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Nach den Lockerungen dreht der Wind im Nachtleben: Erste Kantone setzen die Besucherlimite auf 100 Personen herunter. bild Shutterstock

Exit-Strategie enthüllt: Clubs wollten nur 150 Leute reinlassen – und später öffnen

Wegen den Superspreader-Fällen ist die Clubszene zuletzt massiv unter Druck geraten. Jetzt zeigt sich: Die Nachtleben-Betreiber wollten erst im Juli und mit nur halb so vielen Partygängern wie vom Bund erlaubt ihre Lokale wieder öffnen. Doch die Rufe des Branchenverbandes blieben beim BAG ungehört. Jetzt dreht der Wind.



Wie eine Bombe schlug Ende Juni die Nachricht des ersten «Superspreader-Events» im Zürcher Flamingo Club ein. Fünf von 300 Partygängern infizierten sich am 21. Juni in der Disco mit Corona. Sie trugen das Virus später in die Tesla-Bar in Spreitenbach und in den Terminus-Club in Olten weiter.

Jetzt stellt sich heraus: Wäre es nach dem Dachverband der Club- und Konzertbranche (Promotersuisse) gegangen, wären zu diesem Zeitpunkt die Discos noch gar nicht offen gewesen.

Dies zeigt die am 25. Mai dem BAG eingereichte Exit-Strategie der Nachtleben-Lobby, die watson vorliegt. Diese sah vor, dass die Clubs erst am 1. Juli bei einer maximalen Besucherzahl von 150 Personen öffnen sollten (siehe Grafik unten).

Vergleich Exit-Strategie Club-Veranstalter und BAG

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Der Bundesrat zeigte kein Gehör für die Nachtleben-Lobby, setzte auf schnellere Lockerungen und erlaubte Partys bereits ab dem 6. Juni wieder. Dabei liess er mit 300 Personen doppelt so viele Leute zu wie vom Club-Branchenverband vorgeschlagen. Seit dem 22. Juni gilt an Partys sogar die Obergrenze von 1000 Personen (bei abgetrennten Floors), während die Exit-Strategie von Promotersuisse dies erst ab 1. September vorsah.

«Die raschen Cluböffnungen erweisen sich als kontraproduktiv», sagt Max Reichen von der Berner Bar- und Clubkommission (Buck), der an der Exit-Strategie des Branchenverbandes mitgewirkt hat.

Enttäuscht zeigt er sich insbesondere über das Vorgehen des BAG. «Man hat mit uns nie über die von uns eingereichten Vorschläge in der Exit-Strategie gesprochen. Das ist befremdend». Man habe vom BAG auf den Brief bloss eine Empfangsbestätigung erhalten.

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«Risikostufe rot»: In Bars und Clubs ist das Übertragungsrisiko am höchsten.

Der Bund hat die Direktbetroffenen bei der Cluböffnung nicht angehört. Dies scheint umso erstaunlicher, weil das BAG in einer internen Analyse die Öffnungen von Bars und Clubs mit rot als höchstes Risiko für Corona-Infektionen einschätzte (Grafik oben).

«Einige Clubbetreiber und Partygäste waren sich nicht bewusst, wie hoch das Risiko in den Clubs tatsächlich ist, und haben darum nach den raschen Lockerungen eine gewisse Nonchalance an den Tag gelegt», so Reichen weiter.

Kantone lassen nur noch 100 Leute in Clubs

Nun dreht der Wind. Am Mittwoch haben die Kantone Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn mitgeteilt, dass wegen den steigenden Fallzahlen ab sofort nur noch 100 statt 300 Leute in die Clubs und Bars dürfen.

«Wir haben unseren Optimismus verloren», sagt Reichen. Die Exit-Strategie des Nachtleben-Verbandes sah ursprünglich vor, dass ab August 500 und ab September 1000 Gäste an Konzerte und Clubs zugelassen werden. «Weitere Öffnungen sind derzeit kein Thema für uns. Leider sieht es eher so aus, dass die Clubs wieder eingeschränkt werden», sagt Reichen weiter.

«Wir haben unseren Optimismus verloren.»

Max Reichen, Bar- und Clubkommission Bern

Weshalb hat man auf die von der Nachtleben-Vereinigung eingereichte Exit-Strategie nicht geantwortet? Auf diese Frage konnte das BAG bis zum Publikationszeitpunkt noch keine Stellung nehmen.

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