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Auf dem Weg zur sozialistischen Revolution? Klimademo in Zürich.
Auf dem Weg zur sozialistischen Revolution? Klimademo in Zürich.
Bild: KEYSTONE
Kommentar

Nein, wegen einer einzigen Parole ist die Klimabewegung noch lange nicht sozialistisch

An der Klimademonstration in Zürich wurde ein Transparent mit einer sozialistischen Botschaft gesichtet und eine Scheibe verschmiert: Für gewisse Bürgerliche offenbar untrüglicher Beweis für den bevorstehenden politischen Umsturz.
08.04.2019, 14:0408.04.2019, 16:12

Nachdem am Samstag einmal mehr über 50'000 Personen auf der Strasse demonstrierten, sehen sich Kritiker bestätigt: Die Klimaproteste sind unterwandert von linksextremistischen Kräften. Aufgeschreckt wurden sie durch ein Transparent mit einer unmissverständlichen Botschaft:

Transparent der Bewegung für Sozialismus BfS.
Transparent der Bewegung für Sozialismus BfS.
Bild: twitter / sozialismus.ch

«Bürgerliche Kritiker sind alarmiert», titelte die «Aargauer Zeitung» am Montag dazu und auch watson machte mit im ängstlichen bürgerlichen Schlottern, ganz so, als ob der politische Umsturz und nicht der ökologische Absturz am Horizont lauerte.

Dass Mitglieder der BfS auch noch eine Scheibe der UBS an der Bahnhofstrasse mit roter Farbe beschmierten, brachte das Fass für Klimahysterie-Hysteriker Roger Köppel zum Überlaufen: Köppel, der seit Wochen Häme über Greta Thunberg ausschüttet und gegen die Klimaproteste ätzt, sieht den Klimawandel missbraucht durch die «dunkelroten Ökosozialisten» und verspricht, «mit aller Kraft» gegen diesen «Wahnsinn» anzukämpfen.

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Dass eine Scheibe verschmiert wurde, ist natürlich ärgerlich, aber ins Verhältnis zu setzen. An jedem Fussballmatch finden mehr Sachbeschädigungen statt und jede SVP-Parteiversammlung hinterlässt mehr zerbrochenes Geschirr. Ansonsten blieb es am Samstagnachmittag weitgehend friedlich, sieht man einmal von dem Porschefahrer ab, der beinahe ein Kind überfahren hat. Es ist zu bezweifeln, dass es sich dabei um einen «dunkelroten Ökosozialisten» handelte.

Die BfS legte mit ihrer Aktion aber den Finger auf einen wunden Punkt: Die Verantwortung der Finanzhäuser beim Klimawandel wurde bisher kaum thematisiert. Dabei kam vor kurzem eine Studie des Bundes zum Schluss, dass der Schweizer Finanzplatz einer der Haupttreiber der globalen Erderwärmung ist. Mittlerweile dämmert es selbst Bürgerlichen: Es ist höchste Zeit für einen Kurswechsel, weg von klimaschädlichen Investitionen hin zu nachhaltigen Anlagen.

Und ja, die Klimabewegung ist breit gefächert: Vom anarchistischen Studenten über bürgerliche Politiker hin zu apolitischen Klimasenioren. Dass Gegensätze Reibungen erzeugen, weiss, wer im Physikunterricht aufgepasst hat. Solange diese aber intern ausdiskutiert werden und solange Gruppierungen wie BfS nicht versuchen, das Steuer in die Hand zu reissen, ist es verfrüht, das Gespenst des Sozialismus an die Wand zu malen. Im Gegensatz zu anderen von links veranstalteten Demonstrationen sind an der Klimademo überdies auffallend wenig Trittbrettfahrer zu sehen.

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Ohnehin ist die Aufregung um das Plakat übertrieben: Die Parole «System Change statt Climate Change» konnte man bislang an jeder Klimademo lesen. Und auch wenn ein paar alte Kalte Krieger beim Wort «Systemwandel» an Gulag und Kolchosen denken: Die Forderungen der Klimajugend führen längst nicht direkt in eine Alpen-UdSSR.

Und wenn man sich die Bilanz der bisherigen Legislatur in Bern vor Augen hält, muss man konstatieren: Zumindest ein Struktur- und Kulturwandel in der Klimafrage ist längst überfällig.

Bei den roten Handabdrücken am UBS-Fenster handelt es sich um abwaschbare Fingerfarbe, wie BfS-Sprecher Philipp Gebhardt gegenüber watson sagte.

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