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Tobias K. hat am Arosa-Steig im Zürcher Seefeld-Quartier einen ihm völlig unbekannten Mann erstochen.

«Durchtrieben, skrupellos, teuflisch» – Staatsanwalt will den Seefeld-Mörder verwahren

In Zürich stehen der Seefeld-Mörder Tobias K. und sein litauischer Verbündeter vor Gericht. Der Staatsanwalt spricht in seinem Plädoyer von einem teuflischen Plan. Für Tobias K. ist seine Tat aus heutiger Sicht «nur schwer nachvollziehbar».



Der Hauptgerichtssaal des Bezirksgebäudes Zürich ist an diesem Morgen bis auf den letzten Platz besetzt. Nebst den Medienschaffenden hat sich eine grosse Zahl Angehöriger und Interessierter eingefunden. Es werden mehr Stühle herbeigeschafft. Die hinteren Türen werden geschlossen, dann öffnen sich die vorderen.

Ein eher kleiner, gut gebauter, kurzhaariger Mann tritt ein. Blauer Anzug, darunter hellblaues Hemd. Das Gesicht glattrasiert, konzentrierte Miene. Fussfesseln. Es ist Tobias K., 27 Jahre alt, angeklagt wegen Mordes. Er wird begleitet von zwei Sicherheitsmännern, die ihn zu seinem Platz bringen und sich neben ihn hinsetzen.

Ein zweiter Mann betritt den Raum. Der Litauer, I.M., ebenfalls angeklagt wegen Mordes. Er erscheint in einem schwarzen Faserpelz-Pullover, schwarzen Jeans und Nike-Turnschuhen. Auch er trägt Fussfesseln. Den Mitangeklagten Tobias K. würdigt er keines Blickes. Haben sich die zwei Freunde zerstritten?

Kennengelernt haben sie sich im Gefängnis Pöschwies. Beide mussten eine mehrjährige Haftstrafe absitzen. Während dieser Zeit habe der Litauer I.M. seinem Mitinsassen Tobias K. ein Konstrukt an Lügen und Halbwahrheiten erzählt und ihn so überzeugt, dass sie beide möglichst bald aus der Haft kommen müssen, um gegen die Unternehmer-Familie Schmidheiny vorgehen zu können. Denn I.M. war überzeugt, dass die Schmidheinys in kriminelle Machenschaften verstrickt sind. So schreibt es der Staatsanwalt in seiner Anklage.

Medien vor dem Bezirksgericht Zuerich vor der Urteilseroeffnung gegen Carlos/Brian in Zuerich am Mittwoch, 6. November 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Schauplatz des Prozesses: Das Bezirksgericht in Zürich (Archivbild). Bild: KEYSTONE

Was dann geschah, ist bekannt. Der Staatsanwalt beschreibt es in seinem Plädoyer als «besonderen Fall, den er so noch nie erlebt habe.» Während seines Hafturlaubs schrieb Tobias K. einen Erpresserbrief an den Kanton Zürich, in dem er die Freilassung seines litauischen Freundes verlangte. Sollte der Kanton seiner Forderung nicht Folge leisten, werde er einen Menschen umbringen, drohte er.

Als der Kanton nicht auf seinen Brief reagierte, kaufte Tobias K. ein Messer und erstach damit am 29. Juni 2016 im Zürcher Seefeldquartier einen ihm völlig unbekannten 41-Jährigen Mann. Der Fall sorge landesweit als «Seefeldmord» für Schlagzeilen.

«Warum töten Sie einen Ihnen völlig unbekannten, unschuldigen Mann?», fragt der Gerichtspräsident zu Beginn des Prozesses. Tobias K., stehend, mit hängendem Kopf, antwortet mit tiefer Stimme und kaum hörbar: «Das ist heute auch für mich nur schwer nachvollziehbar.»

«Durchtrieben und skrupellos» seien die Angeklagten vorgegangen, sagt der Staatsanwalt am Mittwochmorgen im Gerichtssaal. Das Vorgehen sei in höchstem Masse absurd und die Tat unbegreiflich. «Das war ein teuflischer Plan.» Er fordert für beide Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe und die ordentliche Verwahrung. Der Prozess wird am Mittwochnachmittag und am Donnerstag fortgesetzt.

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