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Lasst die Kinder in Ruhe und streitet woanders über Corona-Massnahmen

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Kinder handhaben die Corona-Massnahmen um Längen lockerer als die Erwachsenen.Bild: shutterstock
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Lasst die Kinder in Ruhe und streitet woanders über Covid-Politik

In der Schule sollten Kinder lernen. Es ist nicht der Ort für Grabenkämpfe um Corona-Massnahmen.
27.09.2021, 15:5528.09.2021, 09:18
Vanessa Hann
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Der Radau um die Schutzmassnahmen von Schulkindern hat ein neues Niveau erreicht. So ruft der frisch gegründete Verein «Lehrernetzwerk» im Kanton Aargau neuerdings dazu auf, dass Eltern juristisch gegen Schulen vorgehen sollen, wenn diese den Kindern Maskenpflicht oder Quarantäne anordnen. Vereinsgründer ist der Sekundarlehrer und SVP-Politiker Jérôme Schwyzer.

Dieses Beispiel steht sinnbildlich dafür, welche Kämpfe über den Köpfen der Kinder gerade ausgetragen werden. Dass die Jüngsten verstehen, um was sich das ganze Drama eigentlich dreht, ist kaum anzunehmen. Selbst für Erwachsene, die Laien sind, ist das komplexe Pandemiegeschehen schwer verständlich.

Fakt ist: Welche Gefahren für Kinder vom Coronavirus ausgehen, weiss man nicht abschliessend. So ist Long Covid bislang ein blinder Fleck. Jedoch sind die Kinder nicht Treiber der Pandemie. Darüber besteht immer mehr Einigkeit. Ebenso über die Tatsache, dass lange Quarantänen und Schulschliessungen für Kinder extrem belastend sind.

Nicht Schulen müssen Problem lösen

Bei der Frage nach den «angemessenen» Schutzmassnahmen beginnt dann das Chaos. Momentan entscheiden die Kantone über die Regeln. Allerdings passiert das nicht überall gleich oder einheitlich, weshalb viele Schulen vor sich hin wursteln. Die Folge: Es entsteht ein Flickenteppich. Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern toben. Sie fordern, was in ihren Augen für die Kinder am besten ist. Die Wahrheit kennen beide Seiten nicht.

Das dürfte noch eine Weile so bleiben, denn genau in diesem Punkt sind sich wichtige medizinische Gremien uneinig. Während der Ärzteverband und Pädiatrie Schweiz für ein Minimum an Massnahmen plädieren, spricht sich die Taskforce weiterhin für Maskenpflicht, repetitives Testen und der Einsatz von CO2-Sensoren aus. Dieser Umstand unterstreicht allerdings nur, dass Forschungsergebnisse erst dann als gesichert gelten, wenn sie umfassend diskutiert und überprüft worden sind.

Bis die Wissenschaft genügend belastbare Ergebnisse präsentieren kann, sollte der Grabenkampf vom Schulhaus in die Regierung umgesiedelt werden. Die offenen Fragen werden nicht mit Beschwerden gegen Schulverwaltungen beantwortet. Es ist wichtig, dass die Regierungen jetzt Verantwortung übernehmen. Denn leidtragend sind momentan die Kinder, die in der Schule eigentlich einen geschützten, neutralen Raum antreffen sollten – um zu lernen und um Kinder sein zu können.

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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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jjjj
27.09.2021 16:18registriert Dezember 2015
Covid in der Familie. Wie weiter?

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Contact tracing: Fragen sie Schule.

Ernsthaft? nach bald zwei Jahren Pandemie?
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Bikemate
27.09.2021 16:11registriert Mai 2021
Arme Kinder, die bei so einem Lehrer in die Schule gehen müssen.
Er als Lehrer sollte doch am besten wissen, dass dieses Theater nicht zum Vorteil seiner Schüler sein kann. Somit hat er in meinen Augen nicht nur politisch, sondern auch als Lehrer total versagt.
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flowdawg
27.09.2021 16:12registriert September 2016
Richtig, das sollten wir nicht auf dem Rücken der Kinder austragen. Die Regierungen (notfalls der Bund) sollten längstens eine Lösung haben. Dass wir nach 18 Monaten Pandemie noch keine einheitliche Strategie haben ist eine Peinlichkeit. "Jede Schule soll selbst schauen" ist keine Strategie.
Mein Instinkt ist "lieber ein bisschen zu viel Massnahmen als zuwenige". Wenn aber die Regierungen hinstehen und sagen "wir haben uns entschieden, die Kinder nicht zu schützen" könnte ich das akzeptieren sofern sie auch die Verantwortung dafür übernehmen.
Tun sie aber nicht; sie eiern lieber weiter rum.
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