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Bern: Allianz will acht Gebäude sanieren und kündigt 142 Mietparteien

ARCHIVBILD ZUR JAHRESBILANZ 2016 DER VERSICHERUNG ALLIANZ SUISSE, AM DONNERSTAG, 30. MAERZ 2017 - Logo Allianz Suisse in Wallisellen (ZH) am Donnerstag, 17. Maerz 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)
Mit einer grossen Leerkündigung sorgt die Allianz-Versicherung für Ärger in Bern. Bild: KEYSTONE

Allianz-Versicherung will in Bern Liegenschaft sanieren – und kündigt 142 Mietparteien

12.01.2026, 14:4012.01.2026, 14:40

Die Allianz-Versicherung will zahlreiche Liegenschaften am Loryplatz in Bern sanieren, was Konsequenzen mit sich zieht: 142 Mietparteien haben deswegen die Kündigung erhalten. Dies berichtet der «Der Bund» am Montagmorgen.

Konkret handelt es sich um acht Mehrfamilienhäuser an der Ecke Schwarztorstrasse und Effingerstrasse. Die Sanierungen werden voraussichtlich rund 20 Monate dauern, ein Baugesuch für das Vorhaben ist noch keines publiziert worden.

Die Zeitung schreibt von der «wohl grössten Leerkündigung der Stadt Bern der letzten Jahre». Vorgesehen war die Kündigung eigentlich für Ende Februar 2026.

Kritik trotz Vereinbarung

Als die Mieterinnen und Mieter im vergangenen November darüber informiert wurden, bot der Versicherer eine Vereinbarung an, die den Personen ermöglicht, den Auszug auf mindestens Anfang 2027 zu verschieben.

Dafür sollten die Mieterinnen und Mieter allerdings auf das Recht einer Anfechtung der Kündigung verzichten. Gemäss dem «Bund» haben alle Mieterinnen und Mieter in die Vereinbarung eingewilligt – der Zeitung ist zumindest kein Mieter bekannt, der nicht eingewilligt hat.

Trotz der Einwilligung wird nun Kritik laut. Denn bei der Infoveranstaltung im November blieben gemäss dem Bericht mehr Fragen offen, als beantwortet wurden.

So fragen sich die Betroffenen zum Beispiel, warum es eine Leerkündigung gäbe, wenn in mehreren Etappen saniert werde und mit einer Zwischennutzung für viele ein Verbleib in den Wohnungen möglich gewesen wäre. Auch die Frage, wie viel die neu sanierten Wohnungen nach Abschluss der Arbeiten kosten würden, wurde nicht beantwortet.

Vor allem die Frage nach dem zukünftigen Preis beschäftigt die Betroffenen, von denen viele bereits seit über 20 Jahren in den Liegenschaften wohnen. Denn die Allianz hat ihnen ein Mietvorrrecht gegenüber Dritten gewährt. Doch ohne konkrete Mietpreise kann auch nicht über eine allfällige Rückkehr entschieden werden, so der Tenor der Mieterinnen und Mieter.

Eine Anwohnerin sagt, sie sei entsetzt über das Vorgehen: «Sie schmeissen einfach alle aus der Siedlung raus.» Die Vermutung bei den Mietparteien ist, dass die Allianz künftig mit den sanierten Wohnungen mehr Umsatz erzielen will: «Die Allianz will uns loswerden und künftig mit den Wohnungen mehr Profit erzielen, und wir können nichts dagegen tun», heisst es.

Allianz-Versicherung wehrt sich

Die Allianz wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf die Frage der Zeitung nach dem Grund gibt der Versicherer an, dass die Sanierung und damit die Kündigungen nötig seien.

Die Liegenschaften wurden im Jahr 1949 gebaut, und eine Sanierung «im vermieteten Zustand ist aufgrund der notwendigen Sanierungstiefe nicht zumutbar», so die Allianz.

Vieles sei veraltet, zudem entsprächen die Liegenschaften nicht mehr den Vorschriften in Bezug auf Brandschutz, Erdbebensicherheit und Absturzsicherung, heisst es. Dazu kämen unerwartete Schäden, die in den Gebäuden aufgetreten seien.

Zu den Mietpreisen hält sich die Versicherung auch gegenüber dem «Bund» bedeckt:

«Die Gesamtsanierung befindet sich noch in der Planungs- und Abstimmungsphase. Erst wenn alle Details geklärt sind, lässt sich ein belastbarer Mietzins berechnen.»
Allianz Versicherung

Die Preise würden sich allerdings am orts- und quartierüblichen Mietzinsniveau orientieren, sagt die Allianz. Die Pressesprecherin betont gegenüber dem Bund: «Es handelt sich hier nicht um eine Luxussanierung.» (ome)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rethinking
12.01.2026 15:07registriert Oktober 2018
„ Die Preise würden sich allerdings am orts- und quartierüblichen Mietzinsniveau orientieren“

= Preistreibereien…

Dur Bund soll endlich bestehende Gesetze richtig umsetzen und sämtliche Mieten zurück korrigieren und zu hoch verlangte zurück fordern
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MainAccount
12.01.2026 15:44registriert Oktober 2020
Es fehlt eine effektive Mietzinskontrolle, dadurch wird das Gesetz von Vermietern quasi systematisch missachtet und die orts- und quartierüblichen Mieten steigen immer weiter, völlig abgekoppelt von dem was gemäss Gesetz zulässig wäre.
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