DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Krieg ums stille Örtchen: Gibt es in der Schweiz bald nur noch Unisex-Toiletten?

«Neue Offenheit auf dem stillen Örtchen» ist der Titel einer kürzlich im Parlament eingereichten Motion von FDP-Nationalrat Albert Vitali. Vitali bringt damit die Diskussion um genderneutrale WCs aufs nationale Parkett – und sie hat gute Chancen. 



In Skandinavien sind sie bereits Alltag: Unisex-WCs. Kabinen und Pissoirs werden von Männern, Frauen und Transmenschen benutzt. Und auch die Hände wäscht man sich in einem gemeinsamen Bereich. 

Bild

In der Schweiz ist die Diskussion um die Unisex-Toiletten neu entbrannt. bild: watson

«Die heutigen Bestimmungen fussen im viktorianischen Zeitalter mit seinen rigiden Moralvorstellungen und passen nicht zu einer modernen Lebensweise.»

FDP-Nationalrat Albert Vitali

In der Schweiz ist die Diskussion um die Unisex-Toiletten neu entbrannt. Nicht ganz unschuldig daran ist FDP-Nationalrat Albert Vitali. In einer Mitte März eingereichten Motion fordert der Luzerner neue Offenheit auf dem stillen Örtchen. In der Motion fordert er den Bundesrat dazu auf, endlich dafür zu sorgen, dass Unisex-Toiletten national erlaubt werden. 

Kantonale Vorschriften abschaffen

«Die heutigen Bestimmungen fussen im viktorianischen Zeitalter mit seinen rigiden Moralvorstellungen und passen nicht zu einer modernen Lebensweise», heisst es in der Motion. Vitali pocht auf die Eigenverantwortung. «Es soll jedem selbst überlassen sein, ob er separate WC-Anlagen oder Unisex-Toiletten bauen will», sagte der Nationalrat gegenüber watson. Der Bau von zwei getrennten WC-Anlagen sei mit hohen Kosten verbunden. «Das trifft vor allem kleine Betriebe.»  

Die Toiletten-Schilder bei Google.

Die Toiletten-Schilder bei Google.

Derzeit sind die Toiletten-Vorschriften kantonal unterschiedlich geregelt. Im Kanton Luzern beispielsweise fordert Paragraf 15 der Gastgewerbeverordnung, dass Restaurants und Hotels über getrennte Toilettenanlagen und Handwascheinrichtungen verfügen müssen. Auch im Kanton Zürich schreibt die Bauverordnung BBV I vor, dass in Bauten mit Publikumsverkehr (dazu gehören auch Restaurants und Hotels) geschlechtergetrennte WCs gebaut werden müssen.   

Vitali will diese Vorschriften abschaffen: «Die Frage nach der Toilettentrennung soll nicht mehr staatlich geregelt sein.» Unterstützung erhält er dabei auch vom Hotellerie- und Gastronomieverband Gastrosuisse. «Da das Gastgewerbe insgesamt mit vielen Auflagen belastet ist, wären Erleichterungen grundsätzlich willkommen – dies vor allem in Bereichen, wo sich die Gäste nicht daran stossen würden», sagt Brigitte Meier-Schmid, Leiterin Marketing und Kommunikation. 

Auch Rico Fanchini vom Restaurant «Coming Soon» in Zürich, das vor fast zwei Jahren mit dem ersten Unisex-WC der Schweiz auf sich aufmerksam machte, freut sich über den Vorstoss von Nationalrat Vitali. «Es wäre sehr wünschenswert, wenn das endlich auf nationaler Ebene diskutiert wird», so Fanchini. 

22 WCs mit grossartiger Aussicht

1 / 25
22 WCs mit grossartiger Aussicht
quelle: instagram/poos with views / instagram/poos with views
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

SBB baut geschlechtergetrennte WCs

Die Unisex-Toiletten stossen aber nicht überall auf Anklang. So sind die neuen Giruno Züge der SBB, die Ende 2019 auf der Gotthardlinie nach Mailand verkehren, mit gemischten sowie geschlechtergetrennten WCs ausgestattet. Laut Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB, folgte man mit den getrennten WCs einem Kundenbedürfnis. 

Auch SVP-Nationalrat Claudio Zanetti äusserte sich unlängst kritisch gegenüber der Unisex-WCs. «Das mindert die Distanz und den Respekt vor dem anderen Geschlecht. Frauen wollen auf dem WC für sich sein, sich schminken und tratschen, Männer stören dabei nur. Und auch Männer schätzen ihre Intimsphäre», sagte Zanetti gegenüber 20 Minuten

Vitali erhofft sich gute Chancen

Die Motion von FDP-Nationalrat Vitali wurde im Parlament noch nicht behandelt. Sie fand aber Sympathien über alle Parteigrenzen hinweg – mehr als 70 Nationalräte unterzeichneten den Vorstoss. Und auch Vitali erhofft sich gute Chancen: «Ich bin überzeugt von dieser Idee. Sie hilft Kosten zu sparen und verhindert weiteren bürokratischen Wildwuchs.»  

Bald sollen Berliner Frauen beim Urinieren stehen

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Es gab noch nie so viele Mountainbiker – das führt zu Konflikten in der Schweiz

Velofahren im Gelände ist in der Schweiz ein Volkssport. Ein Mountainbike-Journalist spricht von einem fast ungesunden Wachstum. Darum: Der Hype hat nicht nur Vorteile.

Im Jahr 2020 wurde der Rekord noch einmal übertroffen. 200'000 neue Mountainbikes fanden einen Besitzer in der Schweiz. Zwar ist dieser, vom Branchenverband der Fahrradlieferanten Velosuisse erhobene, Wert nicht eins zu eins mit dem Vorjahr vergleichbar, als es noch rund 144'000 Mountainbikes waren. Dass der Sport im Coronajahr einen starken Aufschwung erlebte, ist aber unbestritten.

Mancher Veloverkäufer musste seine Kunden auf später vertrösten, weil nicht jedes Modell immer lieferbar war. …

Artikel lesen
Link zum Artikel