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Nach Xhaka-Kritik: Feministin Avdiu erhält tausende Drohungen

Nach Xhaka-Kritik: Feministin Avdiu erhält tausende Drohungen und braucht Polizeischutz

Die im Kosovo bekannte Feministin Zana Avdiu kritisierte Nati-Captain Granit Xhaka nach dem Spiel gegen Serbien. Daraufhin wurde sie aufs Übelste beleidigt und bedroht, wie sie nun in einem Interview offenbart.
11.12.2022, 05:0711.12.2022, 13:14
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Sie bezeichnete Granit Xhakas Griff in den Schritt während des Spiels gegen Serbien als sexistische Geste und wurde daraufhin in einer TV-Sendung vom Vater des Nati-Captains, Ragip Xhaka, vor laufenden Kameras bedroht: Nun offenbart die kosovarische Feministin Zana Avdiu in einem Interview mit der «SonntagsZeitung», welch masslosen Hass der Vorfall ausgelöst hat. Die 29-Jährige erhält tausende aggressive Nachrichten und Drohungen:

«Bis jetzt sind es 11'000 Nachrichten, nicht nur aus dem Kosovo, sondern aus ganz Europa, auch aus der Schweiz. Es heisst, man solle mich töten, ich solle nach Serbien auswandern, man sollte mich vergewaltigen. In 200 Fällen habe ich Anzeige erstattet, es gab bereits mehrere Verhaftungen.»
Zana Avdiu über die Reaktionen nach ihren Aussagen im albanischen Fernsehen.

Avdiu erklärt auch, dass sie unter Polizeischutz stehe und ihr Haus seit Tagen nur verlasse, um zur Arbeit und auf direktem Weg wieder zurückzufahren.

Zana Avdiu wird bedroht.
Zana Avdiu wird bedroht.facebook/zana avdiu

Granit Xhaka griff sich während des entscheidenden Gruppenspiels gegen Serbien zwischen die Beine und richtete diese Geste an die serbische Ersatzbank. Vorausgegangen waren dem Aussetzer auch Provokationen von serbischer Seite.

In einer albanischen TV-Sendung diskutierte Avdiu im Nachgang an das Spiel mit anderen Teilnehmern – ausschliesslich Männern – die Vorkommnisse. Xhakas Geste bezeichnete sie als sexistisch, zudem störte sie sich insbesondere daran, dass der Schweizer Nati-Captain im Kosovo dafür richtiggehend gefeiert wurde.

So berichtete watson über den Vorfall:

Gegenüber der «SonntagsZeitung» wiederholt sie ihre Kritik und bekräftigt ihren Standpunkt: «Ich kenne Granit Xhaka nicht und ich habe nichts gegen ihn persönlich. Aber ich habe etwas gegen diese Geste, denn sie ist sexistisch», so Avdiu.

Der Griff in den Schritt symbolisiere sexuelle Gewalt und den Stolz und die Macht, die Männer aufgrund ihres Penis empfinden. Hinter dem Phänomen stecke eine Haltung und diese habe wiederum Folgen, unter anderem auch Vergewaltigungen, sagt die 29-Jährige.

Avdiu kritisiert zudem insbesondere das Frauenbild und die Rolle der Frau im Kosovo. Gleiches gelte für die grosse albanische Diaspora in der Schweiz: «(...) wir glauben, dass es dort mancherorts paradoxerweise sogar noch schlechter um die Gleichstellung steht als zum Beispiel in Pristina.» Auf die Aussage der Journalistin der «SonntagsZeitung», dass man in der Schweiz solche Vorwürfe gerne vermeide, weil sie rassistisch ausgelegt werden können, wird Avdiu deutlich: «Die Kritik an einer Kultur, in der Jungen alles und Mädchen nichts sind, ist nicht rassistisch. Diese Kritik ist vielmehr nötig, um Frauen ihre Rechte und ihre Freiheit garantieren zu können.» (con)

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189 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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CaptainLonestarr
11.12.2022 07:06registriert Dezember 2016
Sie hat also Recht bekommen. Sehr viele kosovarische Männer und wohl zuviele schweizer Männer sind noch nicht in der Lage ihr Gehirn zu gebrauchen und auf Sexismus und Gewalt zu verzichten. Alles arme Würstchen.
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Pi ist genau Drei!
11.12.2022 07:44registriert Februar 2017
Unabhängig davon dass ich nicht ihrer Meinung bin ist es eine Schande dass es bei solchen sachen immer gleich ultra hart einschlägt wenn der Absender der vorangegangener Kritik eine Frau war. Keine der Äusserungen die sie getätigt hat rechtfertigen mordu- und Verhewaltigungsdrohungen. Wenn wir unfähig sind dagegeg etwas zu unternehmen werden sich viele scheuen, als öffentliche Person ihre meinung zu sagen und das darf in einer Demokratie nicht sein!
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wintergrün
11.12.2022 07:19registriert Dezember 2017
Wie beweise ich dass ich eine gewaltbereite Mimose bin …
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