Schweiz
Coronavirus

Coronavirus im Büro: Wie du eine Ansteckung vermeiden kannst

Am Schweizer Arbeitsmarkt sind Buchhalter und IT-Spezialisten in den im Juni publizierten Stellenausschreibungen besonders gefragt.(Symbolbild)
Im Grossraumbüro können sich Aerosole über mehrere Meter durch den Raum bewegen. Bild: KEYSTONE

Covid-Ansteckungen im Büro – warum Lüften so wichtig und wann eine Maske ratsam ist

Der Arbeitsplatz entwickelt sich zum Hotspot von Coronavirus-Übertragungen. Experten raten zu Home Office, regelmässigem Lüften – und Maskentragen bei Sitzungen.
14.10.2020, 05:5014.10.2020, 07:04
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Der Arbeitsplatz ist zu einem der häufigsten Ansteckungsorte mit dem Sars-CoV-2-Virus geworden. Zwar können nur rund 30 Prozent der mit dem Coronavirus-Infizierten rekonstruieren, wo sie mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Davon sagen aber 16 Prozent aus, sich bei der Arbeit angesteckt zu haben. Mehr bekannte Übertragungen gibt es lediglich innerhalb der Familie. So schrieb es vor Kurzem «20 Minuten», gestützt auf eine Auswertung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

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In vielen Büros gilt zwar nach wie vor eine Homeoffice-Regelung. Doch ebensoviele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind inzwischen wieder an ihren gewohnten Arbeitsplatz zurückgekehrt – obwohl Experten aus Wissenschaft und Medizin die Variante Homeoffice präferieren. Nicola Low, Epidemiologin der Task Force des Bundesrates, sagt: «Wann immer möglich, rate ich dazu. Das wäre momentan sehr wichtig.» Auch Jan Fehr, Infektiologe und Leiter des Corona-Testzentrums der Universität Zürich, beobachtet es kritisch, dass der Bundesrat die Homeoffice-Regelung aufgehoben und trotz der steigenden Fallzahlen keine neue ausgesprochen hat.

Lüften als Knackpunkt

Damit das Büro nicht zum Superspreader-Event wird, empfehlen Experten, sich an die üblichen Massnahmen zu halten. Will heissen: Häufiges Händewaschen oder desinfizieren, Abstand halten von mindestens 1,5 Metern und den Raum gut belüften. Dabei wird insbesondere der letzte Punkt im Winter zum Knackpunkt. Je kälter die Temperaturen draussen werden, desto unbeliebter ist es, die Fenster regelmässig zum Durchlüften zu öffnen.

«Aerosole verteilen sich beim Sprechen doppelt, beim Schreien oder Singen sogar zehnmal so schnell in einem Raum.»
Dieter Kissling, Arbeitsmediziner

Dabei spielt die Zufuhr von frischer Luft eine wichtige Rolle, um der Verbreitung des Coronavirus in Innenräumen entgegenzuwirken. Denn mittlerweile wissen die Forscherinnen und Forscher, dass sich das neuartige Coronavirus auch über Aerosole verbreiten kann. Das sind Kleinstpartikel, die beim Sprechen, Husten, Singen oder auch einfach beim Atmen ausgestossen werden und in der Luft weiter schweben. Je nachdem können sie sich auch mehrere Meter durch den Raum bewegen.

«Aerosolmengen entstehen beim Sprechen doppelt so häufig wie beim Atmen. Beim Schreien oder Singen sogar zehnmal so häufig in einem Raum», sagt Dieter Kissling, Leiter des Instituts Arbeitsmedizin Baden. Damit sich mit Viren angereicherte Aerosole nicht in der Luft anhäufen und von Bürokolleginnen eingeatmet werden, müsse regelmässig gelüftet werden. «So werden die Kleinstpartikel weggeweht», so der Arbeitsmediziner. Dabei gelte: Je kleiner der Raum und je mehr Menschen sich darin aufhalten, umso mehr Aerosole verbreiten sich darin und umso mehr muss gelüftet werden.

Bei direkten Gesprächen: Maske auf

Als Indikator, wann die Fenster geöffnet werden sollten, empfiehlt Kissling ein CO2-Messgerät. In vielen Schulzimmern komme dieses bereits zum Einsatz. Sie würden aber genauso für Büros taugen. Wie der Name vermuten lässt, misst ein CO2-Messgerät den CO2-Gehalt in der Luft. Wird dieser in einem Raum von 1000 parts per million (ppm, Anteile pro Million) überschritten, schlägt das Gerät Alarm – ein Zeichen, die Fenster zu öffnen. «Für meine Büros habe ich soeben fünf Messgeräte gekauft. Ich erachte sie als sinnvoll, weil sie auch einen Lerneffekt mit sich bringen und wir besser merken, wie oft wir Lüften müssen», so Kissling.

«Es ist eine Tatsache, dass Masken das Risiko einer Ansteckung zusätzlich minimieren.»
Dieter Kissling, Arbeitsmediziner

Masken im Büro findet Kissling durchaus angezeigt. Wenn der Abstand eingehalten werden könne und regelmässig gelüftet wird, sei es kein Muss, aber empfehlen würde er sie trotzdem: «Es ist nun mal eine Tatsache, dass Masken das Risiko einer Ansteckung zusätzlich minimieren. Insbesondere in Grossraumbüros, wo viele Leute in demselben Raum arbeiten.» Man könne die Maske am eigenen Arbeitsplatz immer noch ausziehen. Aber in direkten Gesprächen oder in Sitzungen rät Kissling, eine Maske zu tragen.

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105 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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CCy
14.10.2020 07:46registriert März 2016
Wo bleibt die Homeoffice-Empfehlung? Egal wie sehr ich mich in der Freizeit versuche zu schützen, im Büro bin ich non-stop ausgeliefert. Bei uns hält sich sowieso niemand an Massnahmen - Hände werden geschüttelt, auf Hygiene gepfiffen und dem Husten freien Lauf ins Grossraumbüro gelassen. Ganz toll. Ich habe mich noch nie so unwohl am Arbeitsplatz gefühlt. Aber he, immerhin haben wir seit einem Monat (!) Desinfektionsmittel-Spender. Ohne Empfehlung vom Bund, wird sich hier nichts tun. Leider.
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Rethinking
14.10.2020 07:02registriert Oktober 2018
An keinem anderen Ort verbringen die Menschen 8,5 h und mehr auf engem Raum miteinander...

Es ist nur Logisch, dass der Arbeitsplatz ein Corona Hotspot ist (und schon immer war)...

Ebenso logisch ist, dass Homo Office das effektivste Mittel dagegen ist...

Jeder der im HO bleibt / bleiben darf, trägt dazu bei, dass Personen, die kein HO machen können, mehr Raum in ÖV, Haltestellen, Bahnhöfen, sonstigen öffentlichen Orten und bei der Arbeit haben...

Bei vielen erhöht sich ausserdem erst noch die (Arbeits-) Effizienz im Home Office...
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Butch Cassidy & Sundance Kid
14.10.2020 07:10registriert Mai 2018
Vona allen Seiten sagt man,wir müssen mehr aufpassen und uns zusammenreissen.. aber seit September sind alle wieder im Büro obwohl es vorher tip top ging von zu Hause..
Ein Dank an die uneinsichtige Geschäftsführung.. facepalm!
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