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Sicht auf ein Veloschloss bei einer Velostation mit Fahrraeder von PubliBike, am Dienstag, 18. September 2018, in Bern. Nach Eroeffnung der Stationen konnten die Veloschloesser problemlos geknackt werden und die Fahrraeder wurden entwendet. Nach einer Generalueberholung der Schloesser sind diese nun wieder im Einsatz. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die spinnen, die Publibikes: Bei der Ausleihe streikt seit Monaten oftmals das Schloss. Bild: KEYSTONE

Warum Publibike-Nutzer wegen eines «X» gerade die Nerven verlieren

In Bern und Zürich sind Publibike-Nutzer verärgert: Seit Wochen lassen sich über 4000 Leihvelos wegen technischer Probleme oftmals nicht öffnen. Der neue Chef der Postauto-Tochter ist gefordert.



Ob in Bern oder Zürich: Bei den Publibike-Leihvelos ist auch eineinhalb Jahre nach dem Start der Wurm drin.

Die folgende Szene ist sinnbildlich: Ratlos steht ein junger Mann bei der Zürcher Sihlpost, läuft von einem Velo zum nächsten. Versucht verzweifelt, via App ein Schloss zu öffnen. Doch immer wieder zeigt das Display auf den Leihvelos ein «X» an. Das bedeutet, dass sich die Fahrräder nicht entsperren lassen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen gibt der gestresste Hipster auf. Und schnappt sich einen Leih-E-Scooter von der Konkurrenz. Dieser ist innert Sekunden fahrbereit.

Bild

Das «X» zeigt an, dass das Velo nicht ausleihbar ist. Warum dies so ist, weiss selbst Publibike nicht. bild: watson

App starten, QR-Code scannen, losradeln? Nicht so bei der Postauto-Tochterfirma Publibike. Vielmehr braucht es dort oftmals viel Geduld und Nerven. Der Ärger bei den tausenden Kunden wächst. «Ich finde das Publibike-System eigentlich super. Aber man kann sich oft nicht mehr darauf verlassen, weil die Velos immer wieder spinnen», sagt eine Nutzerin zu watson.

In sozialen Medien tönt es ähnlich: «Warum funktionieren so viele von euren Velos nicht? Warum muss meine Tochter mitten in der Nacht nach Hause laufen?», schreibt ein User auf Twitter.

Die technischen Probleme hören nicht bei der Ausleihe auf. Es kommt vor, dass die Velos bei der Rückgabe nicht ins System zurückgebucht werden. Die Zeit läuft auf der App einfach weiter. watson liegen Printscreens vor, die Ausleihdauer von 2384 (!) Stunden anzeigen.

«Die Kommunikation innerhalb des Systems ist komplex.»

Publibike

Was ist los bei Publibike? Im Dezember sagte Publibike zum Tages-Anzeiger, dass man die Ursachen für die technischen Schwierigkeiten noch nicht herausgefunden habe. Das Problem lasse sich nicht auf eine einzige Ursache eingrenzen.

Knapp ein Monat später hat sich die Situation aus Nutzersicht nicht verbessert. Im Gegenteil. Publibike tappt noch immer im Dunkeln. «Die Kommunikation der verschiedenen Komponente innerhalb des Systems ist komplex, dementsprechend schwierig gestaltet sich die Ursachenforschung», so Sprecher Ben Küchler zu watson.

Zum Thema: Velofahrer sind auch Künstler – zumindest mit GPS

Bewährungsprobe für Publibike-Chef

Ein spezielles Team mit internen Leuten und Spezialisten von Lieferanten sei daran, verschiedene Massnahmen auf ihre Wirksamkeit zu testen. Man werde in Kürze Software-Updates ausrollen.

Die Panne ist der erste Prüfstein für den neuen Publibike-Chef Markus Bacher (45), der seit Januar im Amt ist. Der ICT-Crack hat Erfahrungen mit brenzligen Situationen: Zuvor leitete er unter anderem den Krisenstab der Post.

Städte hoffen auf Besserung

Was sagen die Städte zu den Problemen von Publibike? Immerhin stellen Bern und Zürich der Postauto-Tochter gratis die Parkflächen zur Verfügung und organisieren das Personal, um die Bikes an die entsprechenden Standorte zu verschieben.

«Uns ist das Problem mit der Ausleihe grundsätzlich bekannt. Wir gehen davon aus, dass dies Publibike in den Griff kriegt», sagt der Berner Verkehrsplaner Karl Vogel.

In Zürich teilte das Tiefbauamt just am Dienstag mit, dass das Publibike-System offiziell «abgenommen» und die entsprechende Motion des Gemeinderats damit abgeschrieben sei.

Zu den Problemen bei der Ausleihe sagt Tiefbauamt-Sprecherin Evelyne Richiger: «Wir stehen regelmässig im Austausch mit PubliBike und regen auch Verbesserungen an. Es versteht sich aber von selbst, dass eine funktionierende Technik im eigenen betriebswirtschaftlichen Interesse von Publibike ist».

Publibike kämpft mit Verlust

Klar ist: Die Probleme mit dem Schliesssystem sind für das Sharing-Unternehmen ein herber Rückschlag auf dem Weg aus den roten Zahlen. Publibike ist dringend auf neue Kunden angewiesen, um aus den roten Zahlen zu kommen. Die Post muss mit den Publibikes nach Millionenverlusten mittelfristig ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Sonst könnte der gelbe Riese Publibike den Stecker ziehen.

Stellt sich die Frage, ob die Publibike-Kunden wegen dem Ausleih-Ärger entschädigt werden. Der Sprecher weicht aus: «Wir konzentrieren uns aktuell darauf, die Probleme zu lösen. Über eine Entschädigung diskutieren wir, sobald das System stabil läuft.»

Zum Schluss ein kleiner Tipp für alle Publibike-Nutzer. Die Velos lassen sich nicht nur per App, sondern auch mit dem Swisspass öffnen. Dies geht oftmals schneller als per App – wenn es denn funktioniert.

Schlösser wurden geknackt

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Publibike in die Schlagzeilen gerät. 2018 musste das Unternehmen alle Bikes für mehrere Wochen aus dem Verkehr ziehen und reparieren, weil die Schlösser damals mit einem einfachen Trick geknackt werden konnten.

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