Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana: Ehepaar Moretti schreibt Brief an Mitarbeitende

Morettis schreiben Brief an «Constellation»-Mitarbeitende – das steht darin

05.02.2026, 08:4805.02.2026, 10:18

Gut einen Monat nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana hat das Betreiberpaar Moretti einen Brief geschrieben. Dieser richtet sich an die Mitarbeitenden des «Le Constellation», wo der tödliche Brand ausbrach.

The owners of the bar in Crans-Montana, where the deadly fire happened on New Year's Day, Jacques and Jessica Moretti from France, center, arrive with their lawyers Patrick Michod and Nicola Meie ...
Das Ehepaar Moretti hat einen Brief an die Mitarbeitenden des «Le Constellation» geschrieben.Bild: KEYSTONE

Wie «Franceinfo» berichtet, wurde der Brief am Mittwoch versandt. «Liebe Mitarbeiter», heisst es zu Beginn des Dokuments. Danach schreiben die Morettis, sie hätten sich entschieden, ihr «auferlegtes Schweigen» zu brechen. «Wir sehen es als unsere Pflicht an, euren Schmerz zu lindern.»

Die Morettis erklären im Brief, man habe sich aufgrund der laufenden Ermittlungen «die tiefe Anteilnahme, die wir euch unmittelbar nach dieser Tragödie ausdrücken wollten», nicht zum Ausdruck bringen können. «Das war unglaublich schwer und schmerzhaft.»

Im Brief nehmen die Morettis zudem ihre Angestellten in Schutz. «Wir tragen die Verantwortung, ohne euch in irgendeiner Weise die Schuld zuschieben zu wollen», heisst es. Bei der letzten Anhörung hatte sich Jacques Moretti noch anders geäussert, schreibt Franceinfo. So habe er damals gesagt, die Mitarbeitenden hätten die Anweisungen gekannt, hätten die Evakuierungsmassnahmen aber angeblich nicht korrekt umgesetzt.

Im Bericht teilen die Morettis auch gegen die Medien aus. Diese seien «ausser Rand und Band geraten» und hätten «mitunter ungehemmt schwere Lügen» verbreitet. Konkret wird etwa ein Bericht aus Italien genannt, wonach Jessica Moretti mit der Kasse aus dem Lokal geflohen sei. «Wir sind zutiefst verletzt über die zahlreichen Verleumdungen, die verbreitet werden.»

Weiter kündigen die Morettis an, mit den Behörden kooperieren zu wollen. «Wir werden alle Fragen nach bestem Wissen und Gewissen beantworten», versprechen sie. «Wir hoffen, dass die Ermittlungen die Wahrheit ans Licht bringen werden, und wir vertrauen auf die Gerechtigkeit.» Zudem erwähnen sie die beim Brand gestorbenen Angestellten. «Wir trauern auch mit tiefem Schmerz um diejenigen, die nicht mehr unter uns sind.» Insgesamt kamen drei Mitarbeitende ums Leben – eine Kellnerin, ein Sicherheitsangestellter und ein DJ.

Im Brief reagieren die Morettis zudem auf eine Beschwerde der Angestellten, dass sie keinen Lohn bekommen hätten. Diese seien am 6. Januar ausgezahlt worden, versichern die Morettis. «Allerdings wurden all unsere Geschäfts- und Privatkonten eingefroren, und wir hoffen, dass die Staatsanwaltschaft einer teilweisen Freigabe der Gelder für die dringende Auszahlung dieser Beträge zustimmt.»

Die Morettis schliessen den Brief mit folgenden Worten ab: «Wir werden euch nicht im Stich lassen. Wir sind an dasselbe Schicksal gebunden und werden alles tun, um euch zu unterstützen.» Das Ehepaar wird nächste Woche erneut von den Behörden zum tödlichen Vorfall vernommen. (dab)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
47 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
FACTS
05.02.2026 10:15registriert April 2020
Egal was die Morettis derzeit tun, sie können es nur falsch machen. Sieht man schon an den Kommentaren hier: Für die einen kam die Stellungnahme zu spät, für andere hätten sie besser Schweigen sollen. Einig sind sich die meisten allein darin, dass die Morettis eh alles falsch gemacht hätten. Derweil gibt es hunderte Barbetreiber, die keinen Deut besser sind, aber bislang einfach mehr Glück hatten. Und manch selbstgefälliger Kommentator hier hat selbst schon andere gefährdet, z.B. im Strassenverkehr, auf der Arbeit, davon aber gar nichts mitbekommen. Man merkts oft erst, wenn es zu spät ist.
11416
Melden
Zum Kommentar
avatar
Randy Orton
05.02.2026 09:52registriert April 2016
Ich verstehe, dass eine solche Tragödie viel Wut und Betroffenheit auslöst und es einfacher erscheint, wenn man einen Schuldigen hat. Aber sollte man nicht die Gerichte entscheiden lassen, hier werden zwei Personen massiv vorverurteilt. Es ist ja auch möglich, dass sie all ihren Pflichten nachgekommen sind und die Kontrollen und andere Instanzen komplett versagt haben, dann wären die Betreiber genau so Opfer.
7623
Melden
Zum Kommentar
avatar
madu
05.02.2026 09:25registriert Juni 2020
Insbesonder Jessica Moretti hat die Evakuierungsmassnahmen nicht umgesetzt, geschweige zu einem Feuerlöscher gegriffen und den blockierten Notausgang frei gemacht. Sie war eine der Ersten, der die Flucht gelang, angeblich um den Notruf abzusetzen. Wie Augenzeugen berichten hat sie sich nach dem Notruf nicht an der Evakuierung von Verletzten beteiligt.
2423
Melden
Zum Kommentar
47
Schweizerin kassiert fünf Tage Haft, weil sie auf Shein eine Wasserpistole bestellt hat
Eine Tessinerin wollte als Polizistin verkleidet an die Fasnacht – doch diese Idee verkam zu einem Flop. So bestellte sich die Frau auf der chinesischen Plattform Shein dafür eine Wasserpistole für 2.78 Franken. Statt dieser erhielt sie einige Monate später aber Besuch von zwei Polizisten, wie der SRF-Kassensturz berichtet.
Zur Story