Schweiz
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8 Jahre Jugendbarometer: So anders dachten die Jungen 2010

Sind gar nicht so locker, wie’s manchmal aussieht: Junge Menschen.  Bild: shutterstock



Seit 2010 erhebt das Forschungsinstitut GFS Bern im Auftrag der Credit Suisse jährlich den Jugendbarometer (mit Ausnahme von 2017). In den acht Jahren haben sich die Art und Weise, wie die Generation der 15 bis 20-Jährigen Schweizer über das Leben und die Zukunft denkt, zum Teil erheblich verändert. War die Altersvorsorge im Jahr 2010 beispielsweise ein vergleichsweise untergeordnetes Thema, ist sie acht Jahre später das Sorgendossier Nummer 1. Andere Einstellungen dagegen blieben über die Zeit stabil. Wir vergleichen für ausgewählte Bereiche, was sich verändert hat und was nicht.

Das war/ist «in»

SMS, Italienisches Essen und Emails: Die Trends der jungen Generation 2010 gehören fast schon in ein anderes Zeitalter. Während die Popularität von Pasta und Pizza zwar ungebrochen ist, sind SMS und Emails bei Jungen zu Nischenformen in der Kommunikation geworden.

Display eines Mobiltelefons mit SMS Nachricht, aufgenommen am Mittwoch, 26. Dezember 2001.Millionen von SMS wurden ueber Weihnachten uebermittelt. Alleine die Swisscom verzeichnete mit 9 Millionen SMS am 24. Dezember 2001 einen neuen Rekord. Die Netze der drei Schweizer Betreiber haben dem Ansturm der millionenweise versandten Botschaften standgehalten.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Ungefähr so kommunizierte man von 1999 bis 2010 ... Bild: KEYSTONE

Ein Jahr später stand Freunde treffen ganz oben auf der Trendliste der jungen Schweizer, gefolgt von SMS und Ferien im Ausland.

2012 folgte dann der Siegeszug des Smartphones. Dicht dahinter wieder Freunde treffen, auf Rang 3 der Trend-Aktivitäten findet sich interessanterweise Musik runterladen – aus der Sicht von 2018 fast schon eine prähistorische Tätigkeit.

FILE - In this Aug. 4, 2005 file photo, Apple CEO Steve Jobs speaks during a launch event for Apple's music download service, iTunes, in Tokyo. A billion-dollar class-action lawsuit over Apple’s iPod music players heads to trial in a California federal court Tuesday, Dec. 2, 2014, in an antitrust case where the legal wrangling has lasted far longer than the technology that sparked the complaint. (AP Photo/Shizuo Kambayashi, File)

Und mit diesem Ding hörte man damals Musik ... downgeloadete Musik. Bild: AP/AP

Das Smartphone hält sich auch 2013 an der Spitze, auch Freunde treffen findet sich wieder auf dem Podest. Auf Rang 3 geben die Befragten «Ferien im Ausland» an. 

Für 2014 fehlt eine ähnliche Befragung, 2015 fanden dann Smartphones, WhatsApp und «Freunde treffen» am meisten Zustimmung. 2016 sind es WhatsApp, Smartphone und «Freunde treffen». 2018 fällt Freunde treffen aus der Top 3, stattdessen taucht Musik hören erstmals auf, das Smartphone kann seinen Spitzenplatz vor WhatsApp behaupten. 

Und das war/ist «out»

Auch bei den Aktivitäten, die «out» sind, sich also keiner grossen Beliebtheit erfreuen, zeigt sich ein erstaunlich einheitliches Bild. Drogen konsumieren, an politischen Demonstrationen teilnehmen und Geländewagen führen die Rangliste 2011 an. 2012 rutschen die Geländewagen einen Platz nach oben, Rauchen verdrängt politische Demonstrationen, Drogen konsumieren ist nach wie vor am meisten out. Ein Jahr später sind es neben «normalen» Drogen leistungssteigernde Substanzen, die am meisten auf Ablehnung stossen, Platz 3 belegt die Teilnahme an politischen Demonstrationen.

ZUR MELDUNG, DASS DER NATIONALRAT EIN VERBOT FUER TABAKWERBUNG IM KINO UND AUF PLAKATEN ABLEHNT, STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 8. DEZEMEBER 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Ein Mitarbeiter der APG, einer Firma fuer Plakatwerbung, bringt am 30. April 2007 an einer Plakatwand in Zuerich eine Tabakwerbung der Zigarettenmarke Winston an. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Wird bei den Jungen gestrichen: Zigaretten rauchen. Bild: KEYSTONE

2015 haben leistungssteigernde Substanzen gewöhnliche Drogen von der Spitze verdrängt, das Podest wird komplettiert vom Ausüben einer Religion. 2016 ereignet sich dann ein kleines Erdbeben: Neu führen nicht mehr Drogen die Unbeliebtheits-Rangliste an, sondern Smartphones ohne Internetzugang, erst an zweiter Stelle kommen bewusstseinserweiternde Substanzen, gefolgt von Religion. Das Bild ist zwei Jahre später stabil: Nur die Religionsausübung fällt zugunsten politischer Parteien aus den Top 3.

epa06828437 Spectators cheer to Pope Francis at the conclusion of the Holy Mass at Palexpo hall in Geneva, Switzerland, 21 June 2018. Pope Francis visits the World Council of Churches as centerpiece of the ecumenical commemoration of the WCC's 70th anniversary.  EPA/MARTIAL TREZZINI / POOL

Papst-Fantruppe in Genf: Eher am oberen Ende der Altersskala. Bild: EPA/KEYSTONE POOL

Was wirklich wirklich wichtig ist

Jedes Jahr werden die Jugendlichen gefragt: «Wenn Sie daran denken, was Sie in Ihrem Leben anstreben: Wie wichtig sind dann die folgenden Dinge für Sie persönlich?» In der Top 3 hat sich nicht allzu viel verändert. Freunde, Beziehungen und immaterielle Werte wie Treue und Ehrlichkeit bilden die Dauerbrenner. Der «aufregende Job» hat 2013 ein Comeback aufs Podest geschafft, wurde im Anschluss aber wieder verdrängt. 

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2018

Bild

Bild: gfs bern

Die Lebensziele

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

Russian fans celebrate a Russia's second goal at a fan zone during the 2018 soccer World Cup match between Russia and Saudi Arabia in St.Petersburg, Russia, Thursday, June 14, 2018. (AP Photo/Dmitri Lovetsky)

So sieht man aus, wenn man sein Lebensziel erreicht hat – Russland-Fans an der Fussballweltmeisterschaft 2018. Bild: AP/AP

Die grössten Sorgen

Während Jahren standen die Themen Ausländer und Zuwanderung an der Spitze der Sorgenrangliste von Schweizer Jungen. 2010, bei der ersten Befragung, machte das Ausländerthema zusammen mit der Arbeitslosigkeit und der Altersvorsorge die Top 3 aus.

Umfrage

So brav waren die Jugend schon lange nicht mehr. Oder?

  • Abstimmen

986

  • Ach was! Die lügen einfach mehr.29%
  • Diesen Eindruck habe ich auch. Und das ist gut.11%
  • Brav? Langweilig!38%
  • Ich will nur die Antwort sehen. 21%

Im Jahr darauf zeigt sich ein unverändertes Bild. 2012 tauschten lediglich Arbeitslosigkeit und Altersvorsorge die Plätze, was auch der Sorgenrangliste des darauffolgenden Jahres entsprach. 2014 tauchten erstmals die Themen Bilaterale Verhandlungen und Flüchtlinge auf – sie teilten sich hinter dem Thema Ausländer und der Altersvorsorge Platz 3. Ein Jahr später hat sich das Thema Flüchtlinge/Asyl fest auf dem dritten Rang etabliert.

2016 dann schlägt sich die Dauerthematisierung des Flüchtlingsherbst 2015 auch bei den Jungen nieder: Das Thema hat sich vor Ausländerfragen geschoben, an dritter Stelle folgt die Altersvorsorge. In der jüngsten Umfrage ist erstmals die Altersvorsorge das drängendste politische Problem für Junge, auf Platz 2 liegt die Zuwanderung, dicht gefolgt vom Thema Flüchtlinge.

Die Titel der Studie

Eigentlich schon eine separate Betrachtung wert: Die Titel, die für die jeweiligen Studien-Ausgaben gewählt werden. Hier die unkommentierte Liste:

«The spider generation is all about crowds not clouds»

2010

«Ein Grillfest mit Freunden in der Natur»

2011

«Anpacken, solange die Work-Life-Balance stimmt»

2012

«Swiss youth are satisfied and see little need for reforms»

2013

«WhatsApp and news apps on the ascendant among digitally-aware youth»

2014

«Eine differenzierte Mischung aus analog und digital»

2015

«Erhöhtes Engagement und Risikobereitschaft in unsicheren Zeiten»

2016

«Solidarität trotz Unsicherheit und Herausforderungen durch Wandel»

2018

Wie informieren sich die Jungen?

Auch hier scheint es lange her: Gratiszeitungen wie «20 Minuten» und «Blick am Abend» waren 2010 die Nummer 1-Informationsquelle der 16 bis 20-Jährigen, gefolgt von TV und Online-Newsseiten. Ein Jahr später zeigt sich das gleiche Bild, wobei Online-Newsseiten deutlich zugelegt haben.

Ausgaben der Gratiszeitungen

Gibt‘s immer noch, bei Jungen aber aus der Gunst gefallen: Gratiszeitungen. Bild: KEYSTONE

2012 ist die Top 3 der wichtigsten Informationsquellen stabil, aber die Newseiten rütteln schon deutlich an der Position des TV. 2013 macht sich dann wieder ein Abwärtstrend bei den Newsseiten bemerkbar. Die Gratiszeitungen halten sich an der Spitze. 2014 tauchen erstmals Newsapps in der Top 3 auf, TV fällt auf Rang 3 zurück.

2015 fallen die Newsapps kurzfristig wieder aus den Top 3, die Gratiszeitungen können sich auf Platz 1 halten. 2018 schliesslich ist das Jahr der Wachablösung: Die Gratiszeitungen fallen auf den dritten Rang, Online-Newsseiten und Newsapps machen die Spitze unter sich aus.

Bild

Bild: Credit Suisse

(wst)

Da wurden sie noch von anderem bewegt: Jugendunruhen der 80er-Jahre

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • specialized 28.08.2018 13:10
    Highlight Highlight Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.
  • foxtrottmikelima 28.08.2018 13:03
    Highlight Highlight "Freunde Treffen" bedeutet bei vielen Jugendlichen soviel wie "Saufen, Drogen und nochmals Saufen". Oder irre ich mich?
    • kettcar #lina4weindoch 28.08.2018 15:16
      Highlight Highlight Bei denen heute nicht mehr. Man sitzt nebeneinander auf einer Parkbank, schaut ins Smartphone und zeigt sich Memes oder Snaps und hört viel zu laut schreckliche Musik aus den Handylautsprechern oder schlimmer noch Bluetooth Boxen. Saufen, Drogen und nochmals Saufen ist ziemlich vorbei, resp. nur noch für einen kleineren Teil relevant. So zumindest meine Beobachtung in der Nachbarschaft.

      Die heutige Jugend... oder wie es Dali sinngemäss sagte: Das grösste Übel der heutigen Jugend ist es, dass man selber nicht mehr dazugehört.
  • leermoond 28.08.2018 10:01
    Highlight Highlight Irgendwie erstaunt mich diese Liste... Vorallem das mit dem Geländewagen. Welcher Jugendliche überlegt sich so "hmmm. Was finde ich out. Ah ja Geländewagen. Und dann noch Drogen und Demos."
    • sheimers 28.08.2018 13:18
      Highlight Highlight Vermutlich handelt es sich um einen Multiplechoice-Fragebogen, bei dem es keine gescheiteren Auswahlmöglichkeiten gab. Anders kann man die seltsamen Resultate nicht erklären. Vermutlich standen auch nicht jedes Jahr die gleichen Optionen zur verfügung. Oder anders gesagt: Den Vergleich kann man in der Pfeiffe rauchen.
  • Triumvir 28.08.2018 08:48
    Highlight Highlight So jung und bereits Spiesser...lol...wie laaaangweilig und spiessig...lol

Widerstand gegen Cannabis-Versuche im Nationalrat: Das musst du jetzt als Kiffer wissen

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