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Bild: Imago

Nur der Booster stoppt Omikron-Welle: Manche Geimpfte haben nur noch 35 Prozent Schutz

Rekordansteckungen in London mit Omikron, auch in der Schweiz wird die Variante im Januar dominieren. Boostern ist deshalb entscheidend, sagt die Virologin Isabella Eckerle.
18.12.2021, 10:3918.12.2021, 11:37
Bruno Knellwolf, Sabine Kuster / ch media

Grossbritannien stöhnt unter dem Infektionsrekord: 88'000 Infektionen an einem Tag werden gemeldet, ein Viertel davon in London. Die britische Hauptstadt ist das Epizentrum von Omikron, weil die neue Variante dort einen Anteil von 70 Prozent hat. Im Rest des Landes sind es auch schon 40 Prozent.

Zwar ist Omikron immer noch eine Wundertüte, aber der im Süden Afrikas beobachtete hohe Ansteckungsgrad der Variante und der Wachstumsvorteil gegenüber Delta bestätigt sich. Deshalb schätzt die Covid-19-Taskforce, dass Omikron Anfang 2022 das Infektionsgeschehen in der Schweiz dominieren wird. «Noch sind wir zwei Wochen hinter Grossbritannien zurück», sagte Virginie Masserey vom BAG am Freitag.

«Eine noch ansteckendere Variante mit noch schnellerer Ausbreitung wird ein ganz grosses Problem werden.»
Isabelle Eckerle, Virologin

Die Virologin Isabelle Eckerle von der Universitätsklinik Genf hält die momentane Situation für alles andere als gut, um die Omikron-Welle stemmen zu können. Eckerle sagt: «Eine noch ansteckendere Variante mit noch schnellerer Ausbreitung wird ein ganz grosses Problem werden – nicht nur, weil dann noch mehr Patienten in die Kliniken kommen, sondern weil man auch mit vermehrtem Ausfall von Personal wie Ärzten und Pflegepersonal rechnen muss.»

Praktisch alle Nichtimmunisierten wird es treffen

«Ich denke, dass Omikron zu einem grossen Ausbruch führen wird, und dass sich wahrscheinlich praktisch alle jetzt noch nicht immunisierten, sowie sicher auch einen Teil der Genesenen und Geimpften infizieren werden», sagt Eckerle. «Eine Ausnahme bleiben vielleicht die kürzlich Geboosterten, die wohl einen etwas besseren Immunschutz gegen Omikron haben.» Eine erste britische Vorstudie zu den Impfstoffen von Astrazeneca und Biontech/Pfizer schätzt die Wirksamkeit gegen symptomatische Infektion mit Omikron ein. Dabei zeigte sich, dass der Schutz von Biontech neun Wochen nach der zweiten Impfung bei 88 Prozent liegt und nach vier Monaten auf rund 35 Prozent gefallen ist.

Virologin Isabelle Eckerle von der Universitätsklinik Genf.
Virologin Isabelle Eckerle von der Universitätsklinik Genf.Bild: sda
«Für dreifach Geimpfte besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit nicht schwer zu erkranken. Für Ungeimpfte ist zu befürchten, dass sie schwer an Omikron erkranken.»
Christian Münz, Immunbiologe

In der gleichen Studie zeigte sich auch, dass die dritte Impfdosis den Schutz wieder stark erhöht, nämlich auf 60 bis 85 Prozent. Wie lange dieser Infektionsschutz anhalte, könne man aber noch nicht sagen, erklärte die Taskforce-Leiterin Tanja Stadler. Auch Christian Münz, Immunbiologe an der Universität Zürich sagt, es lohne sich, die Immunantwort durch einen Booster anzuheben, weil der Impfstoff bei Omikron bis 40-fach weniger neutralisiere als gegen frühere Varianten.

Milder Verlauf beobachtet

Unklar ist weiterhin die Schwere der Erkrankung durch Omikron. In Südafrika wird ein milder Verlauf beobachtet. Eine gross angelegte Praxisstudie in Südafrika ergab am Mittwoch, dass die Mutation zwei Drittel weniger Spitaleinweisungen verursacht als Delta. Auch in Grossbritannien zeigen erste Analysen, dass Omikron-Patienten weniger schwer krank werden.

Christian Münz, Immunbiologe an der Universität Zürich.
Christian Münz, Immunbiologe an der Universität Zürich.Bild: pd

«Für dreifach Geimpfte besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit nicht schwer zu erkranken. Für Ungeimpfte ist zu befürchten, dass sie mit einer Delta nicht unähnlichen Frequenz auch schwer an Omikron erkranken», sagt Münz. Grossbritannien hat auf die Studienresultate reagiert und die Booster-Kampagne beschleunigt, um bis Ende Jahr so viele wie möglich zu impfen.

Aufgrund der sehr schnellen Ausbreitung, sagen amerikanische Experten, könnte Omikron einen riesigen Ausbruch auslösen, der zu einer Immunisierung der gesamten Bevölkerung führe. Danach würden Sars-CoV-2 und seine Mutationen endemisch, das heisst regional begrenzt, und einen saisonalen Verlauf erhalten. Auch Münz geht davon aus, dass durch Omikron in diesem Winter eine relativ stark verbreitete Grundimmunität in der Bevölkerung entsteht.

Isabella Eckerle erwartet, dass das sehr hohe Infektionsgeschehen danach schnell absinken und es in Zukunft zu einer endemischen Situation kommen könnte. «Das hiesse konkret, dass Omikron weiterhin zirkulieren wird, aber wahrscheinlich nicht mehr solche massiven Wellen verursachen wird, wie es sich jetzt gerade für die nächsten Wochen abzeichnet», sagt Eckerle. Mittelfristig werde es einen angepassten Impfstoff an die Variante brauchen.

Unsicher, ob Boostern zur Regel wird

«Ob man den dann regelmässig wieder mit einem Booster auffrischen muss, entweder, weil der Schutz vor Erkrankung abnimmt oder weil das Virus sich weiter verändert, dazu kann man aktuell noch keine Aussage treffen», sagt die Virologin. Wenn man einen Ausblick auf den weiteren Verlauf von Omikron mache, müsse man unterscheiden zwischen dem Auftreten des Virus in einer Pandemie oder in einer begrenzten Endemie und der Krankheitslast, welche die Variante entwickelt. Endemisch bedeute nur, dass der Erreger in einer gewissen Population oder Region zirkuliere, sage aber gar nichts über seine Krankheitsschwere aus. «Es gibt zum Beispiel Malaria-Endemiegebiete, und Menschen sterben dort an dieser Erkrankung.»

Falls nach Omikron keine weitere besorgniserregende Variante mehr auftauche, habe die nun bald dominierende Variante das Potenzial, endemisch zu werden. «Das wird aber nicht automatisch bedeuten, dass es deswegen eine geringere Krankheitslast hat oder sich nur noch wie ein Schnupfen präsentiert. Ebenso wenig weiss man nicht, ob nicht nochmals eine neue gefährliche Variante auftrifft», sagt die deutsche Virologin der Universitätsklinik Genf.

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