Walliser Staatsanwältin Pilloud: «Journalisten warten vor meinem Haus»
Die seit Wochen in der Kritik stehende Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud hat sich in einem Interview mit dem «Walliser Boten» erstmals geäussert. Der Fall Crans-Montana sei kein Spiel, es gehe um zu viel. Wichtig sei, dass ihr Team keine Entscheidung auf Druck der Medien treffe.
«Seit 50 Tagen arbeite ich an diesem tragischen Fall», sagte Pilloud zu Beginn des 30-minütigen Interviews mit der Walliser Tageszeitung. «Ich werde von bestimmten Medien permanent frontal attackiert. Das bekommt auch meine Familie zu spüren. Es gibt auch Journalisten, die vor unserem Haus warten. Das geht doch zu weit», sagte die Generalstaatsanwältin.
Auf die Frage, wie sie mit dem nationalen und internationalen Druck umgehe, antwortete Pilloud: «Ehrlich gesagt habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken. Das ist im Moment auch nicht entscheidend – im Fokus steht meine Aufgabe, gemeinsam mit meinem Team diesen Fall zu bearbeiten.» Die Kritik an ihrer Person sei für sie nicht nachvollziehbar, beispielsweise die Kritik an ihrer Kleidung oder ihrer Frisur.
Zahlreiche Kritikpunkte
Zu den Vorwürfen, sie stehe den Behörden und insbesondere dem Präsidenten der Gemeinde Crans-Montana, Nicolas Féraud, zu nahe, sagte Pilloud: Sie habe nicht gewusst, dass Féraud in dieser Weinzunft sei, wie die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) diese Woche berichtet hatte. Diese zähle mehrere hundert Mitglieder. Eine Einladung der Organisation zu einem Mittagessen habe sie wieder abgesagt, sobald sie erfahren habe, dass auch Féraud anwesend sein könnte.
Kommunizieren oder nicht?
Auf die Frage nach ihrer Art der Kommunikation erinnerte Pilloud daran, dass es ihre Aufgabe und die der mit dem Fall betrauten Staatsanwälte sei, «die Arbeit sorgfältig zu erledigen». Auf die Frage «Wollen oder können Sie nicht mehr kommunizieren?» antwortete die Generalstaatsanwältin: «Vielleicht beides. Aber dieser Fall ist kein Spiel, es geht um zu viel. Ich halte mich an eine klare Regel: Das Verfahren findet im Sitzungssaal statt, nicht in den Medien.»
Den Druck spüre vor allem sie selber, er laste auf ihrer Person. Pilloud fügte hinzu, dass es wichtig sei, dass ihr Team nicht auf Druck der Medien eine Entscheidung treffen müsse. «Das wäre verheerend», so Pilloud. (sda)
