DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eines von drei Sujets der neuen Plakatkampagne des Schweizerischen Versicherungsverbandes, die am Montag lanciert wird.
Eines von drei Sujets der neuen Plakatkampagne des Schweizerischen Versicherungsverbandes, die am Montag lanciert wird.Bild: Schweizerischer Versicherungsverband

Versicherungen warnen mit Plakaten davor, in der Freizeit an die Arbeit zu denken

Viele von uns lesen auch in ihrer Freizeit Geschäftsmails. Die neue Plakatkampagne des Schweizerischen Versicherungsverbandes rät uns davon ab.
05.08.2018, 11:2006.08.2018, 03:18

Abends im Open-Air-Kino: Kurz bevor der Film startet, flimmert ein Werbespot über die Leinwand, bei dem sich der eine oder andere Zuschauer ertappt fühlt. Beim Checken der Geschäftsmails auf dem Smartphone oder beim Gedanken daran, welche Herausforderungen am nächsten Tag bei der Arbeit auf ihn warten. Denn der 80-Sekunden-Spot, in dem die Protagonisten sperrige Schreibtische um die Hüfte tragen, hat eine klare Botschaft: «Freizeit ist besser ohne Büro. Schalten Sie aus, tanken Sie auf.»

Ein Schreibtisch um die Hüfte ist ungesund:

Der Spot ist Teil der Kampagne «Ausschalten – Auftanken» des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV), die am Montag in die dritte und voraussichtlich letzte Phase geht. Nach Kolumnen und kurzen Online-Spots soll die Bevölkerung dieses Mal mit einer Plakatkampagne dazu gebracht werden, die Arbeit nicht mit in die Freizeit zu schleppen.

Diese Sujets sind ab Montag auf Plakatwänden zu sehen

1 / 5
Plakat-Kampagne SVV
quelle: schweizerischer versicherungsverband
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Arbeit und Freizeit lassen sich immer weniger trennscharf auseinanderhalten», sagt Eliane Stricker von der Arbeitsgruppe Prävention des Schweizerischen Versicherungsverbandes. Denn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung wie auch der Globalisierung der Wirtschaft hätten immer mehr Menschen das Gefühl, jederzeit für die Arbeitskollegen oder Kunden erreichbar sein zu müssen. Mit Folgen: «Diese ständige Erreichbarkeit erhöht die Unfallgefahr in der Freizeit», sagt Stricker.

Beantwortest du in deiner Freizeit Geschäftsmails?

Diesen Zusammenhang will der Verband mit seiner neuesten Kampagne anschaulich aufzeigen. Wie zum Beispiel mit dem Sujet aus dem Seilpark. «Wer sich in seiner freien Zeit von der Arbeit ablenken lässt, ist unaufmerksamer», erläutert Stricker. «Das kann beim Wandern, im Strassenverkehr oder eben im Seilpark gefährlich werden.»

Der SVV hofft, dass die Präventionskampagne einige Freizeitunfälle verhindern kann, um dadurch einen kostendämpfenden Effekt auf die Leistungskosten zu erzielen. Wie viel Geld in die Präventionskampagne investiert wurde, teilt der Verband nicht mit.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat untersucht, wie hoch die Kosten von Freizeitunfällen ausfallen. Alleine im Jahr 2010 haben Nichtberufsunfälle in der Schweiz 10,4 Milliarden Franken gekostet. Tendenz steigend. Denn in den letzten Jahren sind die Unfallzahlen weiter gestiegen.

Schlafstörungen, mangelnde Erholung, Depression

Die zunehmende Vermischung von Arbeit und Freizeit kann aber aber auch die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Davor warnte etwa Mediziner Georg Bauer in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger»: «Dauererreichbarkeit und häufige berufliche Nutzung des Smartphones können zu Schlafstörungen, mangelnder Erholung, gestörtem Familienleben und längerfristig zu psychischen Erkrankungen wie Depression und Burnout führen.»

Gemäss einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verursachen psychische Erkrankungen in der Schweiz einen volkswirtschaftlichen Schaden in der Höhe von 19 Milliarden Franken pro Jahr.

Gewerkschaften fordern darum immer wieder, dass das Recht des Arbeitnehmers auf Unerreichbarkeit möglichst deutlich im Vertrag festgeschrieben werden soll. Radikal war auch der Vorschlag von SP-Nationalrat Corrado Pardini. In einem offenen Brief an seine Genossen forderte er: «Zwischen 19 und 7 Uhr ist internetfreie Zeit.» Gegenüber «20 Minuten» präzisierte er: «Wir brauchend dringend Spielregeln, damit die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit nicht weiter verschwimmt.»

Was Pardini mit einem Gesetz durchsetzen wollte, will der Schweizerische Versicherungsverband nun mit Sensibilisierung erreichen: Keine Arbeit in der Freizeit.

So inszenierst du den perfekten #Sommer auf Instagram:

Video: watson/Emily Engkent, Angelina Graf

Hä? 26 absurde Fotos, von denen wir gerne die Geschichte dahinter erfahren würden

1 / 28
Hä? 26 absurde Fotos, von denen wir gerne die Geschichte dahinter erfahren würden
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

22 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Linus Luchs
05.08.2018 13:39registriert Juli 2014
Schön und gut, die Kampagne des SVV, aber es wäre mindestens so wichtig, die Arbeitgeberseite ins Visier zu nehmen. Die gefährdeten Angestellten tun sich ja nicht einfach so schwer damit, sich in der Freizeit von der Arbeit abzugrenzen. Dieses Verhalten ist eine Reaktion auf den Druck, der von Vorgesetzten ausgeübt wird. Mitarbeitende, die hier eine Grenze setzen, riskieren, dass ihnen mangelndes Engagement vorgeworfen wird.
1159
Melden
Zum Kommentar
avatar
papaya
05.08.2018 13:44registriert April 2017
Dieses Problem habe ich (zum Glück) nicht... Ich denke während der Arbeit an die Freizeit ;-)
916
Melden
Zum Kommentar
avatar
foxtrottmikelima
05.08.2018 13:28registriert Juli 2018
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich bei uns im Büro die Leute beschweren, weil sie in den Ferien in Thailand nicht auf ihre E-Mails zugreifen konnten.

#onlyinswitzerland
815
Melden
Zum Kommentar
22
Der Ukraine-Krieg und der Bio-Unsinn von Syngenta und der Bauernlobby
Der Ukraine-Krieg verschärft den weltweiten Hunger. Für Organisationen wie Syngenta oder den Schweizerischen Bauernverband eine Steilvorlage, um eigene Interessen durchzusetzen.

In einer globalisierten Welt hat ein Krieg wie jener in der Ukraine Auswirkungen, die weit mehr als nur politische Machtverhältnisse beeinflussen. So werden Warnungen über eine weltweite Nahrungskrise immer lauter. Diese sind zwar ernst zu nehmen, bieten aber auch den perfekten Vorwand, um Anstrengungen hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft zu stoppen.

Zur Story