Schweiz
Digital

Mörgeli kann gegen die Sperrung seines Facebook-Accounts nichts unternehmen

Der Herr gibt, der Herr nimmt: Was kann man gegen die Sperrung seines Facebook-Kontos machen? NICHTS

02.09.2015, 12:3603.09.2015, 13:55
Kian Ramezani
Folge mir
Mehr «Schweiz»

Von gestern Abend bis heute Vormittag sperrte Facebook den Account von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Warum? Das sagt Facebook nicht. Wir können nur mutmassen. Vielleicht, weil ihn mehrere User wegen folgendem Post gemeldet hatten:

Was sagt Mörgeli dazu? Er ist empört: «Ich frage mich, wie so etwas passieren kann. Sollte diese Sperrung in einem Zusammenhang stehen mit meinem Fachkräfte-Posting von dieser Woche, dann muss man sich schon fragen, wie weit es bei Facebook mit dem Schutz der Meinungsäusserungsfreiheit her ist.»

Schutz der Meinungsäusserungsfreiheit?

Offensichtlich hat Mörgeli die AGB von Facebook nicht gelesen. Dort heisst es unter Punkt 14 «Beendigung»:

«Wenn du gegen den Inhalt oder den Geist dieser Erklärung verstösst oder auf sonstige Art und Weise mögliche rechtliche Risiken für uns erzeugst, können wir die Bereitstellung von Facebook für dich ganz oder teilweise einstellen.»

Mit anderen Worten: Alles, was irgendjemand auf Facebook postet, kann ein potentieller Grund zur Sperrung sein. Vor zwei Jahren wurden die Accounts von mehreren Schweizer Politikern, darunter Christian Levrat (SP) und Barbara Schmid-Federer (CVP) gesperrt. Auch hier wurden die Gründe nie offiziell bekannt.

«Facebook macht, was es will, und erklärt seine Entscheidungen normalerweise nicht», sagt Martin Steiger, Rechtsanwalt und Spezialist für IT-Recht. «Ich gehe davon aus, dass Facebook regelmässig Meldungen über Mörgeli-Posts erhält. Warum sein Account ausgrechnet jetzt gesperrt wird, ist bislang unklar. Das System Facbook ist völlig intransparent.»

Facebook ist ein US-Unternehmen, beheimatet im Ursprungsland von PC (political correctness). Was bei uns vielleicht toleriert würde, gilt dort bereits als anstössig. Dazu gehören bekanntlich auch Nippel. Dabei sind die Verantwortlichen bei Facebook selbst vermutlich weder prüde noch übermässig politisch korrekt. Aber sie fürchten negative Konsequenzen, die dem Unternehmen aus solchen Inhalten entstehen könnten. Im schlimmsten Fall User-Schwund.

Das alles ist ärgerlich, vor allem auch aus der Sicht Mörgelis. Nicht mehr auf Facebook zu sein, auch nur vorübergehend, stellt heutzutage eine massive Einschränkung der Kommunikationsmöglichkeiten dar. Dennoch ist das Unternehmen weit davon entfernt, eine Monopol-Stellung im Bereich Social Media inne zu haben. Ein Anspruchsrecht auf Nutzung lässt sich deshalb nicht aufstellen. Meinungsäusserungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Seine Meinung auf Facebook zu äussern, ist hingegen ein Privileg, das der Konzern nach Gutdünken einräumen – und wieder entziehen kann.

Mörgelis Account ist bereits wieder online. Es ist ihm freigestellt, über die vorübergehende Sperrung zu klagen. Vor dem für den nördlichen Bezirk von Kalifornien zuständigen US-Bezirksgericht oder vor einem Staatsgericht in San Mateo County.

Viel Glück.

Dir gefällt diese Story? Dann like uns doch auf Facebook! Vielen Dank! 💕

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
7 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Atombömbeli
02.09.2015 13:13registriert Juni 2015
nur weil man Facebook gratis nutzen kann und dies sehr sehr viele Menschen tun, heißt dies noch lange nicht, dass man 1. einen Anspruch darauf hat dort präsent zu sein (ist ja kein Menschenrecht, oder) und 2. vergessen sollte, dass Facebook ein kommerziell tätiges Unternehmen ist, dass seine Interessen verfolgt und nicht diejenigen der Nutzer...
296
Melden
Zum Kommentar
avatar
Joshzi
02.09.2015 14:02registriert September 2014
Herr Mörgeli ist kein Opfer. Er selber sperrt unliebsame Kommentatoren aus den Diskussionen aus. Wer sich gegen Bezugnahmen aus der rechten braunen Ecke zur Wehr setzt, der wird ausgeschlossen. Dabei ging meine Verteidigung gegen den Absender des Kommentars, nicht gegen Herrn Mörgeli. Herr Mörgeli ist nach meiner Ansicht einfach nur ein übler Demagoge, der die Freiheit dazu missbraucht gegen andere zu Hetzen und diejenigen draussen zu halten, welche sich gegen sein menschenverachtendes Geschwätz kritisch äussern.
3018
Melden
Zum Kommentar
avatar
Chlinae_Tigaer
02.09.2015 14:22registriert Mai 2015
Ein Paradebeispiel wie man Hetze betreiben kann.

Verbunden mit Hohn und Häme.

Da könnten sogar die Rechten noch was von watson lernen.
2625
Melden
Zum Kommentar
7
Diese KI-Funktionen kommen angeblich aufs iPhone
Neben Google und OpenAI setzt auch Apple auf Künstliche Intelligenz. Zudem soll es mit iOS 18 einen überarbeiteten Startbildschirm geben, der an Android erinnert.

Die grosse KI-Revolution bei Apple bleibt vorerst aus. Wie der renommierte Bloomberg-Reporter und Apple-Experte Mark Gurman berichtet, plant das Unternehmen zwar zahlreiche neue Funktionen für seine Betriebssysteme iOS 18 sowie macOS. Die Neuerungen sollen aber weniger beeindruckend ausfallen als die von Konkurrenten wie Microsoft, Google und OpenAI vorgestellten Funktionen, schreibt der bestens vernetzte Gurman.

Zur Story