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US-Luftwaffenchef wirbt in der Schweiz für F-35

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General Charles Brown und sein Schweizer Amtskollege «Pablo» Merz am Dienstag in Payerne.Bild: keystone

«Wir werden die Kosten weiter senken»: US-General wirbt für F-35

Charles Brown, Kommandant der US-Luftwaffe, war auf Besuch in der Schweiz. Es ging vor allem um den Kauf des Kampfjets F-35, dem der Ukraine-Krieg gerade Rückenwind verleiht.
15.03.2022, 18:13
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Der Aufenthalt war schon länger geplant. Nun verlieh der Ukraine-Krieg dem dreitägigen «Arbeitsbesuch» von General Charles Q. Brown jr., Kommandant der US-Luftwaffe, in der Schweiz eine unerwartete und unerwünschte Aktualität. Den Abschluss bildete am Dienstag eine Medienkonferenz auf dem Militärflugplatz Payerne (VD).

Eigentlich ging es um «die guten Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz» sowie «die Erfahrungen der USA mit dem Kampfjet F-35A», wie es in der Einladung hiess. Fragen zur Ukraine sollten dem ersten afroamerikanischen US-Luftwaffenchef, der in den USA als Topfavorit für die Nachfolge von Generalstabschef Mark Milley gilt, nicht gestellt werden.

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Merz und Brown besichtigen einen F/A-18-Flugsimulator.Bild: keystone

Ganz entziehen konnte sich der 60-jährige Viersterne-General, der im Piloten-Overall und mit «Gefolge» samt Bodyguards in Payerne erschien, dann doch nicht. «Die jüngsten Ereignisse zeigen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit», erklärte Brown. Das betrifft für ihn auch die neutrale Schweiz: «Wir begrüssen den Entscheid für den F-35.»

Rote Köpfe in den USA

Das Geschäft ist umstritten, seit der Bundesrat es im letzten Juni verkündet hat. Er will 36 Flugzeuge vom Typ F-35 beschaffen, als Ersatz für die F/A-18. Der Tarnkappenjet ist das wohl modernste Kampfflugzeug der Welt, ein «Ferrari der Lüfte» und «fliegender Computer», der für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden kann.

Der US-Kampfjet sorgt jedoch für Kontroversen. Die Kostenexplosion bei der Entwicklung und Beschaffung sorgt im Herstellerland für rote Köpfe, obwohl bereits rund 2500 Maschinen ausgeliefert wurden. Derzeit sammeln SP, Grüne und die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) Unterschriften für eine Volksinitiative, um den F-35-Kauf zu verhindern.

«14 Länder nutzen den F-35»

Der russische Angriff auf die Ukraine macht ihnen nun einen Strich durch die Rechnung, unabhängig vom – staatspolitisch fragwürdigen – Appell von Verteidigungsministerin Viola Amherd, die Initiative zurückzuziehen. Jedenfalls hat der F-35 gerade sehr viel Rückenwind. Am Montag entschied sich auch die deutsche Regierung für den Mehrzweck-Kampfjet.

In this image provided by the U.S. Air Force, a U.S. Air Force F-35 Lightning II aircraft assigned to the 34th Fighter Squadron, departs from a KC-10 Extender aircraft after receiving fuel over Poland ...
Der F-35 ist umstritten, doch nun wollen ihn auch die Deutschen beschaffen.Bild: keystone

«Bereits 14 Länder nutzen den F-35», betonte Brown. Bei der Stückzahl in der US Air Force sei er die Nummer zwei hinter dem F-16, dem «Arbeitspferd» vieler Luftstreitkräfte. Mit dem Konflikt im Osten habe man zusätzliche Maschinen in Europa stationiert. «Der F-35 ist ein Grundpfeiler unserer Luftwaffe, er soll für einige Jahrzehnte im Einsatz bleiben.»

«Die Schweiz hat die Kontrolle»

Kritische Fragen parierte der Luftwaffenchef routiniert. Braucht die Schweiz einen Ferrari? «Der F-35 verfügt über grossartige Fähigkeiten.» Ist er nicht zu teuer? «Wir werden die Kosten weiter senken.» Was ist mit dem befürchteten Datentransfer in die USA? «Die Schweiz hat die Kontrolle, sie kann entscheiden, welche Daten sie teilen will.»

Schliesslich gab es noch ein paar Nettigkeiten für Gastgeber Peter «Pablo» Merz, den Kommandanten der Schweizer Luftwaffe: «Eine grosse Air Force wie unsere kann auch von den Kleinen lernen», sagte Charles Brown zum Abschluss des kurzen Medienauftritts. Weitere Ausführungen zum Krieg und zum Kampfjet überliess er Divisionär Merz.

Russland ohne Lufthoheit

«Die aktuelle Lage hat uns brutal und schockartig vor Augen geführt, dass ein Krieg mit konventionellen Mitteln in Europa stattfinden kann», erläuterte der Schweizer Luftwaffenchef. Er bestätigte, dass Russland die Lufthoheit über der Ukraine nicht erobern konnte: «Die ukrainische Luftwaffe ist reduziert, aber immer noch in der Luft.»

Es wäre ein weiteres Indiz, dass die vermeintlich kampfstarke russische Armee längst nicht so gut aufgestellt ist wie gedacht. Ins Detail wollte Merz nicht gehen. Vielmehr sieht er im Ukraine-Krieg einen weiteren Beleg für die Richtigkeit des Kampfjet-Kaufs: «Deutschland ist das zehnte Land in Europa, das sich für den F-35 entschieden hat.»

«Die Zeit läuft uns davon»

Peter Merz verbarg seine Sorgen wegen der Volksinitiative nicht, denn im März 2023 läuft die Offerte von Hersteller Lockheed Martin aus. Nur wenn die Initiative rasch eingereicht und im Eiltempo durchs Parlament geschleust wird, kann rechtzeitig abgestimmt werden. «Die Zeit läuft uns davon», fürchtet Merz, denn bis 2030 müssten die F/A-18 ersetzt werden.

Riskieren wollen die Armee und das Verteidigungsdepartement VBS jedenfalls nichts. Die PR-Show für den F-35 geht nach dem Besuch von General Charles Brown schon nächste Woche weiter. Dann landet der Tarnkappenjet auf dem Flugplatz Emmen (LU).

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So sieht der F-35A aus
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So sieht der F-35A aus
Der Entscheid ist gefallen: Der Bundesrat will den F-35A von Lockheed Martin.
quelle: keystone / peter klaunzer
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85 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dmark
15.03.2022 19:19registriert Juli 2016
Kleiner Tipp - schliesst euch mit Deutschland zusammen und macht 'ne Sammelbestellung. Da fällt evtl. noch etwas Rabatt heraus. ;-)
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sigma2
15.03.2022 20:49registriert Dezember 2015
Ich war eigentlich gegen die Kampfjets, aber nun gibt es von mir ein JA. Wir müssen in Europa zuammenstehen um Putin die Stirn zu bieten. Das kostet halt etwas, aber ich bin lieber arm und dafür frei.
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fax
15.03.2022 21:55registriert Juni 2014
Kürzlich hat einer gesagt, dass wir, wenn wir die Kampfflieger brauchen, nicht mehr Neutral sondern Partei sein werden. Die F35 lässt sich mit der Nato vernetzen und ist darum die Beste Wahl!
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