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Warum ich aus meiner Wohnung in Zürich raus muss – gegen meinen Willen

Wohnung
Einmalige Aussicht: der Panoramablick auf der Dachterrasse meiner (noch) Wohnung in Zürich.Bild: watson/kma

Warum mich die Verwaltung aus meiner Wohnung in Zürich wirft – obwohl ich es nicht will

Vergangenes Jahr fand ich meine Traumwohnung in Zürich, die sogar alle meine utopischen Kriterien erfüllt. Nun muss ich wieder raus, obwohl ich es nicht will. Es geht – wie so oft in Zürich – um Geld.
17.02.2023, 15:4509.03.2023, 23:33
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Ich habe es wirklich versucht, geklappt hat es trotzdem nicht. Per Ende März muss ich aus meiner Traumwohnung im Zürcher Kreis 8 ausziehen – nach einem Jahr.

Anfang 2022 wohnte ich noch in Rapperswil-Jona, der Rosenstadt am Zürichsee, wo es mir unglaublich gefiel. Doch ich wechselte den Job, und da ich pendeln hasse, suchte ich in Zürich eine neue Wohnung.

Wie unglaublich schwierig das werden sollte, hätte ich am Anfang nicht gedacht. Unzählige unbeantwortete Anfragen und abgesagte Wohnungen später kam der Auszugstag immer näher. Und ich hatte noch keine Wohnung.

Zürich 1 – Ich 0

Am 7. März 2022 schlug eines meiner zahlreichen Suchabos Alarm. Eine Wohnung, die alle meine Kriterien erfüllte: in Zürich, maximal 1500 Franken im Monat, Badezimmer mit Badewanne und geteilter Dachterrasse. Ich war buchstäblich aus dem Häuschen über diese Traumwohnung.

Den Screenshot habe ich noch immer: So wurde die Wohnung ausgeschrieben.
Den Screenshot habe ich noch immer: So wurde die Wohnung ausgeschrieben.Bild: screenshot watson/kma

Natürlich war mir bewusst, dass 1450 Franken pro Monat mehr als genug Geld ist für lächerliche 28 Quadratmeter Wohnfläche und eine Mini-Küche. Doch da ich in den drei Monaten Suche unzählige Wohnungsinserate gesehen hatte, die hässlicher und teurer waren, gab ich mich geschlagen. Zürich 1 – Ich 0.

Die 1-Zimmerwohnung wurde ausgeschrieben, weil der damalige Mieter ausserterminlich ausziehen wollte. Er lebte gerade mal drei Monate dort und suchte einen Untermieter, der die Wohnung sofort übernehmen konnte. Und den fand er in mir.

Ich unterschrieb den Vertrag, der von der Verwaltung gebilligt wurde, befristet bis zum 31. März 2023. Exakt ein Jahr. Dann würde der alte Vertrag auslaufen und die Verwaltung würde mich neu zum Hauptmieter machen, dachte ich mir. Doch falsch gedacht.

Mietzinserhöhung von 15 Prozent

Im Dezember kam die Hiobsbotschaft: Meine Nachbarin schickte mir ein Screenshot eines Wohnungsinserates – von meiner Wohnung! Kurzerhand rief ich die Verwaltung an und fragte, warum die Wohnung ausgeschrieben sei. Schliesslich sei ich aktuell Untermieter und hätte Interesse, Hauptmieter zu werden.

Die Bewirtschafterin teilte mir ohne Begründung mit, dass die Eigentümer «die Wohnung ausschreiben möchten» und ich «kein Anrecht hätte» auf einen Mietvertrag. Sie könne mir lediglich das Anmeldeformular zusenden. Per Mail schrieb sie mir: «Ich freue mich auf Ihre Bewerbung.»

Mir brummte der Schädel. Warum geben sie mir die Wohnung nicht einfach? Habe ich mich seit dem Einzug zu wenig bemüht, positiv bei der Verwaltung aufzufallen? Ist das überhaupt nötig? Schliesslich bezahlte ich die Miete immer termingerecht, hatte keine Betreibungen, einen festen Job und auch mit den Nachbarinnen und Nachbaren ein gutes Verhältnis. Was konnte es sonst sein?

Ich schaute mir das Wohnungsinserat nochmals an und war geschockt. 1690 Franken pro Monat verlangten die Besitzer neu für die 28 Quadratmeter. Das ist eine Mietzinserhöhung von rund 15 Prozent!

Wohnungsinserat
Nichts renoviert, aber 15 Prozent teurer: So läuft das in Zürich bei einem Wohnungswechsel.Bild: screenshot watson/kma

Mietzins anfechten

Ich suchte Rat beim Mieterverband. Dort teilte man mir unverblümt mit: «Sie können diese Wohnung vergessen, da die Mietzinserhöhung übermässig ist. Die Verwaltung will nicht die Gefahr eingehen, dass Sie den Mietzins anfechten, sobald Sie den Vertrag unterschrieben haben.» Das Risiko für die Eigentümer sei bei einem neuen Mieter geringer.

Ich sah meine Chancen den Bach runter gehen. Doch dann entschied ich mich, dagegen anzukämpfen. Denn erstens wollte ich nicht schon wieder zügeln und zweitens die Dachterrasse, über die ich mich jeden Tag freute, nicht aufgeben.

Wohnung
Warum ich die Wohnung behalten wollte: die Dachterrasse.bild: watson/kma

Da mich beide Parteien auf demselben Stockwerk weiterhin als Nachbar haben wollten, schrieben sie der Verwaltung eine super nette Empfehlung. Auch eine dritte Partei im Haus schrieb der Verwaltung, man solle mich als offiziellen Vermieter übernehmen. Gleichzeitig erstellte ich ein Bewerbungsdossier inklusive Motivationsschreiben und Lebenslauf – so wie es mir von verschiedenen Seiten zugetragen wurde.

Überall in Zürich

Drei Besichtigungstermine später, die ich erdulden musste, schrieb mir die Verwaltung: «Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die Wohnung jemand anderem angeboten wurde.» Ohne Begründung. Doch mir kam sofort die These des Mieterverbands in den Sinn: die Anfechtung der übermässigen Mietzinserhöhung.

Das ganze gab mir keine Ruhe. Ist das in Zürich überall so? Oder ist es einfach meine Verwaltung, genauer gesagt die Eigentümer, die lieber neue, fremde Mieter holen, anstatt die Wohnung dem zahlenden Untermieter zu geben und ihn somit auf die Strasse zu stellen?

Auf Anfrage von watson wollte die Verwaltung keine Stellung beziehen.*

*Nach der E-Mail-Anfrage des Journalisten rief ihn die Verwaltung an, um zu erklären, dass man nichts kommentieren werde. Die Verwaltung fragte den Journalisten, ob er die Story wirklich bringen möchte, denn eine gute Referenz könne für mich künftig wichtig sein. Und man laufe sich bei der Wohnungssuche in Zürich immer zweimal über den Weg. (kma)

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528 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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En Espresso bitte
17.02.2023 15:54registriert Januar 2019
Name and shame der Verwaltung bitte! Wenn schon so zwischen-den-Zeilen-Drohungen ausgesprochen werden, ist es noch das Mindeste, dass wenigstens der Firmenname fällt.
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What’s Up, Doc?
17.02.2023 16:03registriert Dezember 2015
"Die Verwaltung fragte den Journalisten, ob er die Story wirklich bringen möchte, denn eine gute Referenz könne für mich künftig wichtig sein. Und man laufe sich bei der Wohnungssuche in Zürich immer zweimal über den Weg."
Dann war die Antwort wohl ein fettes JA.
Unglaublich die Methoden der Verwaltung und wohl gleichzeitig auch die Antwort auf die Frage ob das n Zürich immer so läuft.
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Biene_Maja
17.02.2023 16:06registriert Oktober 2017
und dann noch die nicht ganz subtile Drohung, ob man die Story wirklich bringen will....pfff! Echt das Letzte!
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