Schweiz
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Eine minderjaehrige Asylsuchende am Tag der offenen Tuer einer Wohngemeinschaft der Gesellschaft Zentrum Baeregg fuer unbegleitete Minderjaehrige Asylsuchende im Kanton Bern, am Freitag, 28. April 2017. In der WG finden unbegleitete Minderjaehrige, die in der Schweiz Asyl beantragt haben, Aufnahme. In der WG wohnen zwoelf Maedchen aus Eritrea, Somalia, Nigeria und dem Kongo. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) geniessen in der Schweiz einen speziellen Schutz.  Bild: KEYSTONE

Kantone schliessen Asylzentren für minderjährige Flüchtlinge – das hat Folgen

Derzeit kommen so wenig Flüchtlingskinder ohne Begleitung in die Schweiz wie seit acht Jahren nicht mehr. Zahlreiche Kantone schliessen deshalb Asylzentren, die speziell auf die Betreuung minderjähriger Asylsuchende ausgelegt sind. Das hat gravierenden Folgen.



2015 kamen 2'736 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in die Schweiz. So viele wie noch nie zuvor. In den letzten drei Jahren ist die Zahl rasant gesunken. 2017 waren es noch 733, dieses Jahr sind es bis Ende September 302.

Viele Kantone reagierten auf die hohe Anzahl minderjähriger Flüchtlinge und stellten 2015 und 2016 separate Betreuungszentren und Angebote zur Verfügung. Einige dieser damals extra eröffneten Zentren wurden unterdessen aufgrund der stagnierenden Flülchtlingszahlen wieder geschlossen – mit gravierenden Folgen für die minderjährigen Flüchtlinge. Das zeigt jetzt ein Bericht der «Allianz für die Rechte der Migrantenkinder». 

UMA in der Schweiz
Infogram

Das Kindeswohl leidet

«Vielerorts verstossen die aktuellen Unterbringungsformen vermehrt gegen das Kindeswohl. So werden die Verpflichtungen aus der von der Schweiz ratifizierten UN-Kinderrechtskonvention verletzt», erklärt Patricia Koch, Leiterin des Fachbereichs MNA beim internationalen Sozialdienst Schweiz (SSI). Viele minderjährige Asylsuchende werden laut Koch aktuell von Zentrum zu Zentrum geschoben, einige gar in Asylzentren für Erwachsene untergebracht. So zum Beispiel in den Kantonen Neuenburg, Schwyz, Solothurn, Thurgau und Nidwalden.

ZUM ASYLZENTRUM JUCH IN ZUERICH-ALTSTETTEN STELLEN WIR IHNEN HEUTE DONNERSTAG, 11. MAI 2017, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---  A playroom with donated toys an book at the asylum centre Juch in Zurich-Altstetten, in the canton of Zurich, Switzerland, on April 8, 2017. There are about 300 asylum seekers at the centre; the people are supervised by the asylum organization Zuerich, AOZ. Since January 2014, the AOZ has been in charge of people in the centre who are in the accelerated test procedure of the State Secretariat for Migration, SEM. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Spielzimmer gespendetem Spielzeug und Buechern im Asylzentrum Juch am 8. April 2017 in Zuerich-Altstetten. Im Zentrum Juch sind rund 300 Aslysuchende untergebracht; die Personen werden von der Asyl Organisation Zuerich, AOZ, betreut. Die AOZ betreut seit Januar 2014 im Zentrum Juch Personen, die sich im beschleunigten Testverfahren des Staatssekretariats fuer Migration, SEM, befinden. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Spielzimmer mit gespendetem Spielzeug und Büchern im Asylzentrum Juch in Zürich-Altstetten.  Bild: KEYSTONE

Die Betreuung und Unterstützung junger Flüchtlinge ist im Gegensatz zu erwachsenen Asylsuchenden viel engmaschiger. «Werden unbegleitete Minderjährige in Erwachsenenstrukturen untergebracht, fehlt oft eine angemessene Betreuung», kritisiert Koch. «Bei allen anderen fremdplatzierten Kindern und Jugendlichen in der Schweiz ist es absolut normal, dass sie in betreuten Kinderheimen wohnen.» Die minderjährigen Asylsuchenden anders zu behandeln, sei diskriminierend, sagt Koch.

Unterbringung in Kinderheimen

Sie fordert eine sofortige Verbesserung der Situation. «Eine Unterbringung von unbegleiteten Minderjährigen in Asylzentren mit Erwachsenen ist wenn immer möglich zu vermeiden. Wenn es dennoch dazu kommt, braucht es dort unbedingt pädagogisch geschultes Personal, das genügend Zeit für die Kinder und Jugendlichen hat.»

Zudem wäre es für Koch wünschenswert, andere Möglichkeiten für die Unterbringung der MNA zu prüfen, wie beispielsweise konventionelle Kinderheime oder Pflegefamilien, anstatt eigene UMA-Zentren zu errichten. «Das würde die Integration der Geflüchteten fördern, weil sie so direkten Kontakt zu der hiesigen Bevölkerung hätten.» 

In der Pflicht des Steuerzahlers

«Dass einige Asylzentren geschlossen werden und dass damit Probleme entstehen, dem sind wir uns bewusst», erklärt Martin Klöti, Präsident der Konferenz der kantonalen Sozialdirektoren (SODK). Für die Kantone sei nicht nur der Anstieg der Zahl der Asylsuchenden eine Herausforderung, sondern auch deren Rückgang. Durch die gesunkenen Asylzahlen seien die Kantone aktuell gezwungen, einige Unterbringungsstätten aufzugeben. «Man kann nicht halbgefüllte Zentren weiterlaufen lassen. Hier stehen die Kantone auch gegenüber dem Steuerzahler in der Pflicht.» 

«Die UN-Kinderrechtskonvention wird aber nicht verletzt», sagt Klöti. Laut dem SODK-Präsident arbeiten einige Kantone daran, individuelle Lösungen für betroffene minderjährige Asylsuchende zu finden. «Es wird im Einzelfall geklärt, ob es Möglichkeiten gibt die Jugendlichen beispielsweise in eine Pflegefamilien unterzubringen.» Falls dies nicht möglich ist, empfiehlt die SODK zudem, die Jugendlichen in für sie vorgesehene und geschützte Bereiche von Erwachsenen abgegrenzt unterzubringen. 

Von der Asylantin zur Geschäftsführerin

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Video: srf/SDA SRF

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38Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papipapo 25.10.2018 15:27
    Highlight Highlight Was bringen UMA-Unterkünfte, wenn die Minderjährigen dann als Beistand denselben Mitarbeiter erhalten, die für die Unterkünfte und Betreuung zuständig sind. Zumindest in dem Kanton, in dem ich Einsicht habe, ist dies so. Stellen werden mit unausgebildeten Freunden der Vorgesetzten besetzt.
    Wo sollen sie sich beschweren, wenn etwas nicht gut läuft? Woher sollen sie wissen, was ihnen zusteht? Wer setzt sich so unabhängig für die UMA's ein? Da soll lediglich kostengünstig verhindert werden, dass Jemand unabhängiges mitbekommt was abgeht.
  • Wilhelm Dingo 25.10.2018 13:37
    Highlight Highlight Wie ist denn die Altersverteilung der UMAs? Wohl kaum solche welche Spielzimmer benötigen. Es bräuchte wohl eher Strukturen für Jugendliche.
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 25.10.2018 15:48
      Highlight Highlight Es sind nicht so viele, aber es gibt die unbegleiteten 5- bis 9-Jährigen. Entweder weil die Eltern nicht genug Geld haben, um selbst mitzukommen, weil sie auf der Flucht gestorben sind oder weil sie sich der irrigen Annahme hingeben, dass das Kind die Familie nachholen kann, wenn es erst mal durch das Verfahren ist. Realität kennt keine Tabus, leider.
  • piedone lo sbirro 25.10.2018 13:12
    Highlight Highlight bevor wir es vergessen
    Benutzer Bild
    • Wilhelm Dingo 25.10.2018 13:38
      Highlight Highlight Wer ist ‚wir‘ ?
    • Dominik Treier 25.10.2018 14:36
      Highlight Highlight Unten rechts auf dem Plakat zu lesen, im gegensatz zur Anti-Menschenrechtsinitiative vom 25. Nov bei der die SVP wohl findet, dass ihr Name eher kontraproduktiv währe... Warum wohl?
  • hoorli 25.10.2018 12:40
    Highlight Highlight Wieso wird hier nicht auch der Verband der kantonalen Migrationsbehörden oder allgemein Migrationsbehörden befragt?
  • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 25.10.2018 11:46
    Highlight Highlight So jetzt Quercheck der üblichen Betreuungsanbieter für Geflüchtete auf kununu. Stimmt - die bauen ab.
    Wenn UMAs tatsächlich in Kinderheimen untergebracht werden sollen, sind auf schwere Traumata (Folter, Vergewaltigung etc.) spezialisierte Fachleute nötig (kulturell ich sage mal sensible Psychiater/-innen, Sozialarbeitende mit Schwerpunkt Trauma + Betreuung). Das ist definitiv teurer als das Tutorsystem, das einige Kantone bevorzugen.
  • Eric Lang 25.10.2018 11:41
    Highlight Highlight Zitat: 2015 kamen 2'736 Flüchtlinge in die Schweiz. So viele wie noch nie zuvor. In den letzten drei Jahren ist die Zahl rasant gesunken. 2017 waren es noch 733, dieses Jahr sind es bis Ende September 302.

    Vielleicht würde man noch richtigerweise schreiben, dass es sich bei der Angabe, nur um die Minderjährigen handelt!
    Gesamt kamen 2015: 39523 2016: 27207 und bis Ende September 2018 total 18088.
    Immer noch im Verhältnis zur Einwohnerzahl, deutlich mehr als unsere Nachbarn aufnehmen.
    • SaraSera 25.10.2018 13:23
      Highlight Highlight @Eric Lang: Haben wir präzisiert. Danke für das Feedback.
    • piedone lo sbirro 25.10.2018 13:50
      Highlight Highlight Eric Lang

      "Immer noch im Verhältnis zur Einwohnerzahl, deutlich mehr als unsere Nachbarn aufnehmen."

      sachkenntnisse waren noch nie ihr steckenpferd.

      Benutzer Bild
    • Dominik Treier 25.10.2018 14:33
      Highlight Highlight ca. 18000 im letzten Jahr in der Schweiz und 186000 in Deutschland, bei 8.4 respektive 82 Mio. Einwohnern. Ich würde sagen Herr Lang, dass wenn wir hier schon auf Zahlen rumreiten wollen, wir doch den Populismus gleich an Ihrem SVP-Stammtisch lassen können... Im Gegensatz zu dem was Sie uns hier weissmachen wollen sehe ich da prozentual keine grossen Unterschiede, ausser das in Deutschland die Wirtschaftsleistung pro Kopf noch kleiner ist als in der Schweiz... Aber Sie und Ihre Freunde reissen eben nur die Fakten aus dem Zusammenhang die ihnen passen...
  • Eric Lang 25.10.2018 11:31
    Highlight Highlight Also irgendwie kann ich ja nicht verstehen, wie MINDERJÄHRIGE ohne Angehörige in die Schweiz kommen!?
    Und was ich noch weniger verstehe ist, dass die Asylsuchenden, dann immer alle ihre Dokumente verloren haben. Aber das Smartphone, haben sie immer noch dabei - garantiert.
    Und auf allen Bildern, sehe ich immer nur junge, gesunde und dunkelhäutige Männer.
    Daher meine Frage, wo sind die Frauen und Mädchen, welche wohl ernsthaft gesehen am meisten Schutz brauchen würden???
    • Dominik Treier 25.10.2018 11:53
      Highlight Highlight Vieleicht sehen sie 1. nur was Sie sehen wollen Herr Lang und vielleicht schaffen es 2. nicht mal ansatzweise alle Schutzbedürftigen bis hierher... Der zweite Zustand wurde von Herrn Blocher bereits eingeleitet mit dem Vortrieb zur Abschaffung des Bortschaftsasyls und neuerdings kommen die teils unmenschlichen praktiken, der Staaten auf Mittelmeer und Landroute, sowie die verhinderungszahlungen der EU an die Türkei hinzu...
    • Hoppla! 25.10.2018 11:54
      Highlight Highlight Da wird etwas viel Polemik gemacht.

      Gesunde: Wie beurteilst du das? Bist du Fernmediziner?

      Dunkelhäutige: > 50% der Asylsuchenden sind nicht "dunkelhäutig", wie du es nennst. Aber was tut das überhaupt zur Sache ob hell oder dunkel?

      Männer: Ja, es gibt in der Altersklasse 15-24 einen Überhang. Aber es sind bei weiten nicht nur Männer. Die restlichen Altersklassen sind +/- ausgeglichen.

      Quelle: https://www.sem.admin.ch/dam/data/sem/publiservice/statistik/asylstatistik/2017/stat-jahr-2017-kommentar-d.pdf
    • Schiri 25.10.2018 11:54
      Highlight Highlight Lieber Herr Lang
      Hören Sie doch bitte auf, den aufgeklärten Mr. Revisor zu geben. Hier geht es um unbegleitete Minderjährige, die nicht Opfer sein sollten davon, dass ein kleinlicher Steurzahler sich mit ein paar markigen Sprüchen in Kommentarspalten profilieren will. Wenn jemand keine Schuld an der Misere in Syrien, Eritrea usw. trägt, dann sind es genau diese Jugendlichen, auch wenn Sie dann und wann schon über 18 sind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Yakari9 25.10.2018 11:17
    Highlight Highlight Vielleicht den ersten Satz nochmals lesen. Wenn dieser Stimmen sollte, hätte die SVP keine Wahlen gewonnen...
    • leu84 25.10.2018 11:35
      Highlight Highlight Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende. Kinder und Jugendliche die ohne Elternteil oder Vormund in die CH gekommen sind.
    • Wunderwuzzi 25.10.2018 11:43
      Highlight Highlight Dann hätte wir quasi Weltfrieden.
    • Dominik Treier 25.10.2018 11:58
      Highlight Highlight Die SVP gewinnt keine Wahlen weil das Asyslwesen, das alleinige, nicht einmal ein grosses Problem in der Schweiz ist und auch nicht weil es nicht mal teurer ist als viele andere völlig sinnlose Posten (siehe Armee), sondern weil es dazu aufgeblasen wird und einen Sündenbock für alle Probleme zu suchen einfacher ist, als sich zu überlegen, dass es auch vetraute Schweizer sein könnten, die einem noch den hinterletzten Rappen aus der Tasche ziehen...
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