Abgesagte Zürcher Festivals: Die Gründe und welcher Anlass stattfindet
Es ist die zweite Absage innert Kürze. Nachdem gestern das Zürich Openair abgesagt wurde, ereilt das Pride Festival wenig später das gleiche Schicksal. Damit fallen weitere grosse Anlässe aus dem Zürcher Veranstaltungskalender 2026. Schon wieder, ist man versucht zu sagen. Seit rund einem halben Jahr ist der Ausfall des Züri-Fäschts bekannt. Nachfolgend eine Übersicht über die Gründe für die Absagen – und ein Blick auf einen Grossanlass, der bestimmt stattfinden soll.
Pride Festival: Finanzen und Trump sind schuld
Ursprünglich sollte das Pride Festival in kleinerer Form stattfinden und neu Eintritt kosten. Doch seit gestern Abend ist klar, dass das Event dieses Jahr ausfällt. Dies, nach einem Entscheid der ausserordentlichen Generalversammlung von «Zurich Pride».
In einer Medienmitteilung des Vereins heisst es, den Ausschlag gegeben hätten die angeschlagenen Finanzen, Altlasten aus den Vorjahren, schwierige Rahmenbedingungen und fehlende personelle Ressourcen im Vorstand. Interimspräsidentin Canan Uguroglu gesteht gegenüber display-magazin.ch Fehler bei der Organisation der letztjährigen Festival-Ausagbe. «Der Vorstand hatte erst spät einen vollständigen Überblick über alle Kostenentwicklungen», sagt sie gegenüber dem Online-Magazin für Gays, das auch von «Misswirtschaft» schreibt. Zudem spiele die Wiederwahl von Donald Trump «und dessen Kampf gegen Diversity und Wokeness» eine Rolle, unter anderem mit Blick auf Sponsorengelder.
Einige Organisationen überprüfen derzeit ihre Ausgaben, insbesondere im Bereich Diversität und Inklusion, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Auch die aktuelle wirtschaftliche und politische Unsicherheit wirke sich auf das Engagement von Unternehmen aus.
Nicht betroffen von der schwierigen Situation von «Zurich Pride» ist die Demonstration. Auf diese wolle man nun den Fokus legen, schreibt der Verein auch.
Zürich Openair: Strategische Gründe, Finanzen im Lot
Die Absage des Zürich Openairs begründen die Veranstalter mit strategischen Gründen: Man wolle das Festival weiterentwickeln und die Pause nun dafür nutzen. Auch Terminverschiebungen bei internationalen Festivals und deren Folgen für die Planung des Zürich Openairs hätten eine Rolle gespielt.
Doch ist das der einzige Grund? Vergangenes Jahr hatte das Festival viele klingende und wohl teure Namen im Lineup, darunter Post Malone und Nina Chuba. Auf Anfrage widerspricht eine Sprecherin der Darstellung, dass hohe Ausgaben für die Stars ein Grund für die Verschiebung seien. «Das Booking von internationalen Künstlerinnen und Künstlern ist Teil unseres Tagesgeschäfts und wird entsprechend langfristig geplant und budgetiert», schreibt sie.
Züri-Fäscht: Stadt braucht noch Zeit
Das Züri-Fäscht findet alle drei Jahre statt und gilt als grösstes Volksfest der Schweiz. 2026 wäre es wieder so weit gewesen. Doch bis zur nächsten Ausgabe vergehen weitere Jahre. Das ist seit vergangenem Herbst klar.
Wer verstehen will warum, muss ins Jahr 2023 zurückgehen. Damals hat der organisierende «Verein Zürcher Volksfeste» die Leistunsvereinbarung mit der Stadt gekündigt. Als Grund gaben Vereinsvertreter an, dass die Organisation zu komplex geworden sei und zu viele Auflagen beständen. In der Folge hat die Stadt mit einer konzeptionellen Neuausrichtung des Züri-Fäschts begonnen. Dabei war von Anfang an unklar, ob bis Sommer 2026 genug Zeit für die Planung des Züri-Fäschts ist.
Zuletzt berichtete die NZZ, dass in einem Workshop der Stadt Zürich das die nächste Züri-Fäscht-Ausgabe 2029 stattfinden soll. Im Sommer wolle der Stadtrat festlegen wie das Züri-Fäscht künftig aussehen soll.
Streetparade: Findet «sicher» statt
Angesichts der vielen Absagen stehen die verbleibenden Grossveranstaltungen stärker im Fokus. Eine davon ist die Streetparade. Wie sicher ist ihre Durchführung? Auf Anfrage versichert die Medienstelle: «Sie (die Streetparade) findet statt.»
Die Zusammenarbeit mit Behörden und Lieferanten sei hervorragend, aber der Kostendruck gestiegen. «Wir haben die Finanzen im Griff und budgetieren sorgfältig», schreiben die Veranstalter weiter. Die Street Parade finanziere sich als Gratisanlass hauptsächlich durch Sponsoring, Verkauf von Marktständen sowie Getränkeverkäufe.
Erwarten könnten die Besuchenden erneut rund 30 Love Mobiles, dekorierte Trucks bestückt mit Musikanlagen, DJs und Partypeople. Dazu kämen runden acht Bühnen entlang der Route
- Zürich Pride Festival 2026 findet nicht statt
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