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Schweiz liefert abgetauchten Drogenschieber an Albanien aus

29.07.2020, Sachsen-Anhalt, Magdeburg: Der Angeklagte Stephan Balliet wird vor dem vierten Prozesstag in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann 13 Straftaten  ...
Der Verdächtige sass wegen Drogendelikten in Schweizer Haft, als Albanien die Auslieferung verlangte. Er soll mit geholfen haben, einen Doppelmord vorzubereiten. (Symbolbild)Bild: keystone

Clan-Krieg im Balkan erreicht die Schweiz

Die Schweiz liefert einen abgetauchten Drogenschieber an Albanien aus. Der Mann soll Teil eines Mordkomplotts in einer blutigen Clan-Fehde gewesen sein. Die Fehde hat eine brisante politische Komponente.
15.04.2026, 21:5915.04.2026, 21:59
Henry Habegger
Henry Habegger

Als die albanische Justiz Ende 2024 die Auslieferung des 37-jährigen Albaners K.* aus der Schweiz verlangte, musste dieser nicht erst verhaftet werden: Er sass im Kanton Solothurn bereits im vorzeitigen Strafvollzug – unter anderem wegen Geldwäscherei, Drogenhandel sowie Verstössen gegen das Waffengesetz.

Im März 2025 erliess das Bundesamt für Justiz einen Auslieferungshaftbefehl. Dies geht aus einem kürzlich publizierten Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona hervor.

Der Mann, der in der Schweiz untergetaucht war und mutmasslich für seinen Clan im Drogengeschäft tätig gewesen sein soll, wehrte sich gegen die Auslieferung. Sein Leben sei in Albanien in Gefahr, machte er geltend. Er habe «kein Vertrauen in den albanischen Staat, der für die Ermordung seines Vaters und zweier seiner Brüder verantwortlich» sei. Zudem sei das Auslieferungsgesuch politisch motiviert, die Vorwürfe zu wenig konkret. In Albanien wird dem Mann vorgeworfen, Mitglied einer kriminellen Organisation zu sein.

Politiker soll Morde in Auftrag gegeben haben

Der Fall hat einen brisanten Hintergrund: Gemäss den albanischen Behörden soll der Mann Anfang 2020 Teil einer 16-köpfigen Gruppe gewesen sein, die den Auftrag hatte, zwei rivalisierende Bosse – ein Brüderpaar – zu liquidieren. Hinter dem Mordplan soll ein Abgeordneter der Sozialistischen Partei stehen, also jener Partei, der auch Premierminister Edi Rama angehört. Der Politiker habe geglaubt, die beiden Männer seien für den Mord an seinem Bruder verantwortlich.

Unterstützung soll er vom berüchtigten Mafiaboss Ervis M. erhalten haben, bekannt als «Glücksspielkönig». Dessen Organisation lieferte sich seit Jahren einen blutigen Konflikt mit der Bande der beiden Brüder.

2022 soll es den «Glücksspielkönig» M. selbst erwischt haben – jedenfalls fehlt von ihm seit jenem Jahr jede Spur.

Der «Schweizer» sollte Brüder ans Messer liefern

Der in der Schweiz untergetauchte K. soll laut Anklage der albanischen Justiz den Auftrag gehabt haben, einen der Brüder in einer Stadt an der albanischen Küste zu lokalisieren und zu beobachten. Diese Informationen sollten zwei Auftragskillern aus dem Kosovo weitergeleitet werden.

Die Anschlagspläne scheiterten jedoch: Zwischen 2020 und 2024 überlebten die Brüder mehrere Attentatsversuche. Laut albanischer Justiz soll der Beschuldigte K. dabei Unterstützung geleistet haben.

Der Bruder des Ausgelieferten wurde laut Berichten ermordet – erschossen mit einer Kalaschnikov. Im Auftrag angeblich des eigenen Bandenbosses.
Der Bruder des Ausgelieferten wurde laut Berichten ermordet – erschossen mit einer Kalaschnikov. Im Auftrag angeblich des eigenen Bandenbosses.Bild: Shutterstock

Auch sein eigener Bruder war involviert – und wurde 2020 selbst zum Opfer: Er wurde aufgefunden neben einem gemieteten BMW, erschossen mit einer Kalaschnikow. Mutmasslich im Auftrag des «Glücksspielkönigs», obwohl dieser ja zum gleichen Lager gehört haben soll.

Brüder setzten sich nach Dubai ab

Die beiden Zielpersonen, das Brüderpaar, setzten sich derweil nach Dubai ab, wie es auch viele andere Akteure aus dem Milieu tun. 2024 wurden sie dort verhaftet und an Albanien ausgeliefert.

Vor dem Bundesstrafgericht bestritt der Beschuldigte jede Beteiligung am Attentatsversuch von 2020. Er berief sich unter anderem auf ein Alibi: Während der relevanten Zeit habe er sich während 40 Tagen ununterbrochen im Haus seiner Mutter aufgehalten – im Rahmen der Trauerfeier für seinen ermordeten Bruder, wie es der albanisch-kosovarischen Tradition entspreche. Das Gericht erachtete diese Darstellung als nicht glaubhaft.

Die Richter wiesen seine Beschwerde ab und auferlegten ihm eine Gerichtsgebühr von 3000 Franken.

Der Mann wurde inzwischen nach Albanien ausgeliefert. Dort wartet er wie über ein Dutzend andere Beschuldigte auf den Prozess. Es gilt die Unschuldsvermutung.

* Name der Redaktion bekannt. (aargauerzeitung.ch)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FaktenImFondue
15.04.2026 22:46registriert Oktober 2025
Interessiert beibuns niemanden. Ausliefern und gut ist, jeder Glünggi der nicht mehr hier ist, ist eine gute Sache.
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dmark
15.04.2026 22:45registriert Juli 2016
"Geldwäscherei, Drogenhandel sowie Verstössen gegen das Waffengesetz"

Ist jetzt nicht gerade die beste Branche, um sein Rentenalter in Ruhe erreichen zu können.
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Gina3
16.04.2026 08:22registriert September 2023
Ich glaube, wir sind uns alle einig?
1- Diese Kriminellen können so schnell wie möglich in ihr Herkunftsland abgeschoben werden.
2- Wenn ihr Leben dort in Gefahr ist, kann dies nur dann berücksichtigt werden, wenn sie hier, in ihrem Gastland, nicht dazu beigetragen haben, das Leben anderer zu gefährden.
3- Wir erwarten, dass das Parlament und der Bundesrat die notwendigen Massnahmen ergreifen, um Geldwäsche und mafiöse Organisationen aktiv zu bekämpfen.
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