DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Die Schweizer Rekruten haben ihre Uniform mit dem Abbild des albanischen Nationalhelden Skanderbeg geschmückt. bild: Screenshot/Facebook

Secondo-Soldaten mit Adler-Emblem bringen Rechte auf die Palme

Schweizer Soldaten mit albanischem Wappen auf der Uniform: Diese Bilder sorgten letztes Jahr für rote Köpfe. SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor bringt das Thema nun wieder auf das politische Parkett. Geht es nach ihm, sollen Soldaten bei solchen Regelverstössen in Zukunft strafrechtliche Konsequenzen drohen.



Posiert ein Schweizer Soldat mit der Doppeladler-Flagge oder schmückt er seine Uniform mit dem Konterfei eines Nationalhelden, droht ihm eine Disziplinarstrafe. Diese kann von einem Verweis, über eine Ausgangssperre und Busse bis hin zu zehn Tagen Arrest reichen. Viel zu milde, meint SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor. Geht es nach dem Walliser, sollen sich die Soldaten in solchen Fällen vor dem Militärgericht verantworten – und mit strafrechtlichen Sanktionen rechnen müssen. Addor hat am Freitag einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. 

In den letzten Jahren sorgten einige Fotos von Armeeangehörigen für erhitzte Gemüter. So war die Aufregung gross, als die Gratiszeitung «20 Minuten» Anfang 2017 ein Bild von Schweizer Rekruten publik machte, die ihre Uniform mit dem Abbild des albanischen Nationalhelden Skanderbeg geschmückt hatten. Dem albanischen Wilhelm Tell sozusagen. Zwei Jahre zuvor wurde ein Foto von sieben Soldaten ins Netz gestellt, die mit erhobener Waffe und der albanischen Doppeladler-Flagge posieren. Und 2013 gab ein Gruppenbild von Durchdienern zu reden. Sie hatten darauf ihre Hände zum albanischen Adler geformt. 

«Diese Soldaten begehen einen groben Loyalitätsbruch und schaden dem Image der Schweizer Armee.»

SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor

Die Fälle befeuerten eine alte Frage aus rechten Kreisen: Haben Armeeangehörige mit ausländischen Wurzeln ein Loyalitätsproblem? «Diese Soldaten begehen einen groben Loyalitätsbruch. Im Kriegsfall muss ein Soldat bereit sein, sein Leben für die Schweiz herzugeben – und nicht für ein anderes Land», sagt Addor gegenüber watson. Solche Vorfälle liessen zumindest Zweifel daran aufkommen, ob diese Bereitschaft da sei. «Ausserdem schaden sie dem Image der Schweizer Armee

Sollen Soldaten, die ihre Uniform mit Adler-Emblem schmücken, härter bestraft werden?

Deshalb müsse man den Verantwortlichen mehr Mittel geben, um härter durchzugreifen. Käme wie von ihm gewünscht in diesen Fällen die Militärjustiz zum Zug, würden den Soldaten Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und höhere Geldstrafen drohen. Dies hätte laut Addor auch einen präventiven Effekt. 

Die Armee sei ein «Ort der Einheit». Der nationale Zusammenhalt sei hier besonders wichtig, für ethnisch geprägte Parallellgesellschaften gebe es keinen Platz. Addor: «Kommunitarismus können wir in der Armee gar nicht brauchen.» Auch wenn es bisher bei vereinzelten Fällen geblieben sei, sei es wichtig, nun die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen: «Bevor es kritisch wird.»

Kein Kommunitarismus in der Schweizer Armee 

Die Kritik in Richtung Secondo-Soldaten lässt aber eines bei Seite: Eine 2015 erschienene Untersuchung der Militärakademie der ETH Zürich belegt: Secondo-Rekruten sind motivierter und leistungsbereiter als jene ohne Migrationshintergrund. Sie sehen das Militär als persönliche und berufliche Chance, schrieb die Schweiz am Wochenende in einem Artikel mit Titel «Die besseren Schweizer» damals. Noch grösser wird der Unterschied, wenn es um den freiwilligen Dienst geht. 17 Prozent der Soldaten mit ausländischen Wurzeln können sich am Ende der RS vorstellen weiterzumachen. Bei den gebürtigen Schweizern sind es 13 Prozent. 

Addor hat das Thema bereits im März 2017 in einer Fragestunde auf das politische Parkett gebracht. Die Antwort des Bundesrates fiel deutlich aus. Von Kommunitarismus sei in der Schweizer Armee keine Spur. Ausserdem hätten Kommandeure mit den disziplinarischen Massnahmen bereits genügend Mittel und Instrumente, «um einer Lockerung der Disziplin entgegenzuwirken», schrieb Bundesrat Guy Parmelin in seiner Antwort. Der Bundesrat sehe daher keinen Handlungsbedarf. Eine Antwort, die Addor nicht zufrieden stellte.

Das waren die Schweizer Bunker im Zweiten Weltkrieg

1 / 26
Das waren die Schweizer Bunker im Zweiten Weltkrieg
quelle: x90184 / arnd wiegmann
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Diese Soldatin der Nationalgarde empört tausende Amerikaner

Video: watson/nico franzoni

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Ein schwarzer Sonntag für kommende Generationen» – die Reaktionen auf das CO2-Nein

Am Sonntag wurde das CO2-Gesetz von der Schweizer Stimmbevölkerung bachab geschickt. Das löste Jubel auf der einen Seite und Ratlosigkeit auf der anderen Seite aus. Die Reaktionen von Medien, Politik und weiteren im Überblick.

Der «Tages-Anzeiger» warnt in seinem Kommentar nach dem Absturz der Klimavorlage vor ernsten Konsequenzen. Der Bundesrat und mit ihm alle Klimaschützer im Land stünden nach dem Volksnein zum CO2-Gesetz vor einem Scherbenhaufen.

Für den Chefredaktor der Blick-Gruppe, Christian Dorer, sind die Menschen für Umweltschutz, solange es nichts kostet und sie nicht einschränkt. So kommentiert er unter dem Titel «Klima retten - bitte ohne mich!» das Nein zum CO2-Gesetz.

Die Redaktion des CH-Media-Verlags …

Artikel lesen
Link zum Artikel