf FC-Luzern-«Fans» auf die Idee, FC-Aarau-Fahnen zu rauben und diese beim Derby Aarau - Luzern triumphierend den FCA-Fans unter die Nase zu halten, um sie zu provozieren. Drei Tage vor dem Match fuhren die fünf Helden deshalb zum Brügglifeld, um im Auto von Elia (32, Name geändert) die Rückkehr des FCA-Fan-Cars vom Auswärtsspiel in Chiasso abzuwarten.

PROJEKT SCHWEIZ - FUSSBALLFANS - Ein junger Fan des ATF schwenkt am Sonntag, 26. April 2003, nach dem Heimspiel

Das war wohl nix. Bild: KEYSTONE

Als die Aarau-Fans aus dem Car ausstiegen, hielten die Luzerner Ausschau nach grossen Taschen, in denen sie Fahnen vermuteten. So fielen ihnen zwei Velofahrer mit grossen Sporttaschen auf. Elia und sein Trupp nahmen die Verfolgung auf und überholten die Radfahrer. Da, wo in Aarau die Rothpletzstrasse in den Gönhardweg einmündet, passten sie, im Auto sitzend, den beiden 14-Jährigen ab. Es war kurz vor halb neun und längst dunkel. Als die beiden die Höhe des Autos erreichten, sprangen die mit Ausnahme von Elia maskierten Männer aus dem Auto, rissen die zwei geschockten Knaben zu Boden, packten deren Sporttaschen und brausten davon.

Die Begeisterung über das Gelingen des heldenhaften Coups legte sich im Handumdrehen, als der Inhalt der Sporttaschen geprüft wurde. Zum Vorschein kam die Fussballausrüstung der beiden 14-Jährigen – aber kein Zentimeter Fahnenstoff. Beim Coop in Unterentfelden entledigten sich die frustrierten Räuber der beiden Taschen samt Inhalt. Und es kam für sie noch schlimmer: Elia ging der Polizei ins Netz, verbrachte zwei Tage in Untersuchungshaft und verpfiff die Mittäter.

Den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft, die ihm eine unbedingte Geldstrafe von 23 400 Franken (180 Tagessätze zu je 130 Franken) aufbrummte, focht Elia an. So hatte Gerichtspräsident Andreas Schöb ein neues Urteil zu fällen. Gleich zu Beginn der Verhandlung am Strafgericht in Aarau machte Schöb den Schweizer mit italienischen Wurzeln darauf aufmerksam, dass die Strafe milder, aber auch härter ausfallen könne. «Halten Sie an der Einsprache fest?», fragte der Richter. Elia sagte Ja und verschoss damit den ihm offerierten Penalty.

Vorstrafen aus Monza und Zürich

Der Tatbestand war erstellt und wurde von Elia auch gar nicht bestritten. Der Beschuldigte anerkannte ausserdem die Zivilforderungen der Geschädigten für die Velo-Reparaturen und zumindest zur Hälfte auch die von einem der beiden Zivilkläger geforderte Genugtuung von 1000 Franken für die erlittene seelische Unbill. Den Strafbefehl hatte Elia einzig deshalb angefochten, weil er nicht einsah, weshalb ihm die Staatsanwaltschaft eine unbedingte und nicht eine bedingte Geldstrafe auferlegte.

Elia war mit zwei Vorstrafen belastet: In Monza hatte er eine bedingte Geldstrafe kassiert, weil er mit Pyros erwischt worden war. Und die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat hatte ihn 2015 zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 120 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Dies, weil er in einem Zürcher Club bei einem Knatsch mit der Security eine Flasche durch eine Glasscheibe geschleudert hatte. Beide Fälle hatten mit der Fan-Gruppe zu tun.

Er sei nach dem Überfall auf die beiden Velofahrer aus der Fan-Szene ausgetreten, sagte der 32-Jährige, der in der solothurnischen Nachbarschaft zu Hause ist. Dieser Geschichte wegen habe er fast die Freundin und den Job verloren. «Schluss jetzt!», habe er sich daher gesagt. Das Leben in der Fan-Gruppe sei wie ein Leben neben dem richtigen Leben gewesen, erzählte Elia. «Da bist du wie eine andere Person.»

Da seinem Mandanten keine schlechte Prognose zu stellen sei, gebe es keinen Grund für eine unbedingte Strafe, argumentierte Elias Verteidiger. «Wenn Sie hier Zweifel haben», riet dieser dem Gerichtspräsidenten, «zögern Sie nicht, dem Beschuldigten eine lange Probezeit von maximal fünf Jahren aufzuerlegen.» Der Verteidiger akzeptierte die vom Staatsanwalt geforderte Geldstrafe, beantragte aber deren bedingten Vollzug.

Ob denn der Fahnenraub unter «Fans» Brauch sei, wollte der Gerichtspräsident wissen. Das gehöre dazu, antwortete Elia. Hingegen würden Fangruppierungen normalerweise keine Unbeteiligten attackieren. Ob es denn in Elias Augen weniger schlimm gewesen wäre, wenn die Räuber «die Richtigen» erwischt hätten, hakte Schöb nach. Eine eindeutige Antwort auf diese Frage kam nicht über Elias Lippen.

Alternative: 9 Monate Gefängnis

Spätestens, als der Gerichtspräsident das Urteil verkündete, wurde klar, dass Elia mit seiner Einsprache vom Regen in die Traufe geraten war. Auch wenn Andreas Schöb die Höhe des einzelnen Tagessatzes angesichts der Einkommensverhältnisse des Beschuldigten von 130 auf 100 Franken reduzierte, muss Elia nun deutlich mehr bezahlen. Statt 180 Tagessätze auferlegte ihm der Richter deren 270. Macht unter Anrechnung der zwei in U-Haft verbrachten Tage eine Summe von 26 800 Franken. Dazu kommen die Gerichtskosten und, wenn es die wirtschaftliche Situation erlaubt, die Rückzahlung der von der Gerichtskasse vorgeschossenen Anwaltskosten in der Grössenordnung von 5000 Franken. So viel Geld hat Elia nicht auf der hohen Kante. Bezahlt er die Geldstrafe nicht, winken ihm neun Monate Gefängnis.

Dass die Staatsanwaltschaft nur 180 Tagessätze gefordert habe, sei für ihn erstaunlich gewesen, sagte Gerichtspräsident Schöb. 180 Tagessätze seien das Minimum bei Raub. Und in Elias Fall sei die Mindeststrafe ungeeignet, auch weil es sich bei den Opfern um Jugendliche gehandelt habe und die Angreifer sowohl kräftiger als auch in der Überzahl gewesen seien. Angesichts von Elias Vorstrafen dränge sich der unbedingte Strafvollzug auf. «Die beiden bedingten Geldstrafen», so Schöb, «haben nicht genügt, Sie von weiteren Straftaten abzuhalten.» Auch scheine Elia das Treiben der Fan-Gruppen nicht vollends schlecht zu finden. Aus der Szene ausgetreten sei er offenbar vor allem, weil das Ganze für ihn mühsam wurde, indem der Verlust von Freundin und Arbeitsstelle drohte.

Hoffnung, dass diese Strafe wirkt

Den Widerruf des bedingten Vollzugs der in Zürich kassierten Geldstrafe ersparte Schöb dem Beschuldigten. Dies in der Hoffnung, dass die jetzt unbedingt ausgesprochene Strafe genüge, Elia von weiteren Straftaten abzuhalten. Die zweijährige Probezeit verlängerte der Richter um ein drittes Jahr. Auch die Reparatur der beiden Velos und eine Genugtuung von 500 Franken muss Elia bezahlen. Darüber hinausgehende Forderungen wurden vom Gericht auf den Zivilweg verwiesen. (aargauerzeitung.ch)

So geht Teamwork: Baseball-Fans retten verlorenen Hut

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • öpfeli 09.04.2018 20:35
    Highlight Highlight 32 Jahre alt 🤷
    scheint mir ein toller Typ zu sein
  • Judge Dredd 09.04.2018 16:40
    Highlight Highlight An all die Helden die das Urteil führ zu hart halten:
    Für die beiden ausgeraubten Jugendlichen ist es imfall nicht relevant, ob dieser Raub von maskierten Männern in der Abenddämmeung auf den Diebstahl einer Flagge abzielte oder nicht. Dementsprechend wiegt das Verschulden auch genau gleich schwer, wie wenn der Raub von einem Vermögenswert im Vordergrund gestanden hätte.
    Als 14 Jähriger hätte ich mich wohl zumindestens eingenässt, hätten mich mehrere maskierte Männer in der Dunkelheit vom Rad gestossen. Sorry, ich komm aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr raus.
  • Klirrfactor 09.04.2018 13:49
    Highlight Highlight Dieser Elia und seine Kumpels, müssen zwei Nobodys in der Szene sein.

    Wenn du überhaupt eine Fahne klauen willst, dann direkt aus dem Clubhaus - alles andere ist Kindergarten.

    Maskiert zu passen und zuschlagen irgendwo in einer Ecke ist echt armselig, unabhängig vom Alter der zwei Opfer!

    Sie hielten Ausschau nach Grossen Taschen? Wären sie in einer Hockeystadt gewesen, wären sie sogar fähig gewesen zwei Hockeytaschen zu klauen, in der Annahme es sei eine Fahne drin!
    • Pana 09.04.2018 17:55
      Highlight Highlight Einem Hockeyspieler nimmst du aber nicht so einfach die Tasche ab. ;)
  • Asmodeus 09.04.2018 11:42
    Highlight Highlight Wozu wurden eigentlich seine hochintelligenten Freunde verknackt?
  • dimitris muse 09.04.2018 11:21
    Highlight Highlight lutern-aarau ein derby? echt jetzt?
    • phreko 09.04.2018 13:33
      Highlight Highlight Ja, ist so.
  • ponebone 09.04.2018 10:49
    Highlight Highlight Wieso gilt Luzern gegen Aarau als Derby????
    • phreko 09.04.2018 13:34
      Highlight Highlight Weil es beide Seiten so sehen. Warscheinlich weil ein gewisser Teil der Fans aus denselben Gebieten stammt.
  • Roman Stanger 09.04.2018 09:33
    Highlight Highlight Ein Ü-30-jähriger, der auf offener Strasse zwei Fussballjunioren überfällt, um ihnen vermeintlich Fahnen zu klauen? Man hätte ihn dazu verurteilen müssen, wieder zu seinen Eltern zu ziehen, und dann gäbs am Matchtag jeweils Stubenarrest und ein paar hinter die Ohren.
  • Ballermann6 09.04.2018 09:25
    Highlight Highlight 32-jährige überfallen 14-jährige... was für Helden!
  • MacB 09.04.2018 08:32
    Highlight Highlight ca. 30000.- für zwei geklaute Sporttaschen?

    Sorry, das ist etwas unverhältnismässig verglichen mit weit schwerwiegenderen Taten, wo es schwer Geschädigte gab.

    WIr haben es hier ja nicht mit unbelehrbaren Gewalttätern zu tun sondern eher mit ein paar Deppen.
    • Raembe 09.04.2018 09:12
      Highlight Highlight Auch Deppen gehören für Raub und Gewalt an Minderjährigen bestraft.

      Wer mit 32 noch auf so dumme Ideen kommt, soll ruhig bluten.
    • Qui-Gon 09.04.2018 09:42
      Highlight Highlight von wegen "geklaut". Raub ist die Kombination eines Gewaltdelikts/Nötigung und Diebstahl. Die Helden haben zwei Jungs vom Velo gerissen!
    • Entenmann 09.04.2018 11:01
      Highlight Highlight @MacB: Es handelt sich nicht um einen einfachen Diebstahl, sondern um Raub und das ist eine Gewalttat. Aus dem Artikel geht sowohl hervor, weshalb der Richter den Strafbefehl (der die kleinstmögliche Strafe für Raub vorsah) als zu mild taxierte als auch, weshalb er kein bedingtes Urteil gefällt hat. Was daran "unverhältnismässig" sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • RhabarBär 09.04.2018 08:30
    Highlight Highlight Fussballfans sind manchmal wie kleine Kinder mit Autos, Feuerwerk, Messern und Metallstangen: kaum hat einer eine "tolle" Idee, setzen sie diese um, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, ob dies böse Konsequenzen haben könnte. Und dann kommt plötzlich das Mami in Form der Polizei und Papi, der Richter, verdonnert sie zum Hausdienst. Einsicht? Reue? Reflektion? Denkste!
  • Whitebeard 09.04.2018 08:20
    Highlight Highlight wohl zu viel "Capture the Flag" gespielt
  • Goon 09.04.2018 07:16
    Highlight Highlight Finde ich völlig unverhältnismässig. Die zwei überfallenen Jungs wurden nicht verletzt und der entstandene Schaden hielt sich in Grenzen.
    • Raembe 09.04.2018 08:25
      Highlight Highlight Raub ist Raub, 2 Kinder vom Velo stossen = Gewalt an Minderjährigen.

      Der soll nur bluten, auf so ne dumme Idee zu kommen....
    • Mia_san_mia 09.04.2018 11:45
      Highlight Highlight Also wer mi 32 noch so etwas dummes macht, hat diese Strafe verdient.

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