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In Schottland kostet ein Deziliter Alkohol seit dem ersten Mai mindestens 60 Rappen.  bild: keystone, bearbeitung: watson

«Ein Bier für nur 45 Rappen ist gefährlich» – braucht es einen Mindestpreis für Alkohol?

Seit dem 1. Mai gibt es in Schottland einen Mindestpreis für Alkohol. Das Land ist das allererste weltweit, das nach langer Streitigkeit eine solche Regelung einführt. Und auch in der Schweiz ist sich die Politik darüber uneinig. 



«Ein Gesetz, das Leben retten wird», so beschreibt Alison Douglas, die Chefin der Organisation Alcohol Focus Scotland, die Einführung des Mindestpreis für Alkohol in Schottland. Seit dem 1. Mai kostet dort ein Zentiliter reiner Alkohol umgerechnet mindestens 60 Rappen. Eine Flasche Wein kostet dadurch mindestens 6.35 Franken, eine Flasche Whisky 19 Franken. 

Schottland ist das erste Land überhaupt, das einen Mindestpreis für alkoholische Getränke einführt. Von Ärzten und Gesundheitsverbänden wird der Mindestpreis als «grösster Durchbruch seit dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen» gefeiert.

«Mindestpreise sind eine der wirksamsten Massnahmen gegen übermässigen Alkoholkonsum.»

Markus Meury, Mediensprecher Sucht Schweiz

In Schottland rechnet man damit, dass durch das neue Gesetz die Zahl der Alkoholtoten allein im ersten Jahr um 58 Todesfälle sinken wird. 2015 starben rund 3700 Menschen an den Folgen von übermässigem Alkoholkonsum.

In der Schweiz sind es bedeutend weniger Tote. Laut dem Bundesamt für Gesundheit starben 2017 1600 Menschen an den Folgen von übermässigem Alkoholkonsum. Dennoch ist die Zahl nicht zu vernachlässigen. «Mindestpreise sind eine der wirksamsten Massnahmen gegen übermässigen Alkoholkonsum», erklärt Markus Meury, Mediensprecher von Sucht Schweiz. Meury würde ein solches Gesetz auch in der Schweiz befürworten. «Die Preise von billigem Alkohol sinken immer weiter. Wenn Alkohol sogar weniger kostet als Wasser und man einen halben Liter Bier schon für 45 Rappen erhält, ist das gefährlich.» Doch er ist sich bewusst, dass ein Mindestpreis für Alkohol in der Schweiz kaum Chancen hätte. «Das Parlament setzt komplett auf Selbstverantwortung, merkt aber nicht, dass auch Minderjährige betroffen sind, da kann man nicht die gleiche Eigenverantwortung verlangen.»

Auch SP-Nationalrat und Präsident des Blauen Kreuzes, Philipp Hadorn, findet die Mindestpreise für alkoholische Getränke eine gute Sache. «Viele Studien zeigen, dass vor allem Jugendliche sehr sensibel auf Preise reagieren», so Hadorn. In die Verfassung schreiben, will er eine solche Regelung aber nicht. «Die Verfassung wäre der falsche Ort und momentan wäre ein solcher Vorstoss im Parlament sowieso nicht mehrheitsfähig. Da müsste schon viel passieren.»

Auch über den konkreten Mindestpreis will Hadorn nicht mutmassen. «Ich will auch nicht, dass das Feierabendbier teurer wird. Wenn es tatsächlich zu einem Mindestpreis kommen würde, müsste das Bundesamt für Gesundheit über die konkreten Kosten diskutieren.»

Zuspruch erhält der Mindestpreis auch aus dem rechten Lager. So sagt SVP-Nationalrat Heinz Brand auf Anfrage von watson, dass er sich einen Mindestpreis in Gaststätten vorstellen könne. «Ein alkoholisches Getränk sollte nicht das günstigste Getränk sein», so Brand.

«Ein Mindestpreis nützt überhaupt nichts. Das sieht man ja auch bei den Zigaretten, die Preise für eine Schachtel sind extrem hoch und doch rauchen die Leute weiter.» 

Sebastian Frehner, SVP-Nationalrat

Ganz anders sieht das Parteikollege und Basler Nationalrat Sebastian Frehner. «Ein Mindestpreis nützt überhaupt nichts. Das sieht man ja auch bei den Zigaretten, die Preise sind in den letzten Jahrzehnten aufgrund von immer höheren Steuern dramatisch gestiegen und doch rauchen die Leute weiter», so der Basler.

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Wird Bier bald teurer? Bild: shutterstock

Frehner kritisiert auch die aktuelle Gesetzgebung: «Ein Mindestalter für Alkohol bringt nichts, das hält die Jungen nicht davon ab, Alkohol zu konsumieren, sie schicken dann einfach ältere Kollegen vor.» Der SVPler appelliert an die Selbstverantwortung der Menschen und setzt auf präventive Massnahmen in den Schulen.

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