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TikTok-Hickhack: Postulat fordert Abschaltung von Thuns TikTok-Kanal

Der TikTok-Kanal der Stadt Thun ist sehr erfolgreich - und sorgt für politische Diskussionen.
Der TikTok-Kanal der Stadt Thun ist sehr erfolgreich - und sorgt für politische Diskussionen.

Peinlich oder genial? SP-Politiker will Thuns TikTok-Kanal einstampfen

Politik vs. Memes: Warum die SP-Fraktion die Stadt Thun dazu bringen will, ihren TikTok-Kanal abzuschalten.
04.12.2024, 15:0604.12.2024, 16:52
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Man stelle sich einmal das folgende Szenario vor: Die Stadt Thun im Berner Oberland, bekannt für das imposante Schloss und die türkisfarbene Aare, betreibt seit zwei Jahren einen TikTok-Kanal. Auf dem Kanal werden regelmässig Ereignisse, Videos und Bilder aus Thun auf lustige und kreative Art mit den aktuellsten Internettrends und Memes kombiniert. Gelegentlich auch mit ernstem Ansatz, etwa wenn ein Gemeinderat in einem Video gespickt mit vielen Jugendwörtern erklärt, wie man seinen Abfall korrekt entsorgt.

Tiktok / 3600thun

Die Beiträge – von süssen Katzen bis Minecraft-Referenzen – erzielen regelmässig mehrere tausend Views. Die erfolgreichsten Videos schafften es auf über 200'000 Klicks.

So weit, so harmlos. Oder doch nicht?

Einigen Parlamentariern stösst dieser Erfolg offenbar sauer auf. Der beliebte Kanal sieht sich mit einem dringlichen Postulat des Stadtrats Franz Schori und der SP-Fraktion konfrontiert. Sie fordern, dass die Stadt ihren TikTok-Kanal einstampft. Die Plattform stelle ein Sicherheitsrisiko dar und sei für Jugendliche eine Gefahr. Die Stadt solle ihre Kommunikation auf Plattformen verlagern, «die eine aktive Moderation garantieren». Ausserdem bezeichnen die Initianten im Vorstoss die TikTok-Beiträge der Stadt als «peinlich und pseudo-lustig».

Verantwortung statt Humor?

Laut den Initianten geht es beim Vorstoss aber natürlich nicht nur um Geschmack. Es geht um Verantwortung. Die Stadt müsse ein Vorbild sein, argumentieren sie. Der Tropfen, der das Fass offenbar zum Überlaufen brachte, war ein Video, das Schori und die SP-Fraktion als rassistisch einstufen (könnte es hier um den Begriff «Talahon» gehen?). Im Video wird ein Jugendwort verwendet, welches mittlerweile problematisch sei. Die Medienstelle der Stadt Thun wies den Rassismus-Vorwurf gegenüber 20 Minuten zurück, deaktivierte das fragliche Video aber vorsorglich.

Stadtrat sieht keine Dringlichkeit

Wie so oft scheiden sich am Humor die Geister – auch in der Thuner Politik. Das zeigte sich deutlich in der Abstimmung über die Dringlichkeit des eingereichten Postulats: Mit 22 zu 14 Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde der Antrag abgelehnt. Der Kanal bleibt also vorerst bestehen.

Zielgruppe erreicht

Tatsache ist, dass es für Städte und Gemeinden zunehmend schwieriger wird, ihre jungen Zielgruppen zu erreichen. Und Tatsache ist auch, dass genau das der Stadt Thun vorbildlich gelingt. Laut der Medienstelle wurden im vergangenen Jahr über eine Million Impressionen erzielt. Auch andere Städte verfolgen eine ähnliche Strategie. Luzern setzt auf Instagram ebenfalls auf humorvolle, selbstironische Videos.

Showdown im Mai

Das Battle um den Thuner TikTok-Kanal geht weiter: Im Mai 2025 wird der Stadtrat entscheiden, ob die Stadt weiter auf TikTok setzen darf. Ironischerweise bietet genau diese Debatte bereits den perfekten Stoff für einen nächsten Beitrag. Zum Beispiel als Meme:

Bild

(thw)

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quelle: shutterstock / peter galleghan
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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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der/die Waldpropaganda
04.12.2024 15:59registriert September 2018
Normalerweise ist es doch die Aufgabe der SVP sich über solche Sachen aufzuregen 😅, aber die SP dachte wohl: "Hold my beer..."
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Kunibert der Fiese
04.12.2024 15:30registriert März 2016
Der franz und die sp haben wohl noch nie vom "streisand effekt" gehört....


Ich als thuner kannte den kanal nicht. Jetzt schon. Danke dafür. 🤗
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Hundshalter Leno
04.12.2024 16:24registriert September 2023
Die kümmern sich ja um die ganz relevanten Themen!

Offenbar erreicht man die Jungen so besser als via Thuner Amtsanzeiger und Thuner Tagblatt. Wo ist also das Problem geschätzte Genossen…
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