Schweiz
Gesellschaft & Politik

F-35, Patriot, Mehrwertsteuer: Die neuen Armee-Pläne des Bundesrats

F-35, Patriot, Mehrwertsteuer: So sehen die Armee-Pläne des Bundesrats aus

Inmitten der angespannten geopolitischen Lage hat der Bundesrat seine Pläne für die Armee ausgeführt. Zu den F-35-Jets und zum Patriot-Luftabwehrsystem gibt es neue Informationen – am Plan der Mehrwertsteuererhöhung hält der Bund derweil fest.
06.03.2026, 14:0006.03.2026, 14:52

Bundesrat geht von Kauf von 30 F-35-Jets aus

Die Armee wird voraussichtlich nur 30 statt 36 neue F-35-Kampfjets erhalten. Davon geht der Bundesrat derzeit aus. Er verzichtet auf einen Milliarden-Zusatzkredit und beantragt nur einen 394-Millionen-Franken-Kredit, um teuerungsbedingte Mehrkosten abdecken zu können.

Switzerland's Minister for Defence, Civil Protection and Sport Martin Pfister pictured during a visit of the troops prior the 56th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switz ...
Bundesrat Martin Pfister hat seine Pläne für die Armee erklärt.Bild: keystone

Bereits im Dezember hatte Verteidigungsminister Martin Pfister durchblicken lassen, dass die Schweiz mit dem vom Volk im September 2020 bewilligten Zahlungsrahmen nicht die ursprünglich geplante Anzahl von 36 Kampfflugzeugen des Typs F-35 vom Hersteller Lockheed Martin wird beziehen können. Am Freitag hat der Bundesrat dies nun bestätigt.

«Der Bundesrat verzichtet auf die ursprüngliche Anzahl von 36 Flugzeugen», schrieb er in einer Mitteilung. Ein vollständiger Verzicht sei aber angesichts der sich zuspitzenden sicherheitspolitischen Lage keine Option.

Deshalb sucht die Landesregierung einen Mittelweg – «innerhalb des vom Volk bewilligten Finanzvolumens», wie sie schreibt. Es sollte die maximal mögliche Anzahl Flugzeuge beschafft werden, aus finanzpolitischen Gründen ohne einen Milliarden-Zusatzkredit. Für den Kauf von 36 Jets wären laut dem Bundesrat weitere 1,1 Milliarden Franken notwendig.

Ohne diesen Zusatzkredit geht das Verteidigungsdepartement aktuell davon aus, dass 30 F-35-Kampfflugzeuge beschafft werden können. Die genaue Anzahl könne erst bestimmt werden, wenn die US-Regierung die Verträge mit den Herstellern über die verbleibenden Flugzeuge und Triebwerke für die nächsten Produktionslose ausgehandelt habe.

epa10018529 A US F-35 fighter jet flies over international airport near Skopje, Republic of North Macedonia, 17 June 2022.Two F-35 fighter jets of the Vermont National Guard flew over and landed at Pe ...
Ein F-35-Jet aus den USA.Bild: EPA

Auch für 30 Flugzeuge muss aber noch einmal Geld gesprochen werden. Konkret soll das Parlament im Rahmen der Armeebotschaft 2026 einen Zusatzkredit von 394 Millionen Franken genehmigen, um die von den USA geltend gemachten Mehrkosten für die Teuerung, die Entwicklung der Rohstoffpreise und weitere Faktoren seit der Volksabstimmung auszugleichen. Das entspricht laut dem Bundesrat dem Volkswillen.

Die Beschaffung von weniger Kampfjets habe negative Konsequenzen für die Durchhaltefähigkeit und die Leistungserbringung der Luftwaffe, schrieb die Landesregierung. Für eine umfassende und auf die aktuelle Bedrohungslage ausgerichtete Luftverteidigung bräuchte es gemäss Einschätzung einer Expertengruppe des VBS 55 bis 70 moderne Kampfflugzeuge.

Kauf von weiterem Luftverteidigungssystem wird geprüft

Das in den USA bestellte Patriot-Luftabwehrsystem verzögert sich um mehrere Jahre. Der Bundesrat lässt deshalb prüfen, ob die Schweiz ein zusätzliches System zur bodengestützten Luftverteidigung kaufen soll. Produziert werden soll dieses vorzugsweise in Europa.

Der Bundesrat reagiert mit diesem Entscheid vom Freitag auf die verschärfte Bedrohungslage in Europa durch Distanzwaffen. Anlass für die Prüfung ist auch die Verspätung des in den USA bestellten Patriot-Luftverteidigungssystems um vier bis fünf Jahre.

So wurde es der Schweiz von den USA Ende Februar mitgeteilt. Dennoch will der Bundesrat am Kauf des Patriot-Systems festhalten. Ursprünglich war vorgesehen, dass das System 2027 und 2028 geliefert werden sollte.

Um die Verspätung abzufedern, lässt der Bundesrat die Beschaffung eines weiteren bodengestützten Systems zur Luftverteidigung prüfen. Ergebnisse sollen bis Mitte 2027 vorliegen.

Mehrwertsteuererhöhung bleibt

Der Bundesrat will trotz massiver Kritik an der geplanten, temporären Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der Armee festhalten. Die Vorlage erfordert eine Verfassungsänderung, ein neues Rüstungsfonds-Gesetz sowie Anpassungen im Mehrwertsteuergesetz.

Die Landesregierung hat die Vorlage am Freitag in die Vernehmlassung geschickt. Diese soll bis Ende Mai dauern. Ziel sei es, dass eine Volksabstimmung über die Verfassungsänderung im Sommer 2027 stattfinden könne.

So könnte die befristete Mehrwertsteuererhöhung im Falle einer Annahme durch das Stimmvolk per Anfang 2028 in Kraft treten, rechnete der Bundesrat vor. Dadurch werde «der Bedrohungslage Rechnung getragen und die Sicherheit und Verteidigung gestärkt».

Die von Verteidigungsminister Martin Pfister vorgeschlagene Mehrwertsteuererhöhung zur Stärkung der Sicherheit und Verteidigung der Schweiz war bei ihrer Ankündigung auf massive Kritik gestossen. Bei den Parteien hatte neben der Mitte einzig die GLP die Pläne des Bundesrats zumindest nicht kategorisch abgelehnt.

Die befristete Erhöhung soll es laut dem Bundesrat ermöglichen, der Armee und den sicherheitsrelevanten zivilen Bundesämtern jene finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Bevölkerung und das Land gegen die wahrscheinlichsten Bedrohungen besser zu schützen – namentlich gegen hybride Aktivitäten und Angriffe aus der Distanz.

(dab/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
76 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
HappyUster
06.03.2026 14:15registriert August 2020
Aha... ihr wollt bockig tun? F-35 muss sein, Patriot muss sein, MwSt muss sein, ...

Das können wir auch: NEIN an der Urne! von mir Imfall
1055
Melden
Zum Kommentar
avatar
WTF2023
06.03.2026 14:03registriert Dezember 2022
Also um es kurz zu sagen: Der Bundesrat ist absolut nicht lernfähig!
983
Melden
Zum Kommentar
avatar
Urs Kipfert
06.03.2026 14:12registriert Februar 2019
Verstehe ich das richtig:
Wir alle sollen einer Mehrwertsteuererhöhung zustimmen, weil der BR nicht fähig ist, Verträge so verbindlich auszuhandeln, dass sie nicht plötzlich Milliarden Franken mehr kosten als "abgemacht"?
813
Melden
Zum Kommentar
76
Wolf tot im Kanton Schwyz aufgefunden: Todesursache bekannt
Untersuchungen am im November auf einer Strasse im Kanton Schwyz tot aufgefundenen Wolf bestätigen: Die Todesursache war eine Kollision mit einem Fahrzeug. Vorbestehende Schussverletzungen wurden keine gefunden. Die pathologische Untersuchung brachte jedoch schwerwiegende innere Verletzungen ans Licht, wie es in der Mitteilung heisst. Das Verletzungsbild stimme mit einer Kollision mit einem Fahrzeug überein.
Zur Story