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Wie ist das jetzt mit der Boosterimpfung in der Schweiz? 9 Aspekte, die du kennen solltest

In der Schweiz fehlt immer noch die Zulassung einer Covid-Auffrischimpfung. Einige Experten wünschen sich eine solche für ältere Menschen. Die wichtigsten Antworten dazu.
19.10.2021, 05:2819.10.2021, 06:50
Bruno Knellwolf und Sabine Kuster / ch media

Wie sieht es mit der Auffrischimpfung in der Schweiz aus?

Pfizer und Moderna haben bei Swissmedic Anträge um Zulassungserweiterung für eine Auffrischimpfung eingereicht. Swissmedic hat hierzu noch nicht entschieden. Erst nach der Zulassung werden die Eidgenössische Impfkommission EKIF und das BAG eine Impfempfehlung formulieren, erklärt Katrin Holenstein vom BAG. Das BAG sagt nicht, wann das sein wird, obwohl inzwischen mehrere Experten in der Schweiz eine Booster-Impfung fordern.

In anderen Ländern wird die dritte Impfdosis bereits verabreicht.
In anderen Ländern wird die dritte Impfdosis bereits verabreicht.Bild: keystone

Zum Beispiel twittert der Neurowissenschafter Dominique de Quervain von der Universität Basel: «Die Schweiz muss nachziehen. Die wissenschaftliche Evidenz für den Nutzen der Booster-Impfung kann von der Schweizer Impfbehörde kaum länger ignoriert werden, ohne dass nicht ihre Glaubwürdigkeit Schaden nehmen würde.» Er verweist auf eine Studie, die zeigt, dass bei denjenigen, die eine Auffrischungsdosis erhalten hatten, bei allen Altersgruppen die Raten bestätigter Infektionen und schwerer Erkrankungen deutlich niedriger waren. Vom BAG heisst es bis heute, man sehe in der Schweiz noch kein Nachlassen der Impfwirkung, das eine Auffrischimpfung erfordern würde.

Was sagt die Impfkommission?

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).
Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).Bild: keystone

Offiziell noch nichts. Ihr Präsident, Christoph Berger, betont aber in einem Interview mit dem «Blick»: «Die normale Bevölkerung braucht dieses Jahr sicher keinen Booster.» Es gebe keine Hinweise, dass der Schutz der mRNA-Impfung bei dieser Gruppe nachlasse.

Anders sieht es bei den über 80-Jährigen aus. Daten aus England zeigten die Tendenz, dass der Schutz der Impfung bei ihnen leicht abnehmen könnte. Booster-Impfungen würden zwar den «wahrscheinlich leicht nachlassenden» Schutz bei ihnen ungefähr 85 auf 95 Prozent erhöhen. Es sei aber unklar, wie lange der gesteigerte Schutz anhalte, so Berger weiter.

Noch weniger eindeutig ist die Ausgangslage bei über 65 Jahre alten Personen mit Risikofaktoren. Da gebe es unterschiedliche Resultate, die aber allesamt keine signifikante Abnahme des Schutzes zeigen. Bei den unter 65-jährigen Risikopersonen zeige sich derweil gar keine Abnahme des Impfschutzes.

Oberster Kantonsarzt hofft auf baldige Zulassung
Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz, findet es zwar «absolut richtig», dass sich die Zulassungsstelle Swissmedic und die Impfkommission (Ekif) – die danach die Empfehlung heraus gibt – nicht unter Druck setzen liessen und «einzig aufgrund von verfügbaren Daten und Fakten entscheiden», sagt Hauri in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Auf der anderen Seite «denke er schon», dass die Schweiz damit nicht mehr allzu lange warten solle. (sda)

Für wen ist eine Booster-Impfung gedacht?

Grundsätzlich für Menschen, bei denen die Wirkung der doppelten Impfung nachlässt. Mit der dritten Impfung erhalten alte Menschen eine Immunantwort, wie sie jüngere Menschen bereits nach der doppelten Impfung haben. Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt eine Auffrischimpfung sechs Monate nach einer Impfung mit Biontech/Pfizer für alle über 65-jährigen, für Vorerkrankte, die über 50 Jahre alt sind, sowie für Mitarbeitende des Gesundheitswesens und Lehrpersonen jeden Alters.

Als Vorerkrankung gelten unter anderem Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Diabetes, Fettleibigkeit, Krebs sowie ein geschwächtes Immunsystem. In Deutschland wird schwer immungeschwächten Personen bereits vier Wochen nach der Grundimmunisierung eine Auffrischimpfung angeboten.

Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt die Auffrischimpfung für bestimmte Gruppen.
Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt die Auffrischimpfung für bestimmte Gruppen.Bild: keystone

Warum nimmt der Impfschutz ab?

Antikörper schwinden in den Schleimhäuten, zum anderen verändert sich das Virus laufend und wird unter Umständen weniger gut erkannt, schreibt die Covid-19-Taskforce. Allerdings können Antikörper in Geimpften im Falle einer Infektion schnell wieder produziert werden (siehe Antwort 5).

Nimmt dieser Schutz auch bezüglich Hospitalisation ab?

Eine neue, noch unbegutachtete Studie aus New York zeigt zwar den schwindenden Infektionsschutz innerhalb der ersten sechs Monate, der Schutz vor einer Spitaleinweisung bleibt bei den geimpften 18- bis 64-Jährigen jedoch konstant nach einer doppelten Impfung mit einem mRNA-Stoff. Nur bei den geimpften über 65-Jährigen steigt das Risiko einer Spitaleinweisung über die Zeit von sechs Monaten.

Moderna zeigt einen etwas besserem Schutz. Gemäss einer noch unbegutachteten Studie von Public Health England liegt der Impfschutz durch Biontech/Pfizer vor einer Spitaleinweisung nach fünf Monaten bei Personen 65+ bei 95 Prozent, bei jenen mit schweren Gesundheitsproblemen bei rund 70 Prozent. Der Schutz gegen einen tödlichen Verlauf ist noch etwas höher als 95 Prozent und er sank während fünf Monaten kaum, selbst bei den Seniorinnen und Senioren.

Nimmt der Impfschutz mit der Zeit weiter rapide ab?

Nein. Die oben genannte Studie aus New York zeigt, dass im siebten und achten Monat kein weiteres Absinken des Impfschutzes zu beobachten war. Man geht davon aus, dass sich die Immunantwort nach sechs Monaten stabilisiert. Dies erklärte Immunologe Andreas Radbruch gegenüber dieser Zeitung: Während die Zahl der Antikörper im Blut während eines halben Jahres sinkt, bleiben die Gedächtniszellen im Rückenmark danach konstant und zwar über mehrere Jahre. Der Körper ist dann zwar schwächer vor einer Infektion geschützt, doch bei Viruskontakt ist die Immunantwort rasch wieder aufgebaut. Daher ist zu erwarten, dass der Schutz der Impfung vor schwerer Erkrankung in den meisten Menschen über Jahre anhält.

Wann wird die Swissmedic eine Zulassung für eine Booster-Impfung beschliessen?

Swissmedic arbeitet noch immer an der Zulassung und kann keinen Termin nennen. Entscheide würden erst kommuniziert, wenn sie gefallen seien. «Dies werden wir auch bei den Zulassungsgesuchen für die Booster-Impfungen machen», sagt Swissmedic-Sprecher Alex Josty. Der Fahrplan der Zulassung wird gemäss Swissmedic massgeblich durch die Firmen bestimmt, unter anderem durch die Qualität der Unterlagen. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, können dank der rollenden Begutachtung Zulassungsentscheide rasch erfolgen, wie die bisher in der Schweiz erfolgten Zulassungen für Covid-19-Impfstoffe belegen.

In allzu weiter Ferne scheint dieser Entscheid von Swissmedic nicht mehr zu sein. So könnte es sein, dass die dritte Impfung bis Ende Oktober zugelassen wird, wie Zulassungsleiter Claus Bolte in der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens SRF von Montagabend sagte.

Sobald Swissmedic die Zulassung erteilt hat, dauert es gemäss Berger ungefähr zwei Wochen, bis die Impfkommission die Empfehlung angepasst hat. Die meisten Kantone wiederum wären sofort bereit, mit dem Verabreichen der dritten Impfungen zu beginnen, so Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz.

Darf in Ausnahmefällen schon eine Booster-Impfung gemacht werden?

Ja. Booster-Impfungen dürfen bei bestimmten Risikogruppen vorgenommen werden. Zum Beispiel bei Menschen, bei denen das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird. Das BAG listet dafür «besonders gefährdete Personen» auf.

Dabei handle es sich um einen Teil der Grundimmunisierung und nicht um eine Booster-Impfung, erklärte Hauri. Dennoch sähe er hier zum Beispiel für Hochbetagte einen Spielraum. Allerdings reiche ein hohes Alter alleine nicht aus. Es brauche den Nachweis, dass der Impfschutz nach zwei Dosen ungenügend sei.

Die Impfkommission hat offenbar Wege gesucht, um bei der dritten schneller vorwärts zu machen. So habe es das Szenario gegeben, die Impf-Empfehlungen ohne die Zulassung von Swissmedic anzupassen, sagte Berger. Die Kommission habe sich dann aber entschieden, auf Swissmedic zu warten.

Können Grippeimpfungen gleichzeitig mit einer Booster-Impfung erfolgen?

Gemäss der US-Gesundheitsbehörde CDC können diese beiden Impfungen problemlos kombiniert werden.

(Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.)

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Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie

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