DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Tesla X 100D, Bestandteil der erneuerten Flotte der Alarmpikett-Fahrzeuge der Kantonspolizei Basel-Stadt, fotografiert in Basel am Donnerstag, 6. Dezember 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der Tesla X 100D der Basler Polizei in seiner natürlichen Umgebung. Bild: KEYSTONE

Die Teslas der Basler Polizei dürfen nicht fahren – es gibt da ein klitzekleines Problem

Nach der Finanzkontrolle beschäftigen die Elektro-Einsatzfahrzeuge der Basler Polizei nun den kantonalen Datenschützer Beat Rudin. Er sagt: «Die Polizei muss die Datenschutzprobleme lösen, bevor sie ihre Fahrzeuge auf Patrouille schicken kann.»

Samuel Hufschmid / ch media



Update: Die ersten neuen Alarmpikett-Fahrzeuge der Kantonspolizei Basel-Stadt – die Tesla X 100D – werden laut Justiz- und Sicherheitsdepartement «wie vorgesehen und kommuniziert im Frühling auf den Basler Strassen im Einsatz sein».

Die «Lösung offener datenschutzrechtlicher Fragen» beeinflusse den Zeitplan nicht, schreibt die Kantonsregierung in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung. Das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt und der kantonale Datenschutzbeauftragte stünden «in einem engen und guten Austausch». Die Verantwortlichen geben sich zuversichtlich, dass sich «die noch offenen Fragen rund um den Datenschutz» bis zum geplanten Einsatz regeln liessen.

Damit zur ursprünglichen Story:

Der US-Autohersteller Tesla kann aus der Ferne die Reichweite seiner Fahrzeuge erhöhen. Das ist bekannt, weil es Tesla bereits gemacht hat: Als der Hurricane Irma im vergangenen Jahr auf Florida zuraste, wurde die Batterieleistung mit einem «Over-the-Air-Update» jener Käufer erhöht, die noch nicht den vollen Preis bezahlt hatten, damit auch sie sich in Sicherheit bringen konnten.

Was kann Tesla sonst noch mit seinen Fahrzeugen anstellen? Und was bedeutet das für die Basler Polizei, die für ihr Alarmpikett künftig auf die schicken Elektro-Flitzer des US-Hersteller setzt? Alles kein Problem, alles geregelt, die Software des Fahrzeugs ist entsprechend modifiziert, ohne Mehrkosten und Garantieverlust stehen sämtliche wichtigen Services wie Navigation trotzdem weiterhin zur Verfügung. Das sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz auf Anfrage.

Was er nicht von sich aus erwähnt: Dass es Probleme mit dem Datenschutz gibt und die Fahrzeuge deshalb in der Garage stehen.

Beat Rudin, Basler Datenschutzbeauftragter, bestätigt: «Die Polizei muss die Datenschutzprobleme lösen, bevor sie ihre Fahrzeuge auf Patrouille schicken kann. Eine Vorabkontrolle, bei der diese Probleme frühzeitig hätten angesprochen werden können, hat leider nicht stattgefunden.» Die nötigen Abklärungen würden nun nachgeholt.

Dass derzeit Abklärungen mit dem Datenschutzbeauftragten laufen, bestätigt die Polizei auf nochmalige, konkrete Nachfrage dann doch. Es gehe um ein neues Reglement, das datenschutzrechtliche Fragen im Zusammenhang mit dem Fahrzeug kläre, sagt Yerguz.

Tesla weiss, wo das Auto steht

Datenschutz ist das eine. Dabei geht es etwa darum, dass die Tesla-Fahrzeuge dauernd mithören, was im Fahrzeuginnern gesprochen wird – weil sich wichtige Funktionen per Sprache steuern lassen. Und dass die Mikrofon-Aufnahmen auf dem Server des Herstellers ausgewertet werden können.

Ein Tesla X 100D, Bestandteil der erneuerten Flotte der Alarmpikett-Fahrzeuge der Kantonspolizei Basel-Stadt, fotografiert in Basel am Donnerstag, 6. Dezember 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Helmablage.  Bild: KEYSTONE

Noch relevanter für die Autonomie der Polizeiarbeit ist hingegen, dass Tesla Fernzugriff auf das Fahrzeug hat und auch Zugriff auf Positionsdaten – also stets genau weiss, welches Fahrzeug sich gerade mit welcher Geschwindigkeit in welche Richtung bewegt.

Diese Daten mögen in Bezug auf Datenschutz nicht relevant sein, wiegen aber umso stärker in Bezug auf Sicherheit, wenn sie ein Polizeifahrzeug betreffen. Dieser Meinung sind zumindest Technologieexperten, die den Tesla-Kauf auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter entsprechend kommentierten.

«Der Polizei eine Fahrzeugflotte zu geben, die der Hersteller aus der Entfernung abschalten kann, ist vielleicht auch nicht die beste Idee», kommentierte der deutsche Grünen-Politiker Markus Drenger den Basler PR-Coup, der weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Was Tesla darf und was nicht, ist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Konzerns geregelt, die beim Kauf unterschrieben werden müssen. Das hat auch die Basler Polizei getan, wie dem ursprünglich geheimen, später veröffentlichten Untersuchungsbericht zur Tesla-Beschaffung zu entnehmen ist.

Dort wird kritisiert, dass mit Tesla kein schriftlicher Kaufvertrag abgeschlossen worden sei, und dass die Verantwortlichen im Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) die AGB unterschrieben hätten, Tesla jene des JSD hingegen nicht.

Ein Tesla als Polizeiauto – eine gute Idee?

In den AGB steht auch, dass es zwar grundsätzlich möglich sei, sämtliche Verbindungen zwischen Fahrzeug und US-Firma zu kappen. Was allerdings dazu führen könne, dass das Auto schwere Schäden nimmt oder nicht mehr bedienbar ist. Sprecher Yerguz bestätigt denn auch, dass die Basler Polizei die Einwirkung auf ihre Fahrzeuge durch Tesla ausdrücklich nicht gänzlich unterbinden will, um die «Sicherheit der Mitarbeitenden nicht zu gefährden».

Jan Fader, Softwareentwickler und Vizepräsident der Piratenpartei beider Basel, sagt: «Das Problem bei Firmen wie Tesla ist: Man kann selbst nicht kontrollieren, welche Daten übertragen werden, weil es sich um ein geschlossenes System handelt, zu dem nur Tesla Zugang hat. Wenn Fremdzugang oder die Übermittlung von sensiblen Daten aus dem Fahrzeug nicht ausgeschlossen werden kann, dann ist das heikel.» Laut Fader fordert die Piratenpartei, dass bei solchen Käufen der Verkäufer künftig die Geschäftsbedingungen des Kantons akzeptiert. (aargauerzeitung.ch)

Elon Musk schickt ersten Tesla durch seinen Tunnel

Video: watson/nico franzoni

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

So sollen QR-Codes nach schweren Unfällen Gaffer abschrecken

Schaulustige, die an Unfallorten das Geschehen beobachten, mit dem Smartphone fotografieren oder filmen, gefährden das Leben der Unfallopfer und manchmal sogar ihr eigenes. Dagegen soll nun moderne Technik helfen.

An Rettungfahrzeugen und der Ausrüstung von Rettungssanitätern wird (versuchsweise) ein spezielles Design auf Basis der QR-Code-Technologie angebracht. Wenn Gaffer mit dem Handy draufhalten, wird auf dem Bildschirm automatisch ein Warnhinweis angezeigt. Botschaft: «Gaffen tötet!»

Die …

Artikel lesen
Link zum Artikel