Schweiz
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Luana: «Und was ist mit mir?»
bild: watson/rafaela roth 

«Er ist unschuldig?» – wie Luanas Traum von der Freiheit vor dem Aargauer Obergericht jäh platzte

Gestern hat das Aargauer Obergericht einen 27-jährigen Albaner vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung, mehrfachen Drohung und mehrfachen Nötigung an seiner 24-jährigen Ehefrau freigesprochen. So fühlt sich Gerechtigkeit aus der Sicht der Ehefrau an. 



Gestern um 14.50 Uhr, im grossen Gerichtssaal der 1. Strafkammer des Aargauer Obergerichts wurde diese Geschichte umgeschrieben.

Bis dahin war sie eine Geschichte mit Happy End. Es war die Geschichte von Luana*, einer 24-jährigen Albanerin, die sich dank unglaublichem Mut und mit Hilfe der Schweizer Justiz aus den Fängen alter Traditionen befreien konnte. Die befreit wurde, von ihrem Ehemann, der sie in den Ferien im Kosovo durch eine Vergewaltigung entjungferte, sie zwang, ihn zu heiraten und in die Schweiz zu holen, sie hier weiter vergewaltigte und mit dem Tod bedrohte. Diese Luana erkämpfte sich ein selbstbestimmtes Leben mit eigenem Job und eigener Wohnung. watson hatte nach einem entsprechenden Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg Luanas Geschichte erzählt

Nun muss die Geschichte umgeschrieben werden. Luanas Ehemann Arsim* ist unschuldig. Gestern Mittwoch um 14.50 Uhr eröffnete der Gerichtspräsident am Aargauer Obergericht die Urteilsverkündung mit einem Freispruch: Glaubwürdigkeit der Klägerin in Frage gestellt, vorinstanzliches Urteil aufgehoben, mehrfache Vergewaltigung, mehrfache Drohung und mehrfache Nötigung lassen sich in dieser Ehe nicht beweisen. Die vier Jahre Freiheitsstrafe und 1800 Franken Busse für Arsim sind gestrichen. Luanas Genugtuung von 10'000 Franken auch.

Jetzt erhält Arsim – arbeitslos, ohne Wohnung, mit abgelaufener B-Aufenthaltsbewilligung – 78'750 Franken Entschädigung für seine 630 Tage in U-Haft. Luana muss die Prozesskosten übernehmen und bleibt Arsims Ehefrau. Die Aussicht auf eine schnelle Scheidung wegen Unzumutbarkeit der Ehe aufgrund schwerwiegender Gründe ist in weite Ferne gerückt.

Intimste Details vor Unbekannten

Arsim umarmt nach der Urteilsverkündung seinen Bekannten vor dem Gerichtssaal. Ihn hat er als Vertrauensperson angemeldet für die unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführte Verhandlung. Was er über den Fall seines Freundes dachte, sagte er in der Pause: «Sie war nicht zufrieden mit ihrem Ehemann, als er nicht sofort einen Job in der Schweiz fand. Jetzt will sie ihn loswerden», sagt er. «Wissen Sie, das ist eine Top-Familie aus der der Arsim stammt.» 

A woman passes by a poster of the rightwing Swiss People's Party (SVP/UDC) which shows hands taking Swiss passeports, in Geneva, Switzerland, Monday, April 28, 2008. The Swiss People's Party launched a proposal aimed at restoring ballots on citizenship applications. The initiative seeks to try to overturn an effective ban by the Federal Court five years ago. A nationwide vote is due to take place on June 1, 2008. Swiss Government rejects the naturalisation initiative. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Aargauer Obergericht in Aarau.
Bild: KEYSTONE

Ebendieser unbekannte Albaner sass in Luanas Rücken, als sie während ihrer Befragung, die Arsim nur per Videoübertragung mitverfolgen konnte, über intimste Details der mutmasslichen Vergewaltigungen Auskunft geben musste. Darüber, wie und von wo Arsim genau in sie eingedrungen ist, wie lange es gedauert hat, wann er sie genau an den Haaren gepackt oder wie er ihre Arme auf dem Rücken festgehalten und ihr den Bademantel hochgezogen hat.

Panikattacke im Gerichtssaal

Luana hatte gemäss des Briefs ihres Anwalts angenommen, dass dieser beantragen würde, dass sie von einer Richterin alleine und ohne Beisein von Arsim befragt werden würde. Jetzt sitzen ihr zwei männliche Richter und eine Richterin gegenüber und in ihrem Rücken hören ein Staatsanwalt, Arsims Verteidiger, ihr Anwalt, ein Anwaltspraktikant und ein unbekannter älterer Albaner-Freund ihres Ehemannes mit. Arsims Familie und er selber haben Luana im Vorfeld Gewalt angedroht, sollte sie die Anzeige nicht zurückziehen. 

Luana schafft es nicht. Sie zittert am ganzen Körper und knetet verzweifelt den Therapieball, den ihr ihre Psychologin gegeben hat. Sie atmet so schwer wie eine lungenkranke alte Frau, schnappt nach Luft, schüttelt sich im Weinkrampf, verliert während einer Panikattacke vollkommen das Gefühl für Zeit und Raum. Die Befragung wird unterbrochen. Ihre Therapeutin darf sich zu ihr begeben. Danach kommen die weniger schwierigen Fragen.

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Luana: «Er ist unschuldig?»
Bild: watson/rafaela roth 

«Sie schauspielert», wird Arsim danach sagen. Ein Dolmetscher übersetzt ihn vom Albanischen ins Deutsche. «Ich weiss nicht, warum sie solche Sachen erzählt. Das ist alles nicht wahr. Wir liebten uns», wird er sagen. Und: «Ich bin nicht wütend auf sie, nur traurig.» 

«Muss denn erst jemand sterben?»

Und das Gericht wird befinden, dass seine Aussagen über die ganze Dauer der Strafuntersuchung und der Prozesse konstant gewesen seien und diejenigen Luanas unstimmig. Dass Luana typische Interaktionen nicht geschildert habe und vor Gericht keine Details zu Protokoll habe geben können. Von den angeblichen Vergewaltigungen vor drei Jahren gab es keine Arztberichte, dafür reichte die Verteidigung Selfies der beiden aus angeblich glücklichen Tagen ein. Eine Facebook-Nachricht, in der Arsim Luana schreibt, dass sie ihn mit ihrem Verhalten ja selber zwinge, sie «mit Zwang zu packen», reichte nicht. 

Jetzt sitzt Luana wie versteinert auf einem Stuhl im Sitzungszimmer der Kanzlei ihres Anwalts. So, als wäre nicht gerade ein Freispruch, sondern ein Todesurteil verkündet worden. Luana ist kreideweiss. Ungläubig starrt sie in die Gesichter der Menschen um sie herum. Vielleicht sagt irgendjemand gleich, dass das alles gar nicht stimmt? Niemand sagt etwas.

Luana wird in den nächsten paar Stunden ebenfalls nicht im Stande sein, einen zusammenhängenden Satz zu sagen oder einen klaren Gedanken zu fassen. «Er ist frei?», fragt sie immer und immer wieder. «Er ist unschuldig?», fragt sie ungläubig. «Wann wird er genau frei gelassen?», fragt sie zusammengesunken und wie auf dem Stuhl festgeklebt. «Morgen? Und was ist dann mit mir?», fragt sie und: «Muss denn erst jemand sterben?»

*Name geändert.

Lies hier die ganze Geschichte von LuanaLuana – Wie sie ihren Vergewaltiger im Kosovo heiraten und in die Schweiz holen musste

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schläfer 15.05.2017 20:10
    Highlight Highlight @ Watson: Wurde dieser Fall eigentlich noch weiter gezogen? Also vor Bundesgericht?
  • dswohlen 07.11.2016 20:55
    Highlight Highlight Einmal mehr beweist dieser Teil des Aargauer Obergerichts, dass für ihn nur nackte Paragraphen zählen und absolut jedes Einfühlungsvermögen abgeht. Shame on you! Hoffentlich wird dieses Urteil weitergezogen.
  • E7#9 14.07.2016 21:38
    Highlight Highlight Dienstverweigerung ist kein Asylgrund (abwarten: bin schon im richtigen Artikel). Trotzdem verlangen es die neuen Umstände, dass Eriteer nicht zurückgeschickt werden (Folter kann aufgrund der Flucht nicht ausgeschlossen werden).

    Auch im Fall von Luana gibt es neue Umstände. Die Anklage konnte zwar nicht bewiesen werden, trotzdem kann ihr die Weiterführung dieser Ehe nach diesem Gerichtsfall doch nicht mehr zugemutet werden. Demütigung und Missbrauch aufgrund dieses Rechtsstreites kann man doch auch hier nicht ausgeschliessen. Oder hinkt dieser Vergleich? Bin kein Rechtsexperte.
  • pepsilon7 30.04.2016 10:05
    Highlight Highlight Unabhängig davon ob das Urteil des Gerichtes nun richtig oder falsch war, ob Armin schuldig oder unschuldig ist, finde ich es bedauernswert, dass Artikel wie dieser entstehen, in denen sich Journalisten das Recht herausnehmen Richter zu spielen.
    Denn Angenommen Armin ist tatsächlich unschuldig, sind es Artikel wie dieser die ihm nun im Nachhinein das Leben schwer machen. Dem Leser wird hier, ohne irgendwelche Fakten aufzuzeigen, suggeriert Armin sei schuldig und Luana ein tragisches Opfer unserer Justiz.
    Solch ein Artikel zeugt schlichtweg von schlechtem und einseitigem Journalismus.
    • alban.posh 30.04.2016 11:08
      Highlight Highlight genau die gedanken hab ich auch gehabt!
    • Thom Mulder 26.05.2017 10:34
      Highlight Highlight Richtig, so sehe ich das auch. Nur weil sie eine Frau ist heisst das nicht dass sie automatisch das Opfer ist. Es gibt genug (bewiesene) Urteile die zeigen wie clever Frauen manchmal Opfer spielen und wie wenig es braucht um das Leben eines Unschuldigen zu zerstören.

      Aber sie könnte natürlich genau so gut Recht haben. Der Artikel wird beidem nicht gerecht. Klar aber ist dass ein dilettantisches Gericht auf Grund von Vermutungen ein Urteil fällt – das gibt einem schon zu denken.
  • Petra03 17.01.2016 19:25
    Highlight Highlight Mir dreht sich der Magen um bei der Vorstellung wie diletantisch juristische Profis bei der Befragung des Opfers vorgehen.
    Aber genau da liegt wohl das Problem: Jura studiert, rechtlich sattelfest, ev sogar vielversprechende Karriere vor sich..
    Aber keine Ahnung von der Psyche des Menschen und schon gar keinen blassen Anhaltspunkt im Umgang dem gesunden Menschenverstand.
    Oder ist da Geld im Spiel? Bestechung? Vertuschung? Sind die Richter selber Teil des Spiels?
    Anders lässt sich kaum erklären, wie es möglich ist ein solches Vorgehen zu wählen.


    Petra Maarsen
    • dswohlen 07.11.2016 20:58
      Highlight Highlight Doch, das ist ein typisches Urteil des Aargauer Gerichts - kalte Roboter-richter ohne das geringste Augenmass, wenn es um Menschliches geht.
  • Martiis 16.01.2016 18:18
    Highlight Highlight Der Skandal ist ja auch nicht, dass keine VERURTEILUNG erfolgte, sondern wie das Verfahren ablief! Gemäss Artikel musste die Befragung unterbrochen werden und das Gericht befand dann, dass sie (vor Gericht) keine Details habe zu Protokoll geben können. Dass Arsims Aussagen stimmig waren ist kein Kunststück, wenn er einfach nur abstreiten und nichts beschreiben musste.
  • pachnota 14.01.2016 22:41
    Highlight Highlight ,,bei allem, was man weiss über die Stellung der Frau im Kosovo, kann man eigentlich nur auf einer Seite sein. In diesem Fall sollte es "eigentlich" heissen...im Zweifelsfall für Luana!
    • Martiis 15.01.2016 00:19
      Highlight Highlight Wobei nach der Nachricht, dass er gezwungen sei, sie mit Zwang zu packen, die Zweifel nicht mehr allzu gross sein dürften!
    • Martiis 16.01.2016 01:19
      Highlight Highlight Hier geht es ja nicht um ein gestohlenes Portemonnaie, sondern darum, dass ein Opfer gezwungen wird im Beisein von 8 Personen intimste Details zu schildern und weil es das nicht schafft als unglaubwürdig dargestellt wird. Wenn ein Verfahren so abläuft, kann man es ja gleich bleiben lassen.
  • koks 14.01.2016 22:29
    Highlight Highlight Im Zweifel für den Angeklagten. So funktionert das in einem Rechtsstaat, und das ist gut so. Sonst wäre einer Willkür-Justiz mit Verurteilungen ohne Beweise Tür und Tor geöffnet.
  • Amanaparts 14.01.2016 17:11
    Highlight Highlight Ich bin doch sehr erstaunt über gewisse Aussagen. Hier mal mein Senf zu diesem Thema.

    1. Der Kosovo hat zwei Seiten: Sehr modern/europäisch aber auch archaisch/orientalisch. Die Gründe dafür sind vielfältig und für uns Schweizer schwer nach­voll­zieh­bar. Wir brauchen nichts schön reden, dürfen aber auch nicht pauschalisieren.

    2. Was den Fall von Luana betrifft, muss ich auf unsere Gerichte vertrauen. Fakt ist: Ja, es ist möglich, dass es stimmt was sie sagt. Es ist aber auch genau so möglich, dass es stimmt was er sagt. Beide Fälle schon zu oft erlebt.

    Cheers,
    Kosovo Schweizer
  • DAMA 14.01.2016 16:38
    Highlight Highlight Das ist so traurig! Arme Luana! Hoffe ihr geschieht nichts.... ganz viel Kraft!!
  • sowhat 14.01.2016 15:25
    Highlight Highlight OMG mir ist schlecht! Ich habe bis vor kurzem jahrelang mit jungen Frauen in solchem und ähnlichem Umfeld zusammen gearbeitet und mehr als eine ist verheiratet aus den Ferien zurückgekommen. Zusammen mir einem Mann, der sich im weiteren Verlauf von ihr hat ernähren lassen. Es ist ein Rückschritt für alle, die sich mit Mühe versuchen frei zu schaffen. Und wenn ein Gericht sicherstellen will, das die Anklägerin keine stringente Aussage macht, dann ist das beschriebene Vorgehen genau richtig, Moll, bravo!
  • FuriousPete 14.01.2016 13:54
    Highlight Highlight Etwas tendenziös der Bericht. Klar tut es mir leid für sie. Aber Aussage gegen Aussage ohne Beweise ist halt echt schwierig. Wahrscheinlich ein Fall, der von Aussen nicht zu beurteilen ist.
  • gecko25 14.01.2016 13:51
    Highlight Highlight ich frage mich echt : ist die Autorin im Besitz von stichhaltigeren beweisen wie das Gericht, um diese einseitige Haltung einzunehmen ? Klar ist es sehr tragisch, wenn die Aussagen der Klägerin stimmen, aber was soll man denn machen ? den rechtstaatlichen Grundsatz, bei Zweifel für den Angeklagten, abschaffen. Gerade jetzt wo wir über eine DSI diskutieren welche leider ziemlich reelle Chancen hat, wäre das meineserachtens noch viel fataler
    • Rafaela Roth 14.01.2016 14:50
      Highlight Highlight Dieser Artikel hat nichts mit der DSI zu tun. Verurteilte Vergewaltiger, die keinen Schweizer Pass haben, werden nach aktueller Gesetzgebung ausgeschafft.

      Ich habe die Begründung des Gerichts dargelegt, zusätzlich aber noch die Perspektive Luanas beschrieben, dank Zugang.

      Luana hatte bereits vorher eine gültige Aufenthaltsbewilligung, Arsim erst dank der Heirat.
    • Pupsi 14.01.2016 14:57
      Highlight Highlight @antoni an unterschätzen aber, wie sich personen in solch einer Situation fühlen müssen, sie leiden untet Todesangst. zudem unterschätzen sie die willkür der polizei in südosteuropa, ich bezweifle dass ihr die grenzpolizei geschweige denn die ortspolizei geholfeb hätte. dort kennt jeder jeden. traurig sowas. ich vermute die dunkelziffer solcher fälle ist sehr hoch.
    • gecko25 14.01.2016 15:17
      Highlight Highlight ich meinte nur, dass es bei einer allfälligen Annahme der DSI essenziell wichtig wäre, nicht an der in dubio per reo praxis zu zweifeln. sonst entgültiges good bye zum rechtstaat
    Weitere Antworten anzeigen
  • Daniel Caduff 14.01.2016 13:45
    Highlight Highlight "In Dubio Pro Reo" ist manchmal eine echte Herausforderung für die eigene Moral. Die Alternative wäre allerdings um ein Vielfaches schlimmer.

    Für diesen Fall hoffe ich, dass der Staatsanwalt das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen wird.
  • BeWi 14.01.2016 13:26
    Highlight Highlight Tönt dramatisch ja. Aber sind nicht genau Gerichte da um dies zu beurteilen? Wissen wir was da war? Unterstellt dieser Artikel nun den Gerichten Korruption? Sind die mit der Albanerfamilie untere einer Decke? Ist da Geld geflossen? Oder wurde halt zweitinstanzlich ein Urteil widerrufen weil ev. Zweifel an der Geschichte aufgekommen sind? Wir wissen es nicht. Generell Frau gut / Mann böse finde ich schon sehr gefährlich... hinzu kommt, dass Männer von den Gerichten eher verurteilt werden als Frauen. Also ich mache da schon auch gewisse Fragezeichen.
  • Schwarzes Schäfli 14.01.2016 13:14
    Highlight Highlight Für Luana tut es mir wirklich leid. Aber ohne beweise jemand in den Knast zuschicken ist auch heavy. Ich frage mich nur, wieso hat der Richter die beiden nicht wenigstens getrennt.
    Und nachdem ich den Film Gone Girl gesehen habe, weiss ich sowieso nicht was ich noch glauben soll.

    • Qui-Gon 14.01.2016 13:25
      Highlight Highlight "... Ebendieser unbekannte Albaner sass in Luanas Rücken, als sie während ihrer Befragung, die Arsim nur per Videoübertragung mitverfolgen konnte."

      Anwesend war "nur" die "Vertrauensperson", die jede Partei dabei haben durfte.
    • ChiefJustice 14.01.2016 13:34
      Highlight Highlight Ein Strafrichter kann keine Ehescheidung oder -ungültigkeit vornehmen. Er urteilt einzig über die dem Beschuldigten von der Anklage vorgeworfenen Sachverhalte und Tatbestände.
  • Ms. Song 14.01.2016 12:14
    Highlight Highlight "Er stammt aus einer top Familie" - dieses Zitat zeigt die albanische Denkweise ziemlich gut auf. Es geht um das Ansehen einer ganzen Familie. Mitglieder werden nicht als Einzelpersonen betrachtet. Diese Denkweise ist für sehr viele Probleme in der albanischen (und kosovarischen) Gesellschaft verantwortlich. Ich empfehlen der Frau das Land möglichst zu verlassen und sich zukünftig von Albanern fern zu halten. Die Familie ihres Mannes wird sich wahrscheinlich für diese Schande an ihr rächen wollen.
    • Lezzelentius 14.01.2016 13:12
      Highlight Highlight Warum soll sie sich von Albanern fernhalten?
    • Ms. Song 14.01.2016 13:19
      Highlight Highlight Weil Albaner oftmals über die Länder hinaus gut vernetzt sind. Sie könnte sich nie sicher sein, ob die Person ihre oder die Familie des Ehemanns verständigt. Natürlich gibt es auch Albaner, die sich gegen diesen Teil der Kultur stemmen. Aber das ist sehr schwierig.
    • TJ Müller 14.01.2016 13:21
      Highlight Highlight Sassenach, es ist interessant, dass sie den Albanern unterstellen, Mitglieder der Familie nicht als Einzelpersonen zu betrachten. Zwei Sätze weiter machen Sie aber genau den gleichen Gedankengang, nur vergrössern Sie die Gruppe auf alle Albaner, und sehen diese wiederum nicht als Einzelpersonen, sondern unterstellen, dass diese Alle so denken. Und wieso sie deswegen die
      Schweiz verlassen soll, verstehe ich auch nicht ganz...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Matthias Studer 14.01.2016 12:03
    Highlight Highlight Ganz schlimm. Ich denke das ist die Hölle auf Erden für diese Frau.
    Dennoch hat das Rechtssystem funktioniert. Die Schuld muss bewiesen werden. In jedem Fall.
    Ich kann mir nicht vorstellen was das für eine Frau bedeutet. Unmittelbar nach der Gewalt in ein Krankenhaus zu gehen oder die Polizei zu bitten, sie abzuholen. Aber es ist die einzige Möglichkeit Beweise zu sichern.
  • Thomas J. aus B. 14.01.2016 11:59
    Highlight Highlight Über das Urteil selber masse ich mir kein Urteil an, da ich keine Details kenne. Aber eine junge Frau, die einiges an Mut brauchte und existentielles einsetzt, derart vorzuführen, geht gar nicht. Aber eben, soziale Kompetenz ist keine Grundvoraussetzung bei Richtern und Juristen.
    Zudem scheint es mir in seinem Fall erheblich einfacher konsequent bei seiner Geschichte zu bleiben, die wichtigsten Eckpunkte wiederholen und hie und da ein einfaches Detail einfügen ist als nicht Traumatisierter einfacher als eine Vergewaltigung stringent immer und immer wiederholen zu müssen.
  • Luenchen 14.01.2016 11:52
    Highlight Highlight ich bin schockiert! Mir fehlen echt die Worte! Was sind das für Richter?????
    • ChiefJustice 14.01.2016 12:11
      Highlight Highlight Hast Du denn eine Ahnung, wie das Urteil begründet wurde? Alles, was Du gelesen hast, ist eine rein deskriptive Beschreibung darüber, welches Bild sich am Gericht geboten hat.
    • ChiefJustice 14.01.2016 12:30
      Highlight Highlight Solche, die wahrscheinlich das Recht korrekt anwenden und aufgrund rechtsstaatlicher Prinzipien nicht einfach aus dem Bauchgefühl heraus einen Schuldspruch ergehen lassen können, obwohl die Beweissituation nicht ausreicht.
    • Luenchen 14.01.2016 12:51
      Highlight Highlight aber für die Erstverurteilung haben die Beweise gereicht? Die können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben.....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 14.01.2016 11:30
    Highlight Highlight Was kann getan werden, damit Frauen in solchen Situationen bessere Karten in der Hand haben? Beweise besser sichern? Gesetze verändern?
    • Asmodeus 14.01.2016 11:39
      Highlight Highlight Beweise sichern setzt voraus, dass sie bei so einem Fall direkt ins Krankenhaus geht und sich untersuchen lässt.
      Jahre später hat man keine Chance mehr etwas zu Beweisen.

      Gesetze verändern "Schuldspruch ohne Beweise" würde den Missbrauch von solchen Beschuldigen extrem begünstigen.
    • Macke 14.01.2016 11:55
      Highlight Highlight Gerichte, AnwältInnen und PolizistInnen werden leider gerade im Bereich der sexuellen Gewalt zu wenig/zu schlecht geschult. Traumatisierungen führen oftmals zu inkongruenten Aussagen, unlogischem Verhalten etc. Es wird oftmals gefordert, dass sich das Opfer wehren soll. Dabei ist bekannt, dass ein grosser Teil der Vergewaltigungsopfer während der Tat in eine Schockstarre fallen. Ich möchte nur nicht anmassen, in diesem Fall zu urteilen. Aber es bestehen generell sehr grosse Defizite im Bereich Personalschulung, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Und das muss dringendst geändert werden.
    • saderthansad 14.01.2016 12:03
      Highlight Highlight Danke Macke! Ganz Deiner Meinung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • saukaibli 14.01.2016 11:29
    Highlight Highlight Genau solche Urteile sind dafür verantwortlich, dass die völlig bescheuerte DSI wahrscheinlich noch angenommen wird. Ein Schelm wer den Richtern Absicht unterstellt.
    • Rafaela Roth 14.01.2016 11:33
      Highlight Highlight das wäre wirklich SEHR schelmisch...
    • poga 14.01.2016 11:48
      Highlight Highlight Mal abgesehen davon, dass der Rechtstaat auch immer mehr angegriffen wird. Lösungen sind keine in Sicht. Ich habe jedenfalls leider noch keine gesehen oder selber eine bereit. Hier geht wohl nichts über das Augenmass des Richters. Nur dieser ist dem Gesetz verpflichtet und nichtbdem Bauchgefühl. Ich hoffe, das es eine Frauenorganisation gibt, die diese bemitleidenswerte Frau da raus holt.
    • Sillum 14.01.2016 12:14
      Highlight Highlight Dein Name ist offensichtlich Programm! Also selbst solche Burschen willst du hier in der Schweiz behalten? Ist ja tatsächlich wie du es selber schreibst: Völlig bescheuert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • lily.mcbean 14.01.2016 11:12
    Highlight Highlight Dieses Urteil ist ja ein Schlag ins Gesicht! Schon der erste Artikel über Luana hat mich sehr mitgenommen, aber dieses Urteil ist doch schwachsinn! Wenigstens die Ehe hätte man annulieren können um himmels willen! Diese arme Frau ist jezt diesem Monster völlig ausgeliefert. Ich weiss ja das man eine Zwangsheirat nicht einfach so beweisen kann aber man muss auch in betracht ziehen das diese Mädchen zt. extrem von der Familie unter druck gesetzt werden und das ihnen ausserdem gar nicht bewusst ist das sie frei wählen könnten wenn sie wollten. In dubio pro reo ist in diesem Fall echt gefährlich!!
    • lily.mcbean 14.01.2016 11:30
      Highlight Highlight Raffaela, wirst du uns über Luana auf dem laufenden halten? Imsofern es dir möglich ist natürlich!
    • Rafaela Roth 14.01.2016 11:33
      Highlight Highlight natürlich!
    • lily.mcbean 14.01.2016 11:40
      Highlight Highlight tausend dank, auch für den rührenden Artikel, ich hab echt mitgelitten
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jay_Jay 14.01.2016 10:59
    Highlight Highlight Ich weiss nicht wie man beweisen soll, dass man zwangsverheiratet wurde?!?
    Ich weiß nicht was stimmt, doch das Vorgehen des Gerichts während der Befragung von Luana geht ja wohl gar nicht, ich denke man soll hier auch das -ich sag das jetzt extra so- 'angebliche' Opfer schützen.
    Über solch intime Details vor Richtern auszusagen wissend, dass ein Mann im Raum ist, der einem zuvor gedroht hat.... Nicht wirklich eine Glanzleistung....
    • manhunt 14.01.2016 11:36
      Highlight Highlight in der schweiz steht der täterschutz leider immer noch über dem opferschutz...
      auch wenn in diesem fall die beweislage für eine verurteilung nicht ausreichend war, ist der entscheid des gerichts doch sehr fragwürdig. mich würde die schriftliche urteilsbegründung auf jeden fall sehr interessieren. warum wurde das vorinstanzliche urteil umgestossen? wurde der "vertraute" des angeklagten seriös überprüft? wie konnte das gericht diese äusserst fragwürdige situation während der befragung der zeugin zulassen?
    • ChiefJustice 14.01.2016 12:28
      Highlight Highlight Beschuldigter war nicht im Raum. Siehe Artikel.
      Auf Antrag eines Opfers körperlicher Gewalt oder von Eingriffen in die sexuelle Integrität wird auf Antrag desselbigen i.d.R. bewilligt, dass Ausschluss Öffentlichkeit sowie keine Konfrontation mit Beschuldigtem. Daher Übertragung der Befragung des Opfers per Video in anderen Raum für Beschuldigten.
  • L Gandi 14.01.2016 10:57
    Highlight Highlight Wie bitte soll eine Frau eine Vergewaltigung, welche Jahre zurück liegt, zweifelsfrei belegen? Das ist doch ein kaum überwindbares Grundproblem von allen Fällen in denen es um sexuelle Gewalt geht. Die Frau hat die Beweislast zu tragen. Und das in einem Thema in welchem intimste und entwürdigende Details vor fremden Leuten mehrfach breitgeschlagen werden müssen. So wie hier geschildert, ist unser Justizsystem entwürdigend.
    Luana wird bei ihren Verwandten in ihrem Herkunftsland jetzt wohl nicht nur mit dem Stigma des Missbrauchs, sondern auch mit dem einer "Lügnerin" weiterleben müssen.
    • Ms. Song 14.01.2016 12:36
      Highlight Highlight Unser Rechtssystem ist darauf aufgebaut, dass man einem Angeklagten seine Taten beweisen muss. Wie will ein Angeklagter beweisen, dass er eine Vergewaltigung nicht begangen hat? Leider werden solche Anschuldigungen immer wieder missbräuchlich vorgebracht. Das Thema ist sehr schwierig.
    • Donald 14.01.2016 12:55
      Highlight Highlight @L Gandi
      Natürlich muss die Schuld bewiesen werden!
      Was willst du? Dass Bestrafte mit Sicherheit schuldig sind oder möglichst viele Bestraft werden, auch wenn sie vielleicht nicht schuldig sind?
  • loree_n 14.01.2016 10:55
    Highlight Highlight

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    man muss ja nichts über dramatisieren.
    finde es trotzdem wichtig, das bewusst sein zu erweitern.
  • C0BR4.cH 14.01.2016 10:34
    Highlight Highlight In dubio pro reo. Leider wohl aus Beweismangel wie scheint.

    Jedoch ist es mehr als nur fahrlässig vom Gericht, die Frau weiterhin in dieser unzumutabren Ehe zu lassen und somit ihrem Ehemann auszusetzen.

    Wär es eine glückliche Ehe und es hätte keinen Zwischenfall gegeben, hätte die Frau sooo viel auf sich genommen? Nur um die Ehe zu beenden? Wohl kaum, da steckt klar mehr dahinter...

    Ich hoffe sie findet die Kraft und Hilfe, diese Situation gut zu überstehen.
    • Asmodeus 14.01.2016 10:37
      Highlight Highlight Ich hoffe sie findet die Kraft den Fall ans Bundesgericht weiter zu ziehen und irgendwann über das Erlebte hinweg zu kommen.
      Vorausgesetzt es stimmt. (Ich unterstelle ihr nicht zu lügen, wir können es nur nicht selber wissen ohne alle Details zu kennen. Genau dafür gibt es ja Gerichte)
    • Marmot 14.01.2016 10:54
      Highlight Highlight Nur leider ist das Bundesgericht an die Sachverhaltsfeststellung des Obergerichts gebunden, womit es wegen der Vergewaltigung wohl nichts tun kann.
    • Asmodeus 14.01.2016 11:15
      Highlight Highlight Ernsthaft? Aber wie kann dann das Bundesgericht teilweise Entscheidigungen des Obergerichts komplett revidieren, respektive Fälle zurück ans Obergericht schicken?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Karl33 14.01.2016 10:31
    Highlight Highlight Rafaela Roth, fürs Richten haben wir die Gerichte. Happy End und Tragödie - das finden wir bei jedem Gerichtsprozess.
    Hätten wir diesen Bericht auch lesen dürfen, wenn der Mann verurteilt worden wäre, weil dann aus Ihrer Sicht der 'Richtige' verurteilt worden wäre?
  • trio 14.01.2016 10:31
    Highlight Highlight Unglaublich, auch wenn ich die Details natürlich nicht kenne. Am schlimmsten finde ich aber fast, dass die Heirat nicht aufgelöst wurde. Immerhin beschuldigt Luna ihren Nochehemann der Zwangsheirat und Vergewaltigung. So was muss doch nicht bewiesen werden (die Zwangsheirat) und ein weiteres miteinander leben ist faktisch unmöglich, oder sehe ich das falsch. Jedenfalls wünsche ich Luna ganz viel Stärke und hoffe Sie wird das Urteil anfechten!
    • Lezzelentius 14.01.2016 10:36
      Highlight Highlight Ich stelle mich auf keine Seite der im Artikel genannten Parteien und sage es im Allgemeinen, aber eine Beschuldigung muss immer bewiesen werden können.
    • Asmodeus 14.01.2016 10:38
      Highlight Highlight Die Zwangsheirat muss schon bewiesen werden. Aus rechtlicher Hinsicht.
      Dass aber eine Ehe nicht mehr zumutbar ist, wenn die Frau ihren Mann vor Gericht zerrt, das dürfte auch dem Obergericht klar sein.
    • trio 14.01.2016 10:50
      Highlight Highlight Ja schon klar muss das bewiesen werden, ich meinte ja nur eigentlich sollte das nicht nötig sein. So als meine Meinung....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schlagerpeter 14.01.2016 10:29
    Highlight Highlight Super.......,danke schweizer Richter.......!! Wieder Mal eine Glanztat........(Ironie Ende)
    • Duweisches 14.01.2016 13:18
      Highlight Highlight Was sollen sie denn machen? Sie KÖNNEN nichts tun, ansonsten wäre dem Partner wiederum unrecht getan, da es sich tatsächlich um eine Lüge handeln könnte.
      Die Schuld ist nicht bei den Richtern zu suchen, sondern bei den Gesetzgebern, also auch bei uns...
    • duidui 17.05.2017 14:20
      Highlight Highlight So wirft man eine ganz offensichtlich psychisch ruinierte Frau die unter Panik und elenden Ängsten leidet dem Löwen, der Sie höchstwahrscheinlich so zugerichtet hat, zum Frass vor. Denn wir können ja nichts tun... entmutigend.

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