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Energie

Energie: Strompreise dürften wegen stabilerem Markt bald wieder sinken

Weshalb deine Stromrechnung bald wieder günstiger wird

30.04.2024, 15:0030.04.2024, 15:08
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Die Situation auf dem europäischen Strommarkt hat sich entspannt. Der Bund sieht dem kommenden Winter deshalb positiver entgegen als auch schon. Die Strompreise für die Konsumentinnen und Konsumenten dürften spätestens ab 2026 wieder sinken.

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) begründet den positiven Ausblick insbesondere mit ausserordentlich gut gefüllten Gaslagern in Europa und einer höheren Verfügbarkeit französischer Atomkraftwerke. Urs Meister, Geschäftsführer des Elcom-Fachsekretariats, sprach am Dienstag in Bern vor den Medien von einer «insgesamt guten Ausgangslage» im Vergleich mit den Vorjahren.

Die Folgen für die Stromrechnung der Schweizer Haushalte konnte Elcom-Präsident Werner Luginbühl zwar nicht exakt beziffern. «Angesichts der Preisentwicklung auf den Strommärkten wird sich aber eine Normalisierung ergeben», sagte er. Ob die Preise bereits 2025 oder erst per 2026 sinken werden, sei schwierig vorauszusagen.

Werner Luginbuehl, Praesident ElCom, blickt auf die Entwicklung der Strompreise und Tarife sowie die Versorgungssicherheit, am Dienstag, 5. September 2023 in Bern. (KEYSTONE/ Marcel Bieri)
Elcom-Präsident Werner Luginbühl.Bild: keystone

Es sei beispielsweise unklar, wie sich der globale Gasmarkt entwickle, der die Strompreise massgebend beeinflusse, sagte Meister. Auch bei den Importmöglichkeiten gebe es Fragezeichen.

«Wir können keine vollständige Entwarnung geben.»

Viele offene Fragen

Um die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz zu verbessern, seien Massnahmen wie die Vorhaltung einer Winterreserve weiterhin sinnvoll, sagte Luginbühl. Auch mit Blick auf die mittelfristige Versorgungssicherheit bis 2035 seien Reservekapazitäten von 700 bis 1400 Megawatt angebracht.

Der Elcom-Präsident zählte verschiedene Fragen auf, die aus heutiger Sicht nicht beantwortet werden könnten, beispielsweise:

«Wird die erhöhte Ausbaudynamik bei der Fotovoltaik anhalten? Gelingt im Bereich Windkraft ein echter Schritt nach vorne? Wie lange laufen die Schweizer AKWs? Und: Wie steht es um die Exportfähigkeit des umliegenden Auslands?»

Auch das fehlende Stromabkommen mit der EU sei ein Unsicherheitsfaktor. Zwar zeigte sich Luginbühl «zuversichtlich, dass eine technische Vereinbarung mit europäischen Ländern unmittelbar bevorsteht». Diese bringe mehr Sicherheit in Bezug auf die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit.

Was bei einem erneuten Scheitern der Diskussionen mit der EU passieren würde, könne aber niemand sagen. Es gebe «keinen Ersatz» für ein Stromabkommen. Es blieben also «unabsehbare Risiken», etwa eine Stromknappheit und damit einhergehend teurere Strompreise.

Schweiz auf Importe angewiesen

Grundsätzlich sei die Ausgangslage für die hiesige Stromversorgung im kommenden Winter aber besser als in den beiden Vorjahren, sagten die Verantwortlichen. Im vergangenen Winter war die Versorgungssicherheit aufgrund der milden Temperaturen und der hohen Stromproduktion im In- und Ausland gewährleistet.

Die Elcom-Spitze warnte jedoch davor, den problemlosen vergangenen Winter als Referenz zu nehmen. Es sei der wärmste Winter seit Messbeginn gewesen, gleichzeitig habe es viel Niederschlag in Form von Regen gegeben.

ARCHIVBILD ZUR MEDIENKONFERENZ DER WIRTSCHAFTSVERBAENDE GEGEN DIE ENERGIESTRATEGIE 2050, AM MONTAG, 20. MAERZ 2017 - Blick auf den Zervreila-Stausee, aufgenommen am Dienstag, 11. August 2015, in Vals. ...
Zervreila-Stausee (Archivbild).Bild: KEYSTONE

Die Schweiz war wegen der hohen Wasser- und Kernkraftproduktion im Winter 2023/2024 gar Nettoexporteur, wie Elcom-Mitglied Jürg Rauchenstein ausführte. Das war letztmals im Winter 2019/2020 der Fall, also vor der Energiekrise. In den vergangenen zwanzig Jahren hatte die Schweiz im Winter 18-mal Strom importieren müssen, nur zwei Mal gab es einen Export-Überschuss.

Deshalb seien auch weiterhin Anstrengungen nötig, die Stromproduktion im Inland zu verstärken. Ein Ja zum Energie-Mantelerlass am 9. Juni sei dafür eine Grundvoraussetzung, auch wenn damit nicht alle Probleme gelöst würden, sagte Luginbühl. Ausserdem müsse der Zubau von alpinen Solaranlagen beschleunigt werden. «Sonst braucht es zusätzliche Energiereserven.» Solche seien teuer. (rbu/sda)

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70 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rannen
30.04.2024 15:45registriert Januar 2018
Aha und bis 2026 werden fette Gewinne auf unsere Kosten eingefahren! Absolut beschämend!
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ARoq
30.04.2024 15:42registriert September 2014
Ok, aber schön dass Axpo letztes Jahr 2.7 Milliarden Gewinn gemacht hat.
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Chris_A
30.04.2024 15:44registriert Mai 2021
Ein hoher Strompreis hat genau zwei Gründe. Zu einen weil wir immer noch zu viele fossile Brennstoffe verstromen und weil der Preis an der Börse durch das konsumentenfeindliche Merit-Order Prinzip bestimmt wird. Der Preis wird dann günstiger wenn AKWs und Gas aus der Stromerzeugung verschwunden sind.
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