Schweiz
Gesellschaft & Politik

Grünen-Nationalrätin Aline Trede will Immunitätskommission umkrempeln

Nationalraetin Aline Trede, GP-BE, stellt Bundesrat Albert Roesti eine Frage, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 17. Dezember 2025, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)
«Die Arbeit der Immunitätskommission sollte nicht politisch geprägt sein»: Aline Trede nimmt die SVP ins Visier.Bild: keystone

Wegen Flegel-Politikern: Nationalrätin will Immunitätskommission umkrempeln

Grünen-Fraktionspräsidentin Aline Trede befürchtet ein Demokratiedefizit.
04.01.2026, 15:10
Benjamin Rosch / ch media

Muss das Parlament die Immunität eines Ratsmitglieds verhandeln, wird es schnell unappetitlich: Ehrverletzungen, Rassendiskriminierung und Amtsgeheimnisverletzungen gehören zu den Klassikern möglicher Straftatbestände, über deren Untersuchung zuerst das Parlament befinden muss. Wobei solche Fälle über lange Zeit sehr selten auf der Traktandenliste landeten. Zwischen 1980 und 2011 hob das Parlament nur ein einziges Mal die Immunität eines Ratsmitglieds auf: jene der eben zurückgetretenen Bundesrätin Elisabeth Kopp. Das war 1989.

Elisabeth Kopp leaves the Federal Parliament Building after announcing her resignation as Federal Councillor on January 13, 1989. She says goodbye to the fellow party member Federal Councillor Jean-Pa ...
Elisabeth Kopp trat 1989 als Bundesrätin zurück.Bild: KEYSTONE

In den Nullerjahren änderte sich das. Der politische Ton wurde rauer, was auch mit dem Aufstieg der SVP zusammenhängt. Um Immunitätsgesuche zu entpolitisieren, schuf das Parlament eine eigene Kommission. Bis dahin hatte die gesamte Bundesversammlung darüber geurteilt, ob jemand aus ihren Reihen vor den Strafverfolgungsbehörden geschützt sein sollte.

In den vergangenen fünfzehn Jahren hat die Arbeit der Immunitätskommission zugenommen. Mit ein Grund dafür sind auch die Sozialen Medien. Ein verbaler Ausrutscher von FDP-Nationalrat Simon Michel im vergangenen Herbst war bereits das 22. Gesuch, das die Kommission seit 2011 zu begutachten hatte. Sie wies es, wie meistens, ab.

Entpolitisiert worden ist das Immunitätswesen derweil mitnichten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Kommissionsmitglieder in den meisten Fällen ihre Fraktionskollegen beschützen. Im Unterschied beispielsweise zum Ratsbüro entsenden die verschiedenen Parteien ihre Mitglieder gemäss Fraktionsstärke – mit einigen mathematischen Unschärfen.

Von den neun Kommissionsmitgliedern politisieren vier für die SVP, wobei die Partei mit Pierre-André Page zuletzt auch das Präsidium stellte und damit den Stichentscheid hatte.

Terminfindung per Doodle-Umfrage

Das ist insofern relevant, als die Kommission keine festen Sitzungstermine hat, sondern diese per Doodle-Umfrage festlegt. Hätte nur ein anderes Mitglied gefehlt, hätte die SVP in dieser Konstellation bereits alleine entscheiden können – und diese Partei war es auch, die in den meisten Fällen betroffen war. So mussten beispielsweise vor rund einem Jahr gleich fünf SVP-Politiker vor der Kommission antraben. Einer davon, Nationalrat Andreas Glarner, muss nun mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Im Extremfall wird dies zum demokratiepolitischen Problem: Gewinnt die SVP weiter Sitze, könnte sie ihre Parlamentarier in Zukunft a priori vor der Justiz schützen.

«Die Arbeit der Immunitätskommission sollte nicht politisch geprägt sein, sondern auf sachlichen Kriterien basieren», sagt Grünen-Fraktionspräsidentin Aline Trede. Dies sei aber aktuell nicht gewährleistet: «Aktuell ist die Unabhängigkeit von politischen Interessen nicht mehr gegeben.»

Trede will nun die Immunitätskommission umkrempeln: Künftig soll jede Fraktion nur noch ein Mitglied stellen, unabhängig von der Fraktionsstärke. Die Berner Nationalrätin hat in der vergangenen Wintersession einen entsprechenden Vorstoss eingereicht.

Dass sich die SVP dagegen wehren wird, zeichnet sich bereits ab. Offen ist, wie die anderen Parteien Tredes Vorschlag bewerten. Am ehesten dürften sich die Grünliberalen dafür aussprechen: Sie haben bislang gar keinen Einsitz in der Immunitätskommission. (aargauerzeitung.ch)

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71 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Callao
04.01.2026 15:27registriert April 2020
Es spricht ganz und gar nicht für unsere Politiker, dass es so einer Kommission überhaupt bedarf. In jeder Vorschulklasse geht es gesitteter zu und her!
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oléoléolé
04.01.2026 15:24registriert März 2021
Warum entscheiden Politiker über die Aufhebung der Immunität und nicht Richter? Erstere sind doch immer in einem Loyalitätskonflikt, respektive haben parteipolitische Interessen.
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Matthias Studer
04.01.2026 15:25registriert Februar 2014
Nicht das Parlament soll darüber bestimmen, sondern ein Gremium von Richter.
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