Schweiz
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Die St. Galler Staenderatspraesidentin Karin Keller-Sutter spricht an einer Medienkonferenz, am Dienstag, 9. Maerz 2018, in Wil. KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die St. Galler Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter an einer Medienkonferenz im März. Bild: KEYSTONE

Keller-Sutters Rivalen geben reihenweise auf – woran sie trotzdem noch scheitern könnte

Nach den Absagen von Martin Schmid und Ruedi Noser um die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann scheint für Karin Keller-Sutter für eine erfolgreiche Wahl nichts mehr im Wege zu stehen. Drei Stolpersteine muss die Ostschweizerin auf dem Weg in den Bundesrat allerdings noch überwinden.

Lorenz Honegger / Schweiz am Wochenende



Der Auftritt makellos, die Reaktionen begeistert. Für die Kommentatoren gab es nach der Lancierung von Karin Keller-Sutters Bundesratskandidatur am Dienstag keine Zweifel: Die 54-jährige St. Galler Ständerätin und ehemalige Regierungsrätin ist die perfekte Kandidatin für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann. «Es ist fast gespenstisch, wie sie den Anforderungskatalog an eine Idealkandidatin in der jetzigen Konstellation erfüllt», schrieb die neue «Neue Zürcher Zeitung».

Was kann jetzt noch schiefgehen? Auf ihrem Weg in den Bundesrat muss sie drei Stolpersteine überwinden.

Stolperstein 1

Ihre Unberechenbarkeit. Während Schneider-Ammann als Bundesrat die Wünsche aus der Parteizentrale zuverlässig befolgte, dürfte Keller-Sutter nach ihrer Wahl schwieriger zu kontrollieren sein. Sie politisiert in der Mitte der freisinnigen Ständeratsdelegation, hat aber keine Abneigung gegenüber Allianzen mit der Linken. Bei den Ständeratswahlen 2015 brüskierte sie ihre bürgerlichen Kollegen, als sie nach ihrer Wahl im ersten Wahlgang keine Empfehlung zugunsten von SVP-Kandidat Thomas Müller im zweiten Wahlgang abgeben wollte. Etliche Bürgerliche interpretierten ihr Schweigen als Votum für Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner, der dann tatsächlich gewählt wurde. Aus Sicht des Mitte-Rechts-Lagers im Parlament stellt sich daher die Frage: Wie zuverlässig würde Keller-Sutter im Bundesrat mit der bürgerlichen Mehrheit stimmen?

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Stolperstein 2

Ihre Unnahbarkeit. Keller-Sutter ist besonders im Ständerat gut vernetzt, gehört im Parlament aber nicht zur Weisswein-Fraktion, die während der Sessionen und nach Kommissionssitzungen gerne mal bei einem Glas zusammensitzt. Als Keller-Sutter 2013 als Ersatzstimmenzählerin kandidierte, erhielt sie nur 33 Stimmen, ein Negativrekord, wie die «Bilanz» kürzlich bemerkte. «Sie darf das Zwischenmenschliche nicht unterschätzen», warnt daher ein FDP-Nationalrat. Parlamentarier neigten dazu, Bundesräte zu wählen, bei denen sie das Gefühl hätten, später eine offene Türe vorzufinden. An diesem Vertrauen müsse Keller-Sutter in den nächsten Wochen noch arbeiten.

Stolperstein 3

Die Wahlreihenfolge. Keller-Sutter stammt aus Wil im Kanton St. Gallen. Das ist auf den ersten Blick ein Plus: Die Ostschweiz hat seit acht Jahren kein eigenes Mitglied mehr in der Landesregierung. Doch je nach Szenario könnte sich der Vor- zum Nachteil entwickeln. National- und Ständerat wählen bei den Bundesratswahlen im Dezember zunächst den Ersatz für CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Sollte Benedikt Würth, St. Galler CVP-Regierungsrat, überraschend das Rennen machen, wäre der Ostschweizer Anspruch auf einen Sitz erfüllt. Nach zwei Zürchern (Ueli Maurer und Moritz Leuenberger) und zwei Bernern (Johann Schneider-Ammann und Simonetta Sommaruga) dürfte die Lust im Parlament auf eine weitere kantonale Doppelvertretung im Bundesrat klein sein.

Doris Leuthard – ihre Karriere im Rückblick:

Schmid und Noser verzichten

Trotz aller Stolpersteine: Keller-Sutters Wahl wird immer wahrscheinlicher. Ihre potenziellen Gegner laufen in Scharen davon. Am Freitag kündigten zwei politische Schwergewichte an, nicht zu kandidieren. Der Bündner FDP-Ständerat Martin Schmid liess in einer Stellungnahme Interesse am «hohen Amt» durchblicken, begründete seinen Verzicht aber mit dem Wunsch seiner Fraktion, «dass eine freisinnige Frau im Bundesrat nachfolgen soll».

ARCHIV - ZUM VERZICHT DER BUNDESRATSKANDIDATUR VON MARTIN SCHMID STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die Freisinnigen Philipp Mueller (AG), Martin Schmid (GR) und Ruedi Noser (ZH),  von links, befassen sich mit der Unternehmenssteuerreform III (USRIII) am Donnerstag, 9. Juni 2016 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Martin Schmid kandidiert nicht.  Bild: KEYSTONE

Ständerat Ruedi Noser (FDP/ZH) kündigte seinen Verzicht auf Twitter an: «Habe mich über die häufige Nennung gefreut, die Zeit ist jetzt aber reif für die zweite FDP-Bundesrätin», erklärte er knapp.

Nationalrat Ruedi Noser referiert anlaesslich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung der FDP Kanton Zuerich, am Donnerstag, 22. Januar 2015, in Zuerich. Noser soll die Nachfolge des abtretenden Staenderats Felix Gutzwiller antreten. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Auch Ruedi Noser tritt nicht zur Wahl an. Bild: KEYSTONE

Noch nicht festgelegt hat sich die Zürcher FDP-Nationalrätin Regine Sauter. Sie will sich nächste Woche festlegen, ob sie Favoritin Keller-Sutter Konkurrenz macht. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • IMaki 14.10.2018 20:35
    Highlight Highlight Und nachdem der Guru vom Herrliberg herab erklärt hat, dass es ohnehin wurscht sei, welche Bürgerlichen unter ihm Bundesrat spielen, ist der Mist geführt. Zumal auf die Frühlingssession hin Ueli der Knecht die Gabel in die Ecke stellt und des Gurus Tochter den Stall in Bern ausmistet (damit die in Bern oben nicht länger machen, was sie wollen, sondern wir in Herrliberg). Man darf jetzt schon Wetten abschliessen, welche politische Bewegung von diesem Coup an den Wahlen 2019 am meisten profitieren wird.
  • dimitris muse 14.10.2018 20:26
    Highlight Highlight Moritz Leuenberger im Bundesrat für Zürich? Auch schon ein Weilchen her
  • rodolofo 14.10.2018 11:12
    Highlight Highlight Mit anderen Worten: Kungeleien und Mafia-Intrigen bereits vor der "Nacht der langen Messer"!
    Die ach so seriöse Muster-Schweiz ist im Grunde ein verlängerter Kopf des Kongo...
    • Ueli der Knecht 14.10.2018 15:00
      Highlight Highlight Es ist genau umgekehrt. Der Kopf und Bauch der Kleptokraten-Mafia ist in der Schweiz. Im Kongo ist ihr verlängertes Tentakel. Eines von vielen.
    • rodolofo 14.10.2018 15:10
      Highlight Highlight Auf die genauen anatomischen Details will ich mich da nicht festlegen.
      Ich glaube, wir wissen beide, was wir sagen wollen.
    • dan2016 15.10.2018 07:13
      Highlight Highlight nochmals auch für dich und die Medien, eigentlich wäre es eine Wahl mit klar festgelegtem Wahlgremium. Aber die Medien haben bereits ganze Arbeit geleistet und es wird fraglich ob irgendein Idiot/Idiotin als Gegenkandidat auftreten wird und als a) Frauenverhinderer, b) Ostschweizverhinderer, c) Verschwörer, d) Mauschler eine echte Wahl verhindern wird und sich dabei die Karriere kaputt machen soll....
  • ubu 14.10.2018 05:20
    Highlight Highlight Und wie immer, wenn die Mär vom Ostschweizer Anspruch verbreitet wird, die Präzisierung: Zentral- und Nordwestschweiz warten schon sehr viel länger auf eine Vertretung im Bundesrat.
    • Freilos 14.10.2018 13:35
      Highlight Highlight Ich frage mich ohnehin warum die Herkunft des Bundeseates entscheidend ist. Schlussendlich betreiben sie Politik für die Schweiz und nicht für Regionen. Grundsätzlich sollte doch entscheidend sein dass sie einen guten Job machen. Egal woher und egal ob Mann oder Frau und egal welche Muttersprache.
    • Mr. Stärneföifi 14.10.2018 19:55
      Highlight Highlight Die 10 Blitzo kommen aus do Ostschweiz 😄

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