Schweiz
Billag

Wirbel um angebliche Fake-Mitarberin von SRF

ARCHIVBILD ZUR MK DER STIFTUNG KURT IMHOF ZUR MEDIENQUALITAET, AM MONTAG, 23. OKTOBER 2017 - Der Hauptsitz von Schweizer Radio und Fernsehen SRF in Zuerich Oerlikon, aufgenommen am 8. Januar 2013. (KE ...
Das SRF muss sich für die Tweets seiner Mitarbeiter entschuldigen.Bild: KEYSTONE

SRF-Promis blamieren sich mit No-Billag-Shitstorm gegen angebliche Fake-Mitarbeiterin

Kommunikations-GAU bei der SRG: Mitarbeiter werfen den No-Billag-Befürwortern öffentlich vor, mit dreckigen Tricks zu arbeiten. Doch dann fallen die Fake-Vorwürfe in sich zusammen. Wie es dazu kam – in fünf Schritten.
17.11.2017, 09:4117.11.2017, 22:33
Mehr «Schweiz»

Die Anschuldigung

Auf verschiedenen Kanälen melden sich SRF-Mitarbeiter am Mittwoch und Donnerstag zu Wort – mit happigen Vorwürfen. Eine Frau habe sich auf Facebook als Ex-SRF-Mitarbeiterin ausgegeben, um so Stimmung für die No-Billag-Initianten zu machen.

Im fraglichen Post schreibt die Frau, sie habe einige Zeit bei SRF gearbeitet – «und ehrlich gesagt, habe ich sehr, sehr wenig gearbeitet und einfach gut verdient». Es folgen Ausführungen zum hohen Stellenwert von Kaffeepausen und Luxus-Events bei Schweizer Radio und Fernsehen.

Prominente SRF-Mitarbeiter prangern den Eintrag auf Social Media als «Fake» an: Die Frau habe nie bei SRF gearbeitet. 

Bild
Bild

Die Beweisführung

Der Facebook-Kommentar, den die Frau im sozialen Netzwerk unter einem Artikel zu No Billag gepostet hatte, machte in den letzten Tagen SRF-intern die Runde. Wie Recherchen von watson zeigen, begannen die Mitarbeiter intern und extern herumzufragen: Hat die Frau, die sich als Ex-Kollegin ausgibt, wirklich einmal im Konzern gearbeitet?

Sie kommen zum Schluss: Nein. Die Personalabteilung habe dies bestätigt, erzählt man sich. SRF-Mitarbeiter kontaktieren die mutmassliche Lügnerin via Facebook und stellen sie zur Rede. Entweder, sie belege ihre Tätigkeit beim SRF mit einem Arbeitszeugnis oder sie entschuldige sich öffentlich und lege ihre Motivation für die «Falschbehauptung» offen.

Die Frau löscht darauf sowohl ihr Facebook-Profil als auch ihren Linkedin-Account. Für manche SRF-Mitarbeiter der ultimative Beweis, dass es sich um ein Fakeprofil gehandelt hatte.

Die Berichterstattung

Das Newsportal Blick.ch nimmt die Geschichte auf: Im Kampf um No Billag werde «scheinbar auch mit schmutzigen Tricks gearbeitet». Der Artikel dreht sich darum, wie SRF-Sportredaktor Stefan Hofmänner die «erfundene Kollegin» auf Facebook «enthüllt». Aufhänger ist der Facebook-Eintrag, in dem Hofmänner vor dem «frei erfundenen Post» warnt: «Wer ihn gelesen hat, wurde schamlos angelogen. Es ist zutiefst erschreckend.» Das Branchenportal Persoenlich.com verbreitet die Geschichte weiter. Auch eine Journalistin des «Tages-Anzeigers» weist in den sozialen Medien auf den angeblichen Fake hin.

Bild
screenshot: blick.ch

Der Schock

Am Donnerstag macht in der SRF-Belegschaft plötzlich das Gerücht die Runde: Die «erfundene Kollegin» existiert doch. Warum davor alle so felsenfest vom Gegenteil überzeugt waren, lässt sich nicht mehr eruieren. Auch, ob die Fehlinformation von der Personalabteilung bestätigt worden war, bleibt unklar.

Die Entschuldigung

Auf Anfrage von watson räumt SRF-Sprecher Stefan Wyss ein: «Mitarbeitende von SRF haben auf ihren privaten Social-Media-Accounts Vorwürfe erhoben, die nicht stimmen. Die besagte Person war vor mehreren Jahren einige Zeit für SRF tätig.» SRF habe mit der ehemaligen Angestellten umgehend Kontakt aufgenommen und sich für das Vorgehen der Mitarbeitenden entschuldigt. «Das Vorgehen der Mitarbeitenden war in keiner Weise angemessen oder erwünscht.»

Auch Sportkommentator Stefan Hofmänner entschuldigt sich: «Ich habe einen Fehler gemacht, und das tut mir ausserordentlich leid. Ich habe zu wenig genau abgeklärt, ob eine ehemalige Mitarbeitende tatsächlich bei uns gearbeitet hat. So ein Fehler darf einem routinierten Journalisten unter keinen Umständen unterlaufen.» Damit die Falschinformation nicht weiterverbreitet wird, habe er den entsprechenden Post auf Facebook gelöscht.

Erst kürzlich hatte die SRG die Social-Media-Regeln für ihre Mitarbeiter gelockert. So dürfen sich die Mitarbeiter auf Facebook oder Twitter zum Unternehmen äussern, ohne dies vorgängig mit dem Vorgesetzten abzusprechen. Abstimmungsparolen dürfen allerdings keine veröffentlicht werden.

So positioniert sich der neue SRG-Generaldirektor im Billag-Streit

WAS?! In der Schweiz darf ich also ÜBERALL Bier trinken?????

Video: watson/Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
140 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
chnobli1896
17.11.2017 09:57registriert April 2017
Da scheinen einige Angst um ihren Job zu haben..
38867
Melden
Zum Kommentar
avatar
hertha_bsc
17.11.2017 09:50registriert Mai 2017
Bravo, moll... Ist SRF schon so gross, dass man nicht mal mehr weiss, wer dort gearbeitet hat vor wenigen Jahren?
409145
Melden
Zum Kommentar
avatar
sheimers
17.11.2017 11:03registriert April 2014
Sie war nur kurz beim SRF? Vielleicht musste sie gehen, weil sie lieber Kaffe getrunken und getratscht hat, anstatt zu arbeiten wie ihre Kollegen.
18366
Melden
Zum Kommentar
140
Eklat in der SVP: Christian Imark stellt pikante Forderung an Magdalena Martullo-Blocher
Das ist höchst ungewöhnlich. Energiespezialist Imark greift SVP-Vizepräsidentin Martullo-Blocher offen an. Sein Vorwurf: Mit ihrem Nein zum Stromgesetz gefährde sie langfristige Parteiinteressen.

Auf der einen Seite steht Christian Imark. Der SVP-Nationalrat aus Solothurn brachte am 2021 das CO₂-Gesetz praktisch im Alleingang zum Absturz. Im Februar 2024 reichte er als Mitglied des Initiativkomitees die Blackoutinitiative ein, die neue AKW wieder erlauben will. Und 2023 war er als Vertreter der Energiekommission (Urek) verantwortlich dafür, dass die SVP-Fraktion das Stromgesetz von SVP-Bundesrat Albert Rösti mit 36:18 Stimmen absegnete. Die Volksabstimmung findet am 9. Juni statt.

Zur Story