Neue Dokumente im Fall Vincenz aufgetaucht – die Sonntagsnews
Die Zürcher Sonderkommission (Soko) hat den Attentäter von Winterthur zwei Tage vor der Tat der Bundeskriminalpolizei gemeldet, Schweizer Spitäler weisen laut einer neuen Studie grosse Qualitätsunterschiede auf und neue Dokumente in der Raiffeisen-Affäre um Pierin Vincenz stellen einen zentralen Vorwurf infrage. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:
Mutmasslicher Winterthur-Attentäter wurde der Polizei gemeldet
Der Attentäter von Winterthur wurde laut dem «SonntagsBlick» zwei Tage vor dem Messerangriff bei der Bundeskriminalpolizei gemeldet. Die Zürcher Sonderkommission Master (Soko) der Kantonspolizei habe den Bund darüber informiert, dass der 31-Jährige wegen wirrer Angaben aufgefallen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden sei. Laut dem Bericht hätten Sicherheitsdirektor Mario Fehr und die Kantonspolizei diesen Umstand an der Medienkonferenz nicht erwähnt. Fest steht hingegen, dass der Mann einen Tag vor dem Angriff aus der Klinik entlassen worden ist. Der Täter sei den Behörden spätestens seit 2015 wegen IS-Propaganda bekannt gewesen und im Umfeld der Winterthurer Islamistenszene aufgefallen. Eingeweihte Kreise hätten gesagt, er habe jahrelang unter Beobachtung der Soko Master gestanden. Offen bleibe, wie intensiv die Überwachung gewesen sei und welche Rolle der Nachrichtendienst des Bundes gespielt habe.
Grosse Unterschiede bei Schweizer Spitälern
Schweizer Spitäler weisen laut einer der «NZZ am Sonntag» vorliegenden Studie grosse Qualitätsunterschiede auf. Die Untersuchung der Berner Fachhochschule zu mehr als hundert Spitälern habe gezeigt, dass die Komplikationsrate etwa bei Hüftimplantaten in den am schlechtesten bewerteten Spitälern bis zu 230 Prozent höher liege als in einem durchschnittlichen Spital. Das Risiko eines Schlaganfalls oder Nierenversagens nach einer Hüftoperation sei dort deutlich erhöht. Patientinnen und Patienten könnten das von den Forschern entwickelte Sternesystem jedoch kaum nutzen, da die untersuchten Spitäler anonym blieben. Die Forschenden erhielten vom Bund nur anonymisierte Daten. Dies geschehe, obwohl der Bund gemäss Krankenversicherungsgesetz Betriebsvergleiche zu Kosten und Qualität veröffentlichen müsse. Der Forschungsleiter Tobias Müller machte in der Zeitung für die mangelnde Transparenz ein jahrelanges Lobbying von Spitalverbänden verantwortlich.
Umstrittene EU-Abgeordnete im Bundeshaus
Die umstrittene EU-Abgeordnete Rima Hassan wird laut «SonntagsBlick» zu einem informellen Austausch im Bundeshaus erwartet. Eingeladen habe sie die parlamentarische Gruppe Schweiz-Palästina um SP-Ständerat Carlo Sommaruga. Hassan setze sich für die palästinensische Sache ein und habe 2025 an einer Gaza-Hilfsflotte teilgenommen, die von Israel gestoppt wurde. In Frankreich sei die Politikerin eine prominente Figur der Bewegung La France insoumise. Kritiker werfen ihr Antisemitismus und die Verharmlosung von Terror vor, was sie zurückweist. In Frankreich liefen mehrere Strafverfahren gegen die studierte Völkerrechtlerin. Sommaruga verteidige die Einladung als legitim und verweise auf Hassans Rolle als EU-Parlamentarierin. Israel und Kanada hätten dem Bericht zufolge gegen Hassan Einreisesperren erlassen. Ob die Schweiz ihren Besuch zulasse, bleibe offen.
Neue Dokumente im Fall Vincenz aufgetaucht
Neue Dokumente stellen laut der «NZZ am Sonntag» einen zentralen Vorwurf im Fall Pierin Vincenz infrage. Chats, E-Mails und Entwürfe für Darlehensverträge würden darauf hindeuten, dass eine Zahlung von 2,9 Millionen Franken des ehemaligen Aduno-Chefs Beat Stocker an Vincenz ein echtes Darlehen und kein verdeckter Erlös aus einer Firmenbeteiligung gewesen sei. Die Dokumente beträfen den Fall Investnet, einen wichtigen Anklagepunkt im Raiffeisen-Verfahren. Das Bezirksgericht Zürich habe 2022 die Darstellung eines Darlehens als Schutzbehauptung gewertet und die Zahlung als Teil eines unrechtmässigen Geschäfts eingestuft. Die nun aufgetauchten Unterlagen seien damals nicht berücksichtigt worden und fehlten in den Gerichtsakten. Der Anwalt von Stocker habe die Dokumente inzwischen als Beweisanträge beim Zürcher Obergericht eingereicht. Dieses werde den Fall im Berufungsverfahren ab August neu beurteilen.
Mehr Misshandlungen von Spitälern gemeldet
Mehrere Spitäler meldeten 2025 laut der «NZZ am Sonntag» steigende Fallzahlen bei Kindesmisshandlungen und Vernachlässigungen. So habe das Berner Inselspital 550 Verdachtsfälle erfasst, rund 100 mehr als im Vorjahr. Das Kinderspital Zentralschweiz in Luzern habe mit 202 Fällen den höchsten Wert der vergangenen neun Jahre registriert. Auch das Universitätsspital Basel und das Kantonsspital Aarau berichteten von einer deutlichen beziehungsweise anhaltenden Zunahme. Fachleute führten die Entwicklung nur teilweise auf eine höhere Sensibilisierung und bessere Erfassung zurück. In einem Monat tritt ein neues Gesetz in Kraft, das gewaltfreie Erziehung ausdrücklich verankert. Die ursprünglich geplante nationale Sensibilisierungskampagne werde jedoch aus Spargründen nicht umgesetzt. «In vielen Bereichen, die der Bundesrat selbst als wichtig erachtet, werden Einsparungen vorgenommen», schrieb das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) auf Anfrage der Zeitung.
EDA will Dschihadisten im Irak besuchen
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) plant laut «SonntagsBlick» Mitte Juni einen Besuch bei einem im Irak inhaftierten Schweizer IS-Kämpfer. Die Schweizer Botschaft in Amman solle dabei die Haftbedingungen des Mannes überprüfen und sich für ein rechtsstaatliches Verfahren einsetzen. Der Schweizer war 2015 nach Syrien ausgereist und 2019 festgenommen worden. Anfang 2026 sei er aus kurdischen Lagern in den Irak verlegt worden. Dort drohe ihm ein Verfahren nach dem irakischen Antiterrorgesetz; im schlimmsten Fall könnte die Todesstrafe verhängt werden. Das Bundesverwaltungsgericht habe das EDA kürzlich verpflichtet, seinen Fall neu zu beurteilen, weil sich die Situation durch die Verlegung grundlegend verändert habe. Gegen diesen Entscheid laufe ein Verfahren vor dem Bundesgericht.
Crans-Montana: Gemeinde wehrt sich gegen Staatsanwaltschaft
Ein Verfahrensdetail könnte laut «Le Matin Dimanche» die Ermittlungen zum Brand von Crans-Montana VS mit 41 Toten und 115 Verletzten belasten. Die Walliser Staatsanwaltschaft habe den Internetanbieter der Gemeinde angewiesen, sämtliche Daten von Crans-Montana ab dem 1. Januar 2015 zu kopieren und aufzubewahren. Der Strafrechtsexperte und ehemalige Zürcher Staatsanwalt David Zollinger sagte der Zeitung, die Staatsanwaltschaft könne einer Gemeinde keine Anweisungen erteilen, um an solche Unterlagen zu gelangen. Stattdessen hätte sie seiner Ansicht nach ein Rechtshilfeverfahren einleiten müssen. Die Gemeinde halte das Vorgehen deshalb für rechtswidrig und wehre sich dagegen. Über den Streit werde nun das Walliser Kantonsgericht entscheiden.
Geheimes Konto der Morettis
Am Freitag werden die Morettis laut «SonntagsZeitung» wegen widersprüchlicher Aussagen über die Vorgänge im Fall des Brandes von Crans-Montan erneut einvernommen. Gegen das Wirtepaar wird neben dem Brand auch wegen möglicher Geldwäscherei ermittelt. Eine anonyme Meldung an die Walliser Staatsanwaltschaft zu einer Revolut-Karte von Jessica Moretti habe den Fall um eine neue Facette erweitert. Im Fokus stehe ein Bericht der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS), wonach zwischen den Betrieben des Ehepaars ein Geflecht gegenseitiger Darlehen und Geldverschiebungen bestanden habe. Ein grosser Teil der Gelder sei auf Privatkonten von Jessica und Jacques Moretti in Frankreich sowie auf Konten bei Revolut und der Credit Suisse weitergeleitet worden. Die Beträge seien nie versteuert worden, und die Morettis hätten gegenüber der Staatsanwaltschaft kein Vermögen in Frankreich deklariert. Zudem seien Firmenkonten laut dem Bericht teilweise für persönliche Steuern und Krankenkassenprämien verwendet worden.
Cassis: Keine Spannungen mit Frankreich
Die Schweiz und Frankreich verfolgen laut Aussenminister Ignazio Cassis beim G7-Gipfel in Evian-les-Bains dieselben Ziele. Die beiden Länder arbeiteten auch in Sicherheitsfragen eng zusammen, sagte Cassis der «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». Ziel sei es, den Gipfel vom 15. bis 17. Juni zu einem Erfolg zu machen und die internationale Bedeutung Genfs hervorzuheben. Spannungen zwischen den Schweizer und französischen Behörden wies der FDP-Bundesrat zurück. Zur Frage der Kosten für mögliche Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit der für den 14. Juni in Genf bewilligten Demonstration äusserte sich Cassis nicht konkret. Es wäre nach seinen Worten kontraproduktiv, bereits heute öffentlich festzulegen, wer für allfällige Kosten aufkommen müsse.
Steuererleichterungen in mehreren Kantonen aufgedeckt
Mehrere Kantone haben laut Recherchen der «NZZ am Sonntag» Unternehmen teils umfangreiche Steuererleichterungen gewährt. Die sogenannten «tax holidays» seien ein etabliertes Instrument der Standortförderung und stünden grundsätzlich auch Schweizer Firmen offen, würden aber meist zur Ansiedlung ausländischer Unternehmen eingesetzt. Aus Unterlagen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gehe hervor, dass unter anderem die Kantone Waadt, Luzern und Basel-Landschaft solchen Firmen Steuervergünstigungen zugesprochen hätten. Wie oft und in welchem Umfang Steuererleichterungen gewährt würden, sei jedoch weitgehend unbekannt. Auch der Bund verfüge über keine entsprechenden Zahlen, teilte das Eidgenössische Finanzdepartement der Zeitung mit. Die betroffenen Kantone hätten allesamt betont, dass die Steuererleichterungen im Einklang mit den Steuergesetzen stünden. Ziel sei die Ansiedlung profitabler Unternehmen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. (dab/sda)
