Die schlimmsten ÖV-Dramen in der Schweiz
Das Drama von Kerzers macht sprachlos. Sechs Personen sind in einem brennenden Postauto gestorben, mehrere Personen wurden mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht. Die Polizei geht davon aus, dass eine Person den Brand mutwillig ausgelöst hat. Eine vergleichbare Tat gab es in der Schweiz noch nie. Auch wenn der öffentliche Verkehr hierzulande extrem sicher ist, blieb das Land von Bus- und Bahnunglücken mit Todesopfern und Verletzten jedoch nicht verschont.
2012: Das Busunglück von Siders VS
28 Menschen sterben, 22 davon sind Kinder. Im Autobahntunnel in Siders VS kracht am 13. März 2012 ein Reisecar mit einer belgischen und einer holländischen Reisegruppe in die Wand. Die Insassen waren auf dem Rückweg aus einem Skilager. Viele kamen nie daheim an. Warum es zum Unfall kam, konnte nie aufgeklärt werden. Von Herzversagen des Fahrers bis zu einer Unaufmerksamkeit standen diverse Thesen im Raum. Doch keine wurde bestätigt. 24 Menschen überleben das Unglück.
2006: Der Geisterzug vom Lötschberg
Am 17. Mai 2006 kurz nach 3 Uhr gerät ein 300 Tonnen schwerer Bauzug auf der Lötschbergstrecke bei Mitholz im Kandertal ausser Kontrolle. Die Bremsen versagen, der Zug beschleunigt auf der Talfahrt bis zu 100 km/h. Trotz Alarmierung der Leitstelle lässt sich der Zug, auf dem sich drei Männer befinden, nicht stoppen. Bei Thun wird er gezielt auf abgestellte Wagen geleitet, um eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Bei der Kollision kommen die drei Bahnmitarbeiter ums Leben.
1994: Das Bahnunglück von Affoltern ZH
Ein Güterzug mit Benzin entgleist – und Zürich erlebt ein Flammeninferno. Am 8. März 1994 springen im Bahnhof Zürich-Affoltern mehrere Kesselwagen aus den Schienen. Der Zug transportiert rund 1500 Kubikmeter Benzin. Ein Wagen kippt um, reisst eine Hochspannungsleitung mit und beginnt zu lecken. Kurz darauf entzündet sich der Treibstoff. Explosionen erschüttern das Quartier, Flammen schlagen bis zu 100 Meter hoch. Drei Wohnhäuser brennen nieder, ein weiteres wird beschädigt. 120 Menschen werden evakuiert, 23 verlieren ihr Zuhause. Drei Personen werden schwer verletzt. Nur dank schneller Evakuierung gibt es keine Todesopfer.
1994: Kollision in Däniken SO
Nach Affoltern ZH kommt es in der Deutschschweiz noch im selben Monat zu einem zweiten Bahnunglück. Ein Schienenkran kollidiert am 21. März 1994 bei Däniken im Kanton Solothurn mit einem fahrenden Schnellzug. Sieben Wagen werden förmlich aufgeschlitzt. Neun Todesopfer und über 20 zum Teil schwer verletzte Passagiere sind zu beklagen. Vor Gericht werden später zwei Mitarbeitende des Bahn-Bautrupps wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen.
1982: Zugunglück in Pfäffikon ZH
Es ist der gemäss NZZ schlimmste Unfall in der Geschichte der 1902 gegründeten SBB: Am 12. September 1982, kurz vor 15 Uhr, stösst ein deutscher Reisebus am Bahnübergang «Matte» in Pfäffikon ZH mit einem Regionalzug zusammen. Die Schranke am Übergang wird manuell bedient. An diesem Tag drückt die Barrierenwärterin fälschlicherweise aber auf «Öffnen» statt auf «Schliessen». Der anfahrende Zug trifft mit voller Kraft auf einen Reisebus aus Schönaich DE, der gerade über den Bahnübergang fährt. Der Bus wird zerrissen und fängt Feuer. 39 Personen im Car kommen ums Leben, nur zwei Frauen überleben schwer verletzt. Auch im Zug gibt es Verletzte.
1947: Tramunglück vom Basler Aeschenplatz
Am 24. April 1947 kommt es auf dem Basler Aeschenplatz zu einem schweren Tramunfall. Ein vom Centralbahnplatz her kommendes Tram fährt in die Kurve bei der Haltestelle und prallt mit einem entgegenkommenden Tram zusammen. Dessen Anhänger wird aus den Schienen gedrückt. Auch ein weiterer Wagen entgleist, rutscht über die Haltestelle und kollidiert mit einem wartenden Tram. Sechs Menschen sterben auf der Traminsel, 36 weitere werden teilweise schwer verletzt.
1891: Brückeneinsturz in Münchenstein
Die schwerste Eisenbahnunglück der Schweiz reicht weit in die Vergangenheit zurück: Am 14. Juni 1891 bricht eine Brücke bei Münchenstein unter dem Gewicht eines vollen Ausflugszuges zusammen. Die Brücke wurde nach Plänen von Gustave Eiffel gebaut und musste nach Hochwasser bereits verstärkt werden. Wegen des hohen Andrangs – es reisen an die 550 Personen mit dem Ausflugszug – werden dem planmässigen Personenzug von Basel nach Delsberg weitere Waggons sowie eine zweite Lokomotive angehängt. Unter dem zusätzlichen Gewicht dieser Lokomotive gerät die Brücke ins Schwanken und bricht ein. Das Unglück fordert insgesamt 73 Tote und über 130 Verletzte. (chm) (aargauerzeitung.ch)
