Isoliert, staatskritisch und körperlich angeschlagen: So lebte der Täter von Kerzers
Person
Beim Täter handelt es sich um einen 65-jährigen Mann, der im Kanton Bern lebte. Gemäss La Liberté ist er Schweizer Staatsbürger. Er lebte laut Generalstaatsanwalt Raphael Bourquin sozial isoliert und war psychisch instabil. Auch eine Anwohnerin beschrieb ihn gegenüber dem Tages-Anzeiger als zurückgezogen, aber freundlich.
Der Mann soll zwei Kinder haben, früher als Lastwagenchauffeur gearbeitet haben und wurde über die Kesb von einem Beistand begleitet. Gemäss der Zeitung häuften sich Betreibungen und Vorladungen im Briefkasten. Laut der Anwohnerin habe er Kritik am Staat geäussert, da er der Meinung war, dass sich dieser zwar um Ausländer kümmere, nicht aber um ihn.
Trotzdem wird er von Anwohnenden als nicht aggressiv beschrieben. Anders als vom Spitalpersonal, das eine mögliche Gefährdung sah.
Wohnen
Laut Medienberichten lebte der Mann in einem Camper bei einem Bauernhof im Berner Seeland. Dieser wurde bereits von den Ermittlern untersucht. Keine einfache Aufgabe, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Demnach sei schon von aussen sichtbar gewesen, dass der Camper vermüllt sei. Im Innern sei alles voller leerer Schnapsflaschen, Toilettenpapier, Putzmittel, Papiertaschen und voller Abfallsäcke gewesen.
Laut der Zeitung hatte der Mann eigentlich nur vorübergehend auf dem Standplatz beim Bauernhof leben wollen. Dafür habe er kein Geld zahlen müssen. Doch weil sein Aufenthalt immer länger dauerte, wurde ihm schliesslich im Januar gekündigt. Ende März hätte er seinen Camper woanders hinfahren müssen.
Gesundheit
Der Mann galt als psychisch instabil. Ausserdem soll er bei der Polizei wegen seines Betäubungsmittelkonsums bekannt gewesen sein. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» hatte er schon länger körperliche Gebrechen und konnte kaum noch aufrecht gehen. Körperliche Beschwerden waren laut SRF auch der Grund, warum er kürzlich ins Spital Aarberg ging, nachdem er schon freiwillig in einer anderen Institution gewesen war.
Doch am Dienstag verschwand er dann plötzlich aus dem Spital. Kurz nach 13 Uhr wurde er dort als vermisst gemeldet. Da sich das Spitalpersonal sorgte, begannen die Abklärungen der Polizei, berichtet CH Media. Auch beim Camper schaute sie vorbei, traf den 65-Jährigen dort aber nicht an. Ausserdem wurden Angehörige zu einer möglichen Selbst- oder Drittgefährdung befragt, doch am Schluss gab es dafür keine Hinweise.
Um 17.45 Uhr soll der Mann in Düdingen in den Bus gestiegen sein. Rund 40 Minuten später übergoss er sich mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Was er zwischen dem Zeitpunkt des Verschwindens aus dem Spital und der Busfahrt getan hat, ist noch unklar. Das Motiv, das ihn letztlich zur Tat bewogen hat, wird weiterhin ermittelt. (vro)
