Schweiz
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Und was ist eigentlich mit den Campingplätzen?

Campingplätze wurden als einzige Beherbergungsbetriebe per Bundesdekret geschlossen. Jetzt verlangen die Betreiber gleiche Bedingungen wie ihre Mitstreiter.

Gabriela Jordan und Frédéric Härri / ch media



Hotels, Jugendherbergen und Alphütten mussten per Bundesdekret gar nie schliessen. Viele taten dies während des Lockdowns aber freiwillig, die Gäste blieben in dieser Zeit ohnehin aus. Jetzt öffnen die meisten wieder ihre Türen.

Die Ausnahme: Campingplätze, die als einzige Beherbergungsbetriebe weiterhin geschlossen bleiben müssen. Die Empörung der Branche ist gross – und ebenso die der Camper. Aktuell werden die Betreiber mit Fragen über die Öffnung überhäuft.

Das sind die extremsten Campingplätze der Schweiz
Camping Vorauen / Klöntal ist eine gute Std. von Zürich weg, schafft es regelmässig in die Toplist der schönsten Campingplätze und hat direkt am See eine schöne Zeltwiese. 

Zudem kann gegen Depot von chf 20 eine Feuertrommel ausgeliehen werden, die sich als Grill umfunktionieren lässt und den Platz am Abend in ein magisches Lichtermeer verwandelt.

Der See geht sehr flach rein und ist für Kinder geeignet. Das Bild zeigt, wie es gestern dort aussah:

Campingplätze wie dieser am Klöntalersee dürfen noch keine touristischen Gäste aufnehmen. Bild: Userinput

Doch nach wie vor gibt es für die rund 400 offiziell erfassten Campingplätze in der Schweiz keinen fixen Eröffnungstermin. Dies, obwohl Bundesrat Ueli Maurer in seiner flammenden Rede in der Sondersession an die Schweizer Bevölkerung appellierte, in der Schweiz Ferien zu machen und das Geld hier auszugeben.

Janine Bunte, Vorsitzende des Dachverbands Parahotellerie, kritisierte den Bundesrat an einer Medienkonferenz am Mittwoch deshalb scharf: Sie wisse nicht, ob die Regierung die Campingplätze ganz einfach vergessen habe. Sie selbst habe sie am Tourismus-Gipfel vom 26. April darauf hingewiesen.

Campingplätze spielen im Schweizer Tourismus eine wichtige Rolle: Pro Jahr generieren sie über 3.5 Millionen Logiernächte oder rund 6.3 Prozent aller in der Schweiz registrierten Übernachtungen. Der Anteil inländischer Touristen ist dabei sehr hoch: Rund 80 Prozent sind Schweizer. Besonders bei Familien sind sie aufgrund der erschwinglichen Preise beliebt.

Diese Firmen und Institutionen müssen noch auf die Öffnung warten:

Am 8. Juni folgt der dritte und letzte Lockerungsschritt der Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus. Vorausgesetzt, dass die Fallzahlen nicht wieder ansteigen, dürfen dann auch die aktuell noch geschlossenen Firmen und Institutionen wieder ihren Betrieb aufnehmen: Bergbahnen, Zoos und botanische Gärten, Theater und Kinos, weitere Schulen und Ausbildungsstätten, Spiele ohne Publikum in Profiligen, Schwimmbäder sowie Gottesdienste. Bereits öffnen durften am 11. Mai die Gastronomie, der Detailhandel, Museen und Bibliotheken. Seit dem 27. April sind zudem schon Baumärkte, Gartencenter, Coiffeursalons und medizinische Praxen wieder offen.

Platzverhältnisse in den Waschräumen seien problematisch

Lange zeigten die Betreiber und der Verband Swisscamps noch Verständnis für die Situation. «Wir nutzten die Zeit, um Schutzkonzepte auszuarbeiten», sagt etwa Oliver Grützner, Leiter Tourismus & Freizeit beim Campingplatzbetreiber TCS.

Jetzt ist der Geduldsfaden aber gerissen: Die Branche fordert, sofort öffnen zu dürfen. Swisscamps und der TCS intervenierten und verschickten Briefe. An das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), an den Gesamtbundesrat, an Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, an Wirtschaftsminister Guy Parmelin.

Bisher blieb die Reaktion aus. Auch auf eine Anfrage der CH-Media-Zeitungen reagierte die Bundesverwaltung bis jetzt nicht. Einzig das Seco schickte laut Grützner eine Antwort. Als Grund für die Schliessung führte es die Platzverhältnisse in den sanitären Anlagen auf. Auch solle der Reise- und Ferienverkehr dadurch vermindert werden.

«Das ist einfach nicht logisch und nicht fair», moniert Wolfgang Bosshardt. Er ist Zentralpräsident von Swisscamps und betreibt einen Campingplatz in Sur En im Unterengadin. «In die Berge reisen darf man, in Hotels und Alphütten soll man Ferien machen dürfen. Aber in Campingplätzen nicht? Wir haben ausserdem mehr Platz als SAC-Hütten mit ihren Schlägen.»

Grützner ergänzt: Die Frage der Platzverhältnisse in den Toiletten und Waschräumen stelle sich auch in jedem Restaurant und in jeder Berghütte. Dies lasse sich mit einem guten Schutzkonzept lösen. Er hofft nun doch noch auf ein rasches Einlenken des Bundesrates – mit Auffahrt und Pfingsten stehen im Mai noch umsatzstarke Tage an. «Ich hoffe, dass wir kommenden Montag öffnen dürfen. Vorbereitet sind wir.»

Touristen könnten wild campieren

Ob daraus etwas wird, ist unklar. Bekannt ist derzeit lediglich, dass die Campingplätze bis am 7. Juni geschlossen bleiben müssen. So steht es in der neusten Verordnung über die Corona-Schutzmassnahmen. Janine Bunte vom Dachverband Parahotellerie geht deshalb von einer Öffnung am 8. Juni aus. «Wir hoffen und setzen auf diesen Termin, auch wenn uns der Bundesrat darüber im Unklaren lässt.»

Bunte kritisiert ausserdem, dass nicht sämtliche touristische Leistungsträger gleichzeitig öffnen konnten – so warten etwa auch Bergbahnen noch auf die Wiedereröffnung.

Derweil könnte es aufgrund der geschlossenen Campingplätze zu wildem Campieren kommen, ist Bosshardt von Swisscamps überzeugt. «Das Bedürfnis der Leute nach Ferien in der Natur ist da. Diejenigen, die ein Wohnmobil besitzen, werden auch so losfahren und es dann einfach irgendwo parkieren.» Den Campingplätzen entgehen so weitere Einnahmen. Laut Grützner hat der TCS durch die Schliessung seiner 24 Plätze Stand heute bereits 5 Millionen Franken verloren.

Ein kleiner Trost bleibt: Der Sommer sieht punkto Buchungen gut aus, meint Grützner. Auch Wolfgang Bosshardt schreibt sein Sommergeschäft noch nicht ab. In den Monaten Juli, August und September sei sein Camping am Ufer der Inn für gewöhnlich gut besetzt. «Mal abwarten», meint Bosshardt, «die Saison kann ja noch was werden.» (aargauerzeitung.ch)

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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • outdoorch 16.05.2020 10:10
    Highlight Highlight Wir haben im Klöntal an den Toiletten ein recht simples Prinzip mit mitnehmbaren Schildchen für Herren/Damentoilette.

    Hat‘s keine Schildchen mehr, ist die Anlage anzahlmässig belegt.

    Im Moment sind die beiden Plätze am Klöntalersee jedoch nur für Festcamper offen. Tagesbesuch ist erlaubt, jedoch gilt die 5 Personen/2m Abstand Regel; Kiosk ist auch für Besucher offen.

    Wir hoffen natürlich mit Euch, dass der Virus baldmöglichst soweit eingedämmt werden kann, dass wir Euch so bald als möglich wieder bei uns begrüssen können. Tolle Stimmung und wunderschönes Panorama ist im Preis inklusive 🍀

  • amazonas queen 16.05.2020 08:28
    Highlight Highlight Sind die Platzverhältnisse in sanitären Anlagen von Jugendherbergen und Kasernen so viell besser?
  • Eidgenosse1291 (1) 16.05.2020 07:53
    Highlight Highlight Selbstverständlich werden wir wild stehen 🤷‍♀️ Wir folgen Ueli Maurer's Aufruf: machen sie Ferien in der Schweiz, und das tun wir auch. Aber das war ja geplant und gewollt, dass vor zwei verlängerten Wochenenden keine Antwort kommt, die schieben das so lange raus, bis Auffahrt und Pfingsten vorüber sind, hahaha! Übrigens ein absolutes NoGo von einem Bundesrat, keine Antworten zu entsenden, jedes Kind erhält für sowas einen Klaps auf den Hintern!
  • Bächli 15.05.2020 22:55
    Highlight Highlight Der Bundesrat verspielt sich bei der Bevölkerung viel Kredit, den er sich vorher aufgebaut hat. Auch dass Zoos, wo man sich mehrheitlich draußen aufhält nicht öffnen dürfen, Museen aber schon, erzeugt jedenfalls bei mir ein gewisses Kopfschütteln.
  • Bitsundbites 15.05.2020 22:00
    Highlight Highlight Wie kann es sein das unsere Campingplätze weiterhin geschlossen bleiben sollen und auf der A1 bei Wileroltigen mittlerweile gegen 30 oder 50 französische Fahrende stehen.
    Alle benutzen eine einzige Toilettenanlage, und alle Wohnwagen sind auf kleinstem Raum zusammen gepfercht.

    Unseren Campingplatzbetreibern wollt ihr weis machen das sie wegen Corona nicht öffnen dürfen ob wohl überall zig tausend m/2 Land zur Verfügung stehen.

    Wie ungerecht ist dies denn. ? Das Schweizer Volk wird hier einmal mehr total für dumm verkauft.
    • poltergeist 16.05.2020 00:19
      Highlight Highlight Die Fahrenden? Die dürfen machen was sie wollen.
    • lilie 16.05.2020 11:25
      Highlight Highlight @Bitsandbites: Es ist wirklich nicht ersichtlich, warum die Campingplätze noch nicht öffnen dürfen.

      Die Fahrenden würde ich jetzt da aber nicht vergleichen, weil das ja immer die gleiche Gruppe. Das könnte man als "zusammenwohnen" einstufen. In einem Alters- oder Wohnheim oder einer WG kann man ja auch nicht die gleichen Massnahmen durchsetzen wie eben an Orten, wo Fremde zusammenkommen und sich sanitäre Anlagen teilen müssen.
    • MartinZH 16.05.2020 11:32
      Highlight Highlight "Weil das ja immer die gleiche Gruppe". Häh? 🤔
    Weitere Antworten anzeigen
  • Caturix 15.05.2020 20:16
    Highlight Highlight Komisch wo liegt das Problem mit den Sanitären Anlagen ? hat ein Campingplatz ein Massenlager darf er das aufmachen mit den selben sanitären Anlagen.
  • Stefan Balz 15.05.2020 19:32
    Highlight Highlight Hauptsache Tätowieren geht....
  • Leader 15.05.2020 19:24
    Highlight Highlight Ich erachte diese Ungleichbehandlung als absolute Willkür.
    Aber was darf man von den involvierten Bundesräten und der Vorsteherin des SECO schon anderes erwarten Leider!
    Ich werde mein Wohnmobil halt auf einen der vielen Parkplätze stellen, erhalte ich eine Busse kenne ich die Adressen zur Weiterleitung!
  • MartinZH 15.05.2020 18:08
    Highlight Highlight Merkwürdige Prioritäten des Bundesrats: Für Grenz- und Restaurat-Öffnungen gibt es umfangreiche Planungen und Medienkonferenzen, aber die Camping-Plätze hat man zuerst einfach einmal vergessen und jetzt lässt man sie sogar noch länger links liegen.

    Würde es eine klare Linie mit einem vernünftigen Konzept geben, hätte man schon längst erkannt, dass eine Ansteckungsgefahr auf einem Camping deutlich geringer ist, als wenn man sich in ein Restaurant begibt und noch im ÖV herumreist, wo fast niemand eine Make trägt, obwohl dies "dringend empfohlen" wird.

    Ist doch völlige Willkür, oder etwa nicht?
    • lilie 16.05.2020 11:31
      Highlight Highlight @MartinZH: Ein vollständig stringentes Konzept in dieser kurzen Zeit zu erarbeiten, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Und dann gilt es ja auch, mit allen Branchenvertretern zu sprechen und die Situationen in allen Zweigen zu beurteilen. Es ist einfach nicht realistisch in dieser Situation, allen gerecht zu werden.

      Für die Campingplätze wäre es zwar zu wünschen, dass sie die umsatzstarken Feiertage nutzen dürfen. Womöglich sind es aber genau jene, die der Bund aus epidemiologischen Überlegungen abwarten will.

      Wär in diesem Falle aber besser, das offen zu kommunizieren.
  • Toerpe Zwerg 15.05.2020 16:11
    Highlight Highlight Ich mag kein Camping.
    • Toerpe Zwerg 15.05.2020 17:04
      Highlight Highlight Sehr geil!

      27:0 Blitz:Herz

      Campingfaschismus
    • Papa la Papp 15.05.2020 17:59
      Highlight Highlight Kann es sein, dass Dich diese Pandemie mehr belastet als notwendig?
      Vllt würden Dir ein paar Tage an der frischen Luft, zB Camping ⛺️ helfen Deine Krise zu bewältigen ✌🏻
    • Toerpe Zwerg 15.05.2020 20:13
      Highlight Highlight Papa la Papp
    Weitere Antworten anzeigen
  • Toerpe Zwerg 15.05.2020 14:49
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • Toerpe Zwerg 15.05.2020 14:56
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
    • sheshe 15.05.2020 15:26
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.

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