Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Erste Coronavirus-Ansteckungen von Ärzten und Pflegenden auf Schweizer Intensivstationen

Spitäler verzeichnen Covid-19-Erkrankungen von Gesundheitsfachpersonen. Betroffene fallen mindestens zehn Tage aus.

Lorenz Honegger / ch media



Blick in einen Behandlungsraum des Spitals Moncucco in Lugano am Dienstag, 17. Maerz 2020. Die Klinik Moncucco in Lugano ist eines von zwei medizinischen Zentren im Kanton Tessin zur Behandlung von Coronavirus Patienten. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Blick in einen Behandlungsraum des Spitals Moncucco in Lugano. Bild: KEYSTONE

Am Mittwoch hat die Zahl der bestätigten Corona-Virus-Ansteckungen in der Schweiz offiziell die 3000er-Grenze überschritten. Unter den Infizierten befinden sich nun auch Gesundheitsfachpersonen, die auf den Intensivstationen lebensbedrohlich erkrankte Covid-19-­Patienten behandeln.

Das bestätigt die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) auf Anfrage. Ein Sprecher betont, es handle sich bei den ­Erkrankten im Allgemeinen um junge und gesunde Menschen mit einem sehr geringen Sterberisiko.

Schweizweit 1200 Intensivpflegebetten

Die Organisation rechnet damit, dass in der Schweiz mittelfristig ähnlich wie in Italien neun Prozent aller Ansteckungen auf Angestellte im Gesundheitsbereich entfallen werden. Im südlichen Nachbarland betrug die Zahl der infizierten Ärzte und Pflegefachpersonen am 15. März rund 2026 bei total 22'512 Ansteckungsfällen. Die infizierten Angestellten können laut der Gesellschaft für Intensivmedizin für mindestens zehn Tage nicht arbeiten: «Das Gesundheitssystem wird dadurch zusätzlich unter Druck gesetzt.»

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte diese Woche, die Situation auf den Intensivstationen sei derzeit noch unter Kontrolle. Doch wenn es nicht gelinge, die Ansteckungskurve abzuflachen, werde dies in den Spitälern zu Überlastung und zu zusätzlichen Todesfällen führen. Das BAG beziffert die Zahl der maximal verfügbaren Intensivpflegebetten in der Schweiz auf 1200.

Bild

Auch der Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer bezeichnet die aktuelle Situation in den Spitälern als angespannt. Das Personal leiste Zusatzschichten und Überstunden, sagt Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Verbandes. Sie rechnet mit weiteren Ausfällen von Gesundheitsfachpersonen, die selbst zur Risikogruppe gehören.

Es gebe Pflegefachpersonen, die an Krebserkrankungen, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen litten. Deren Einsatz bei der Behandlung von Covid-19-Patienten sei «heikel». Die Spitäler müssten klären, ob sie die betreffenden Angestellten in Bereichen ohne Patientenkontakt einsetzen können. «Zum Beispiel im Back-Office oder in der Administration.»

Verband: Kein Rückruf von ­pensioniertem Pflegepersonal

Als «höchstkritisch» beurteilt Ribi den Rückruf von pensionierten Pflegefachkräften zur Erhöhung der Kapazitäten in den Spitälern. «Wir haben von mehreren Kantonen und Institutionen gehört, die pensioniertes Personal einsetzen wollen.» Pflegefachpersonen über 64 respektive 65 Jahren gehörten jedoch zu den vulnerablen Gruppen und hätten den gleichen Schutz verdient wie alle anderen Menschen.

Personalengpässe sind auch bei der Spitex zu erwarten. Marianne Pfister, Geschäftsführerin des nationalen Dachverbandes, sagt, die Non-Profit-Spitexorganisationen pflegten bereits jetzt infizierte Menschen. Im Kanton Luzern führten Angestellte bei den Klienten zu Hause Sars-CoV-2-Tests durch. Die Mitarbeitenden können aufgrund der Zusatzbelastung künftig ähnlich wie die Spitäler nicht mehr alle Leistungen anbieten.

«Angehörige unserer Klienten müssen in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich vermehrt bei der Betreuung ihrer Verwandten einspringen.» Es gebe beispielsweise Menschen, welche die Spitex nur für das Hochziehen der Stützstrümpfe benötigten. Solche leichten Betreuungsaufgaben könnten Angehörige gut übernehmen.

Nicht nur die Personalknappheit, auch die knappe Zahl der Beatmungsgeräte in den Spitälern bereitet Experten Sorgen. Die Schweiz verfügt laut Andreas Wieland, Chef des weltweit führenden Beatmungsgeräteherstellers Hamilton Bonaduz, über 1000 bis 1200 der lebensrettenden Maschinen.

«Ich gehe davon aus, dass dies niemals ausreichen wird, wenn die Pandemie so heftig kommt wie in Italien», sagte er diese Woche zu «Swissinfo». Sein Unternehmen liefere derzeit in die Schweiz, aber auch ins Ausland. «Wir versuchen, dorthin zu liefern, wo die Not am grössten ist.» (bzbasel.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Diese Promis, Sportler und Politiker haben das Coronavirus

Coronavirus: Wir erklären dir, warum du jetzt wirklich zuhause bleiben musst

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roland Strauss 20.03.2020 09:09
    Highlight Highlight Das Gute ist, wenn sie das hinter sich haben sind sie immun und bestens für die Aufgabe gerüstet.
  • Val Boralis 19.03.2020 13:33
    Highlight Highlight Einen Vorteil hat das Ganze aber schon: Die Natur kann sich ein Wenig erholen.
  • MarGo 19.03.2020 09:59
    Highlight Highlight Die 1200 Intensivpflegebetten sind erschreckend wenig...

    Schweiz: 8 Mio. Einwohner = 1200 Betten
    Deutschland: 80 Mio. Einwohner = 28'000 Betten, die jetzt "so schnell wie möglich" verdoppelt werden laut BPK...

  • Posersalami 19.03.2020 09:32
    Highlight Highlight "Kein Rückruf von ­pensioniertem Pflegepersonal"

    Wieso denn das? Wer sagt denn, dass man die zur Pflege von Corona-Patienten einsetzen muss? Können die nicht die "normalen" Fälle übernehmen, um die anderen Pflegekräfte zu entlasten? So eine räumliche Trennung sollte man doch hinbekommen!
    • achsoooooo 19.03.2020 12:12
      Highlight Highlight @Posersalami auch "normale" Patienten können infiziert und ansteckend sein, bevor sie Symptome zeigen.
    • nass 19.03.2020 12:37
      Highlight Highlight Leute die keine Ahnung haben sollten doch einfach still sein. Danke.
  • Don Harrison 19.03.2020 09:05
    Highlight Highlight Interessant ist, dass seit dem 23. Februar+/-allmählich mehr unternommen wurde.
    Jedoch schade finde ich, dass es schon seit Ende Januar diverse Fälle in der Schweiz gab. Das wäre meiner Meinung nach ein längerer Ansteckungs-Zeitraum. Aber jetzt Panik verbreiten, und alle so Ohh die Zahlen wachsen so schnell nach oben. Ohh.
    Machen wir das beste aus der Situation. Kopf Hoch und Stay Strong.

    Heute Abend, Applaus für die Medizinischen Fachpersonen. Thank you..
  • Cns 19.03.2020 08:15
    Highlight Highlight Bei unserer Patiententransportfirma müssen die ü60 und die zu einer Risikogruppe gehörenden Mitarbeiter zuhause bleiben. Das erhöht den Druck auf die übrigen Arbeiter, auf die Spitäler, Rettungsdienste und allgemein das Gesundheitswesen.
  • mrmikech 19.03.2020 07:53
    Highlight Highlight Danke an alle, die die massnahmen angehalten haben, und danke an alle, die sich um die kranken kümmern!

    Wer jetzt noch rummotzt und sich nicht an die massnahmen hält: du bist ein totaler loser!
  • P. Silie 19.03.2020 07:52
    Highlight Highlight Wie in einem WELT Interview interessant beschrieben blicken die Chinesischen Ärzte besorgt auf Europa: "„Unsere europäischen Kollegen erkranken in ihrer täglichen Praxis an Covid-19, in einer Anzahl, die der damaligen Situation in Wuhan recht ähnlich ist“, sagte Wu Dong, Professor für Gastroenterologie am Krankenhaus des Peking Union Medical College" https://www.welt.de/politik/ausland/article206625847/Aerzte-aus-Wuhan-zu-Corona-Europa-wiederholt-die-Fehler-aus-China.html?wtrid=onsite.onsitesearch
  • bokl 19.03.2020 07:39
    Highlight Highlight Haben sich erste Ärzte / Pfleger auf der Intensivstation (also bei der Arbeit) angesteckt oder sind erste Ärzte / Pfleger die auf Intensivstationen arbeiten infiziert (Ansteckung in der Freizeit)?

    Letzteres wäre keine Überraschung und nicht speziell erwähnenswert.
    • worldbreaker 19.03.2020 09:52
      Highlight Highlight @bokl; Wenn du nur den Ansatz einer Ahnung hättest, wie zur Zeit der Alltag von Pflegepersonal und Ärzten aussieht, hättest du dir hier die Peinlichkeit einer solchen Aussage ersparen können.
      Oder denkst du wirklich, dass die leidtragende Berufsgruppe in dieser Situation nach Feierabend noch in einer grossen Runde zum Feierabendbier geht?
    • Ökonometriker 19.03.2020 09:56
      Highlight Highlight @bokl: das lässt sich leider nicht nachvollziehen. Statistisch lässt sich aber berechnen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich bei der Arbeit angesteckt haben, bei über 95% liegt.
    • Illuminati 19.03.2020 09:57
      Highlight Highlight In der Freizeit anstecken ist schwierig, wenn man gar keine Freizeit mehr hat...
      Danke für euren unermüdlichen Einsatz an der Front liebes Spitalpersonal und ganz vielen anderen Berufsgattungen!
  • wasihrnichtsagt 19.03.2020 06:58
    Highlight Highlight Gute Besserung unseren Helden die sich aufopfernd um die Kranken kümmern! Danke das es euch gibt!
  • redeye70 19.03.2020 06:07
    Highlight Highlight Wenn ich dies lese, die hohe Dunkelziffer mit einbeziehe und all die Menschen draussen sehe, dann kann ich nur feststellen, dass uns die Situation entgleitet. Und der Bundesrat hat bald schon eine Woche ungenutzt gelassen die Ausgehsperre auszusprechen. Jetzt wird es uns sehr hart treffen. Macht euch auf Schlimmes gefasst!
    • Heinzbond 19.03.2020 06:18
      Highlight Highlight Wenn man vor drei Wochen für 14 Tage alles zu gemacht hätte, Ausgangssperre usw, dann wäre der Aufschrei gross gewesen, und noch heute gibt es Leute die machen daraus ein happening...
    • öpfeli 19.03.2020 06:20
      Highlight Highlight Ich befürchte daselbe. 😔
    • Troll Mc Clur formerly known as Harvey Dent 19.03.2020 06:29
      Highlight Highlight Nicht der BR, wir als Gesellschaft versagen. Und dies wegen ein paar weniger.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Heinzbond 19.03.2020 05:43
    Highlight Highlight Jahrzehntelanges Sparen in den meisten Ländern rächt sich nun, und ich bin sicher nach der Krise sind alle anderen Branchen gerettet und der Medizin läuft das ausgebrannte Personal davon...

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz und der internationale Vergleich

Die Corona-Zahlen für die Schweiz steigen im Moment rapide. Deshalb findest du hier einen Überblick zu allen neuen sowie aktuellen Fallzahlen für die Schweiz und einen Vergleich zu internationalen Daten zu Neuansteckungen mit dem Coronavirus.

Das Coronavirus hält die Schweiz weiterhin in Atem. Die Zahl der Neuansteckung steigt nach neuesten Entwicklungen in den unterschiedlichen Kantonen seit dem August wieder und viele sprechen bereits von einer zweiten Corona-Welle in Europa und in der Schweiz.

Damit du den Überblick über die sich stetig verändernde epidemiologische Lage behältst, zeigen wir dir hier alle relevanten Statistiken zu den Neuansteckungen, Positivitätsrate, Hospitalisierungen und Todesfällen in den Schweizer …

Artikel lesen
Link zum Artikel