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Schweiz hat «höchste 14-Tages-Inzidenz in Europa»: Das war die Corona-PK

Wer ist von der Omikron-Variante betroffen? Was steht uns bevor? Und was sind die Empfehlungen für Silvester? Das und mehr beantworteten die Experten des Bundes am Point de Presse.
28.12.2021, 16:1628.12.2021, 16:31

Wie ist die aktuelle Lage?

Die Omikron-Variante verbreitet sich schnell und ist inzwischen die in der Schweiz dominante Virus-Variante: Etwa 55 Prozent der aktuellen Fälle stammen von Omikron. Diese Zahl sei aber noch mit Vorsicht zu geniessen. Dies sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG am Dienstagnachmittag vor den Medien in Bern.

«Die 14-Tages-Inzidenz in der Schweiz ist eine der höchsten in Europa»
Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG

Der Stand der Wissenschaft zu Omikron habe sich noch nicht gross verändert. Klar sei, dass Omikron sich schneller verbreite. Zudem verhärte sich die These, dass eine mit Omikron infizierte Person früher ansteckend sei als eine mit Delta.

Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG
Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAGBild: keystone

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 13'375 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Gleichzeitig registrierte das BAG 17 neue Todesfälle und 124 Spitaleinweisungen. Der Anteil der vollständig Geimpften liegt bei 67,1 Prozent.

Gemeldet wurden 51'051 Tests. Deren Positivitätsrate lag bei 26,2 Prozent.

Damit seien die täglichen Neuinfektionen weiterhin hoch bis sehr hoch. Die Fallzahlen stiegen wieder seit dem 18. Dezember (deutlich über 10'000 Fälle pro Tag). «Die 14-Tages-Inzidenz in der Schweiz ist eine der höchsten in Europa», führt Mathys aus.

Wer ist überhaupt betroffen?

Die 20- bis 29-Jährigen sind neu am stärksten betroffen von Infektionen mit dem Coronavirus. Die Omikron-Variante ist bereits für mehr als die Hälfte aller Infektionen verantwortlich, so Mathys weiter.

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«Omikron ist in der Schweiz angekommen und breitet sich schnell aus», so Mathys. Die Verdoppelungszeit liege zwischen drei und fünf Tagen. Zum Schweregrad der Erkrankungen gebe es nach wie vor noch viele Unsicherheiten.

336 Patienten müssten derzeit auf einer Intensivstation versorgt werden. Dies entspreche fast 40 Prozent der verfügbaren Plätze. Eine optimale Versorgung der Patienten sei weiterhin nicht mehr gewährleistet. Zeitnah drohten weitere Engpässe und ein hoher Druck auf die Spitäler.

Insgesamt präsentiere sich die Situation äusserst ungünstig. Entspannung sei nicht in Sicht. Im Gegenteil. Es deute eigentlich alles auf eine Verschärfung hin.

62 Prozent der über 65-Jährigen in der Schweiz seien geboostert. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung hätten 23 Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Wie sind die Aussichten?

Corona-Task-Force-Chefin Tanja Stadler erwartet demnächst um die 20'000 Coronavirus-Ansteckungen pro Tag. Grund für diese rasche Zunahme in den ersten Januar-Wochen ist demnach die hochansteckende Omikron-Variante, die bald nahezu alle Ansteckungs-Fälle ausmachen dürfte.

«Fallzahlen um 20'000 sind plausibel»
Tanja Stadler, Chefin der Covid-Task-Force

Dabei liege bei den meisten Prognose-Szenarien der Reproduktionswert von Omikron bei etwa 2 im Vergleich zur Delta-Variante, wo der Wert deutlich unter 1 liegt. Der sogenannte R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt.

Stadler warnte davor, die Annahme, die Omikron-Variante führe zu weniger schweren Krankheits-Verläufen, auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach wie vor entscheidend sei bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, wie schnell sich weite Teile der Bevölkerung impfen lassen – auch ein drittes Mal mit einem Booster. Impfen schütze vor Ansteckung, allerdings nicht vollständig.

Task-Force-Chefin Tanja Stadler hat keine Good News für uns.
Task-Force-Chefin Tanja Stadler hat keine Good News für uns.Bild: keystone

Wichtig bleiben Impfen, Testen, Maskentragen, das Lüften von Innenräumen und die Einschränkung von Kontakten, wie Stadler betonte.

Wie sieht's in den Spitälern aus?

In einzelnen Spitälern sind die Kapazitätsgrenzen erreicht. Die Koordination und Verlegung von Spitalpatienten funktioniere aber gut, sagte Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Ärzte (VKS).

«Die Auslastung in den Spitälern ist insgesamt handhabbar»
Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Ärzte

Durch die schiere Anzahl der Fälle sei das Contact-Tracing in einigen Kantonen eingeschränkt, dort könnten nicht mehr alle engen Kontakte eruiert werden. «Die Auslastung in den Spitälern ist insgesamt handhabbar», so Hauri.

Die Schweiz funktioniere auch mit 20'000 Menschen in Quarantäne oder Isolation: Rudolf Hauri.
Die Schweiz funktioniere auch mit 20'000 Menschen in Quarantäne oder Isolation: Rudolf Hauri.Bild: keystone

Die Absage des Spengler Cups aufgrund von zahlreichen Infektionen von Spielern des HC Davos dürfte der Omikronvariante geschuldet sein, vermutet der Zuger Kantonsarzt. Glücklicherweise sei über schwere Krankheitsverläufe bei den jugendlichen Sportlern nichts bekannt.

Hauri rief erneut dazu auf, die Hygiene-Massnahmen und Einschränkungen strikte einzuhalten; insbesondere sei es sinnvoll, im öffentlichen Verkehr korrekt eine Maske zu tragen. Beim Fahren in kleineren Fahrzeugen mit Menschen aus unterschiedlichen Familien könne das Tragen einer FFP2-Maske von Vorteil und angebracht sein.

Müssen auch doppelt Geimpfte in Quarantäne?

Es gebe keinen Grund, bei geimpften oder doppelt geimpften Personen auf Quarantäne-Massnahmen zu verzichten, sagte Tanja Stadler, Präsidentin der wissenschaftlichen Taskforce, am Dienstag vor den Medien in Bern. Anders sehe das bei Menschen mit Auffrischungsimpfung aus. Diese seien besser geschützt.

Man könne dem Geschehen nicht einfach seinen Lauf lassen, ergänzte Patrick Mathys: «Wir werden sehr hohe Fallzahlen und eine hohe Belastung der Spitäler haben.»

Allerdings werde man mit den vielen sich abzeichnenden Ansteckungen der kommenden Wochen in einen Bereich gelangen, wo ein grosser Teil der Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt gekommen sei.

Die Pandemie sei erst ausgestanden, wenn alle immun gegen das Virus seien, so Stadler. Idealerweise sei man bei einer Ansteckung geimpft. Solange bleibe die Herausforderung, die Spitalstrukturen aufrecht zu erhalten und möglichst viele Menschen zu boostern.

Wie lange schützt der Booster vor Omikron?

Wie lange eine Auffrischimpfung (Booster) gegen eine Ansteckung mit der Omikron-Variante des Coronavirus schützt, ist derzeit unklar. Zehn bis zwölf Wochen lang allerdings dürfte der Schutz hoch sein, schätzt Task-Force-Chefin Tanja Stadler.

Die Datenlage sei noch dünn, weil die Omikron-Variante erst seit kurzer Zeit im Umlauf sei. Wissenschaftliche Erkenntnisse, kommen vor allem aus Israel, wie Stadler am Dienstag vor den Medien in Bern sagte.

Was sind die Empfehlungen für Silvester?

Man könne ein Fest feiern, aber man müsse sich schützen. Durchmischter Kontakt in Innenräumen sei nicht empfohlen, meint Rudolf Hauri.

Übrigens:

Der grosse Unterschied bezüglich Schutz vor dem Coronavirus liegt nicht zwischen medizinischer Maske und FFP2-Maske, sondern zwischen «keiner Maske und korrekt getragener Maske», sagt Taskforce-Präsidentin Tanja Stadler auf Anfrage von watson.

Stressen dich die Maskenverweigerer in den ÖV? Hier kommt Hilfe!

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

Wenn jeder und jede die Maske korrekt trüge, dort wo es Sinn mache, «dann hätten wir die Epidemie gut im Griff», so Stadler. Eine FFP2-Maske sei nicht in jeder Situation nötig, aber «situativ bringt sie auf alle Fälle etwas».

Das sei der Grund, weshalb der Bund keine Empfehlung für das Tragen von FFP2-Masken mache, ergänzte Patrick Mathys. Generell sei es einfach wichtig, eine Maske richtig zu tragen, sonst biete sie keinen zusätzlichen Schutz. (bal/sda)

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