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Soziale Kontakte trotz Zuhausebleiben: Eine Frau besucht ihre Eltern in einem Pflegeheim in Thun. Die Besucherbox ist durch eine Glasscheibe unterteilt.
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Bild: KEYSTONE

Senioren bewegen sich wieder auf Vor-Lockdown-Niveau

Restaurants, Coiffeure und Primarschulen sind wieder geöffnet – kein Wunder, dass die Schweiz die eigenen vier Wände wieder vermehrt verlässt. Problematisch dabei: Insbesondere die Risikogruppe ab 65 Jahren bewegt sich wieder auf Vor-Lockdown-Niveau.
28.05.2020, 09:0429.05.2020, 06:57
Lea Senn
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Seit über 10 Wochen steht das Leben vieler Senioren und Seniorinnen Kopf. Sie sollen nicht mehr selbst einkaufen gehen, dürfen keine Enkel mehr hüten und auch die vielen Ausflüge und Veranstaltungen mit Freunden und Familie wurden grösstenteils abgesagt.

Anfangs hielten sich viele noch an die zahlreichen Appelle des Bundesrats. Inzwischen ist allerdings insbesondere bei der Altersgruppe über 65 Jahren eine gewisse Lockdown-Müdigkeit festzustellen. Seit der Pressekonferenz am Mittwochnachmittag ist klar: Das Ende ist in Sicht. Senioren dürfen das soziale Leben wieder aufnehmen, selbstständig einkaufen und Enkel hüten.

Die Bewegungsdaten

Bundesrat Alain Berset sprach zwar gestern davon, dass sich die Über-65-Jährigen diszipliniert gezeigt haben und das mag für die ersten Wochen nach dem Lockdown auch stimmen. Inzwischen hat sich die Situation aber geändert.

So zeigt beispielsweise die Studie zu den Bewegungsdaten, die vom Kanton Zürich für die ganze Schweiz in Auftrag gegeben wurde, dass die älteste Gruppe fast wieder genau so viele Kilometer zurücklegt, wie sie es noch vor Mitte März getan hat.

So haben die Senioren, die an der Erhebung freiwillig teilnahmen, am Dienstag vor Auffahrt im Median 14 Kilometer Distanz zurückgelegt – zu Fuss, mit dem Velo, Auto oder Zug. Ein durchschnittlicher Wert in der Vor-Corona-Zeit.

Median zurückgelegte Distanz

Bild: watson/intervista

Auch was den Radius angeht, in dem sich die Altersgruppen bewegen, sticht die älteste Gruppe hervor: Sie bewegt sich zwar verglichen mit den jüngeren Mitmenschen noch immer auf kleinerem Raum, verglichen zu der Zeit vor dem Lockdown ist allerdings die kleinste Differenz auszumachen.

Median Bewegungsradius

Bild: watson/intervista

Die Gründe

Mögliche Gründe, warum sich Junge verhältnismässig noch weniger bewegen als Anfang Jahr, gibt es viele. Beispielsweise sind die Universitäten und Fachhochschulen noch immer geschlossen und bei vielen jungen Leuten fällt das tägliche Pendeln so noch immer weg.

Ausserdem können Jüngere mit den technologischen Mitteln häufig einfacher soziale Kontakte aufrecht erhalten, ohne dafür das Zuhause verlassen zu müssen. Viele Seniorenhaushalte sind nicht mit Smartphones oder Computern ausgerüstet und können nur durch Verlassen der eigenen vier Wände zu sozialen Kontakten kommen.

Schliesslich gab es in der Schweiz auch zu keinem Zeitpunkt ein Ausgehverbot für Senioren – abgesehen vom Tessin und einigen Tagen im Kanton Uri. Einkäufe und andere Botengänge waren daher vielleicht nicht empfohlen, jedoch niemals explizit verboten. Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation der Pro Senectute Schweiz, hält an dieser Stelle jedoch fest: «In der Freizeit haben sich die Senioren und Seniorinnen sehr konsequent eingeschränkt, viele Wanderungen und Hütedienste wurden abgesagt.»

Die Solidarität

Viele ältere Personen dürften sich auch ab der zurückgewonnen Selbstständigkeit freuen. So haben gemäss einer heute veröffentlichten Umfrage der Pro Senectute 76% aller über 75-Jährigen in den letzten Wochen Unterstützung erfahren. Bei den 66- bis 75-Jährigen war es immerhin etwas über die Hälfte.

Wurden Sie in den letzten Wochen unterstützt, z.B. beim Einkaufen oder mit Fahrdiensten?

Umfrage der Pro Senectute bei Über-50-Jährigen.
Umfrage der Pro Senectute bei Über-50-Jährigen.
Bild: pro senectute

Die Unterstützung erfolgte nicht selten auch von jüngeren Menschen wie Enkeln, Nachbarn oder Freiwilligen. In der Studie von Pro Senectute geben daher auch knapp drei Viertel der Befragten an, dass ihr Bild von den jüngeren Generationen durch die Corona-Krise (sehr) positiv beeinflusst wird.

Mehr Sorgen macht sich Pro Senectute um die längerfristigen Konsequenzen der Beziehung zwischen Alt und Jung. Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, nicht beurteilen zu können, ob das Altersbild bei jüngeren Menschen längerfristig Schaden nehmen könnte – oder haben sogar das Gefühl, dass die generationenübergreifenden Beziehungen in Zukunft leiden.

Alain Huber, Direktor von Pro Senectute Schweiz, meint dazu: «Diese Unsicherheit müssen wir sehr ernst nehmen. Sollte sich dieser Trend verstärken, werden wir vermehrt Gegensteuer geben müssen.»

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