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Nationalratspräsidentin Irène Kälin verlässt einen Flugplatz in Hostomel in der Nähe Kiews.
Nationalratspräsidentin Irène Kälin verlässt einen Flugplatz in Hostomel in der Nähe Kiews.Bild: keystone

«Die Schweiz steht mit der Ukraine zusammen» – so lief Kälins Besuch in der Ukraine

Heute ist die Nationalratspräsidentin Irène Kälin mit einer dreiköpfigen Delegation in der Ukraine eingetroffen. Was hinter der Einladung steckt, wer mit dabei ist und was Kälin während der Medienkonferenz gesagt hat.
27.04.2022, 16:5627.04.2022, 20:33

Wer ist dabei?

Die parlamentarische Delegation um Nationalratspräsidentin Irène Kälin (Grüne/AG) ist heute Morgen in Kiew eingetroffen. Aufgebrochen ist die Gruppe bereits gestern Abend.

Irène Kälin in ihrem Schlafabteil des Nachtzugs von Przemysl, Polen nach Kiew.
Irène Kälin in ihrem Schlafabteil des Nachtzugs von Przemysl, Polen nach Kiew. Bild: keystone

Zur Delegation gehören Kälins Nationalratskollegen Nik Gugger (EVP/ZH), Yves Nidegger (SVP/GE) und Roger Nordmann (SP/VD). Sie alle seien nach einer sicheren Reise über Nacht angekommen, hiess es. Mit dabei sind auch noch der Schweizer Botschafter in der Ukraine, Claude Wild, und Artem Rybchenko, der ukrainische Botschafter in Bern.

Nationalrat Yves Nidegger arbeitet in seinem Abteil, kurz vor der Ankunft in Kiew.
Nationalrat Yves Nidegger arbeitet in seinem Abteil, kurz vor der Ankunft in Kiew.Bild: keystone

Wieso sind sie in die Ukraine gereist?

Es ist das erste Mal seit Kriegsausbruch in der Ukraine, dass die Schweiz Politikerinnen und Politiker in das Land entsendet. Ausschlaggebend dafür war eine offizielle Einladung von Ruslan Stefantschuk, dem Präsidenten des ukrainischen Parlaments. Erhalten hat die Einladung seine Amtskollegin Irène Kälin.

Irène Kälin in einem Interview kurz vor Anbruch ihrer Reise am Dienstag.
Irène Kälin in einem Interview kurz vor Anbruch ihrer Reise am Dienstag.Bild: keystone

Obwohl die Reise in das Kriegsland risikobehaftet ist, habe sie nicht anders gekonnt, als die Einladung anzunehmen, schreibt die Nationalratspräsidentin im «Blick»:

«In diesen schrecklichen Zeiten des Krieges ist ein Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit vor Ort das Mindeste, was ich tun kann.»

Die Worte des ukrainischen Parlamentspräsidenten hätten sie bewegt, schreibt sie weiter.

«Sofern wahre menschliche Werte nicht bloss Wahlkampfparolen sind, bin ich mir sicher, dass keine zivilisierten Politiker und Politikerinnen gleichgültig bleiben würden, nachdem sie die heutige Ukraine gesehen haben».

Der Entscheid, dieser Einladung nachzukommen, sei ihr gewissermassen leicht gefallen, so Kälin. Als Nationalratspräsidentin erachte sie es als ihre Aufgabe, als Pflicht der höchsten Schweizerin, die Solidarität nach Kiew zu tragen, die sie täglich sehe und erlebe.

Stefantschuks Worte haben Wirkung gezeigt: Heute schüttelten sich Kälin und Stefantschuk im Parlamentsgebäude in Kiew die Hände.
Stefantschuks Worte haben Wirkung gezeigt: Heute schüttelten sich Kälin und Stefantschuk im Parlamentsgebäude in Kiew die Hände.Bild: keystone

Ruslan Stefantschuk begrüsst die Annahme der Einladung. Dass «Irène» gekommen sei, sei mehr als ein Zeichen der Solidarität, es brauche Mut, dies zu tun, und es sei ein deutliches Zeichen der Unterstützung, wie die Parlamentsdienste auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilten.

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Was steht auf dem Programm?

Die Reise der vier Nationalratsmitglieder war erst gestern angekündigt worden. Heute um 10 Uhr haben sie bereits die Hauptstadt Kiew erreicht.

Was für die Delegation in der Ukraine genau auf dem Programm steht, ist nicht genau bekannt. Die Parlamentsdienste begründen dies mit Sicherheitsbedenken. Ursprünglich war noch eine Rede Kälins vor dem ukrainischen Parlament vorgesehen. Diese fällt allerdings aus.

Wo halten sie sich auf?

Wie der Tagesanzeiger berichtet, hat die Delegation um Kälin die Kiewer Vororte Irpin und Hostomel besucht. Ebenfalls dabei war Stefantschuk sowie Parlamentsvorsitzende aus Rumänen und Nordmazedonien.

In Begleitung von Sicherheitskräften besucht die Delegation um Irène Kälin den zerstörten Flugplatz in Hostomel.
In Begleitung von Sicherheitskräften besucht die Delegation um Irène Kälin den zerstörten Flugplatz in Hostomel.Bild: keystone

Die Entdeckung von Kriegsverbrechen in der Umgebung der Hauptstadt Kiew nach dem Abzug russischer Truppen hatte weltweit für Entsetzen gesorgt, neben Irpin auch in Butscha.

Auf dem Flugplatz richtete Kälin noch einige Worte an die Presse.
Auf dem Flugplatz richtete Kälin noch einige Worte an die Presse.Bild: keystone

Es habe kein Militär in Irpin gegeben, sagten lokale Vertreter dem Schweizer Besuch, wie SRF online berichtete. Schulen und Privathäuser seien (vom russischen Militär) angegriffen und zerstört worden. Die Städte Irpin und Butscha wurden inzwischen von der ukrainischen Armee wieder zurückerobert.

Wie ein Video von «Blick» zeigt, wiederholt Kälin gegenüber Stefantschuk, dass sie die Einladung sehr gerne angenommen habe, da es das Mindeste gewesen sei, das sie habe tun können. Sie sehe auch, dass man in der Ukraine den Mut noch nicht aufgegeben habe, obwohl man bereits durch die Hölle gegangen sei.

Wie äussert sich Kälin?

«Die Schweiz steht mit der Ukraine zusammen.» Das sagte Kälin an einer Medienkonferenz in Kiew. Angesichts eines militärischen Angriffs auf einen friedlichen Staat in Europa könne man nicht unparteiisch sein.

Irène Kälin spricht an der Pressekonferenz im Parlamentsgebäude in Kiew.
Irène Kälin spricht an der Pressekonferenz im Parlamentsgebäude in Kiew.Bild: keystone

«Angesichts einer offensichtlichen Verletzung des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts, angesichts des Leids und möglicher Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung können wir nicht schweigen», sagte Kälin in Anwesenheit des Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk im Parlamentsgebäude von Kiew. Sie habe seine die Einladung angenommen, um die Solidarität der Schweiz auszudrücken.

«Meine Landsleute haben ihre Herzen und ihr Zuhause geöffnet für Menschen aus der Ukraine, die Schutz suchen», sagte Kälin. Bisher hätten 43'000 Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz Zuflucht gefunden. Die Schweiz habe auch alle fünf Sanktionspakete gegen Russland übernommen.

Kälin erinnerte daran, dass die Schweiz seit 1991 gute Beziehungen mit der Ukraine pflegt. Wenn der Krieg vorbei sei, werde die Schweiz den Wiederaufbau einer freien, demokratischen und souveränen Ukraine unterstützen. (saw)

Mit Material der Nachrichtenagentur sda.

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92 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Radio Eriwan
27.04.2022 17:43registriert November 2020
Auch wenn die 🇨🇭-er Delegation mit frommen Wünschen und leeren Händen gekommen ist, es ist doch ein Zeichen, welches den Ukrainern Mut machen soll.
Und es braucht definitiv Eier, um in den heutigen Tagen freiwillig in die Ukraine zu reisen. Chapeau!
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Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
27.04.2022 18:25registriert April 2021
Tolle, mutige Frau!
Ebenso ihre Begleiter. Ich hoffe die Schweiz tut bald mehr, um der Ukraine ganz konkret zu helfen.
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Elke Wolke
27.04.2022 20:58registriert Oktober 2018
Gut hat sie die Einladung angenommen. Dennoch seltsame Aussage „When this war is over we will be right by your side“. Wie wärs mit Hilfe während dem Krieg, damit es die Ukraine in Zukunft überhaupt noch gibt?
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