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Der Grosse Rat tagt wegen den Vorsichtsmassnahmen gegen das Coronavirus im Congress Center in Basel, am Donnerstag, 14. Mai 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Im Grossen Rat in Basel reden häufig die Männer. Zu häufig, wie zwei Grossrätinnen finden. Bild: KEYSTONE

Basler Grossrätinnen fordern gendergerechte Redezeit – und stechen damit in ein Wespennest

Michela Seggiani (SP) und Tonja Zürcher (BastA!) prangern genderungerechte Redezeiten im Grossen Rat von Basel an. Nun fordern sie detaillierte Statistiken und Massnahmen gegen männliche Labertaschen.



Nehmen die Männer im Basler Grossrat den Frauen die Redezeit weg?

Ja, finden die beiden Grossrätinnen Tonja Zürcher (BastA!) und Michela Seggiani (SP). In einem Anzug an das Ratsbüro kritisierten die beiden ihre männlichen Plauderkollegen, welche bei einer eigens durchgeführten Redezeitmessung 80 Prozent der Redezeit für sich beansprucht haben. Das liege jedoch nicht daran, dass die Männer häufiger reden, sondern dass sie dies einfach länger tun, schreiben Seggiani und Zürcher in ihrem Brief.

«Uns ist aufgefallen, dass viele Männer bei den Sitzungen sehr lange reden. Die Frauen machen dies weniger. Zumindest war das unser Eindruck», sagt Michela Seggiani. Da sie dies allerdings nicht einfach so, ohne Beweise, behaupten konnten, führten Sie ihre eigene Messung durch. Und siehe da: «Unser erster Eindruck hat sich bestätigt.»

Nun wollen Seggiani und Zürcher es noch genauer wissen: In ihrem Anzug an das Ratsbüro fordern sie genaue Messungen der Redezeit und wie diese zwischen Männern und Frauen aufgeteilt sind. Auch soll das Ratsbüro prüfen, «welche Massnahmen zur Erreichung geschlechtergerechter Anteile an Wortmeldungen und Redezeit ergriffen werden können».

Mit ihrem Vorpreschen erhoffen sich Seggiani und Zürcher eine Sensibilisierung des Grossen Rates. «Vielleicht kommt es ja dereinst dazu, dass man den Männern sagt, sie sollen sich kürzer halten», sagt Seggiani. Viele Männer würden die Voten der Frauen nicht ernst nehmen und dann das genau Gleiche nochmals erzählen. «Das verzögert den Ratsbetrieb.»

Den Grund für die männlichen Quasselstrippen sieht sie in der Sozialisierung von Frauen und Männern: «Die Männer suchen oft die grossen Bühnen, um sich mitzuteilen. Frauen machen dies lieber im nahen sozialen Umfeld.»

«Unsäglicher Chabis»

Von den männlichen Ratskollegen waren nicht alle begeistert ob des Briefes von Seggiani und Zürcher. Der ehemalige SVP-Grossratspräsident Joël Thüring schrieb zum Beispiel auf Twitter von «Gender-Absurdität» und «Gender-Chabis». Auch SVP-Grossrat Pascal Messerli hält nicht viel von der Idee und befürchtet, dass die Rechte der Parlamentsmitglieder eingeschränkt werden könnten.

So weit wird es vorerst nicht kommen. Das Ratsbüro muss vorerst nur berichten, ob es eine Möglichkeit gäbe, die Redezeit zu messen.

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Fallait demander - Du hättest doch nur Fragen müssen

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Wenn sich Männer die Sprüche anhören müssten, die sonst nur Frauen abkriegen

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