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Über 10'000 Menschen demonstrierten am Samstag in Zürich friedlich gegen Rassismus. Bild: watson

Am Samstag redeten wirklich die Schwarzen: So liefen die «BLM»-Demos in der Schweiz

Die Proteste flauen nicht ab: Nicht nur in den USA, auch in der Schweiz demonstrieren in Zürich, Bern, Luzern und St.Gallen Tausende gegen Rassismus.



Von Minneapolis nach New York, von New York nach London, von London nach Zürich. «Black Lives Matter»-Demonstrationen gibt es nicht erst seit der gewaltsamen Tötung von George Floyd. Seit vielen Jahren protestieren schwarze Menschen gegen strukturellen Rassismus, der überall auf der Welt auftritt. Doch jetzt hat der Protest Feuer gefangen. Und die Flammen breiten sich rund um den Globus immer weiter aus – auch in der Schweiz.

Video: watson/een

Tausende demonstrieren mit dem Segen der Polizei

In Zürich beginnt die BLM-Demo am frühen Samstagnachmittag mit einem Vortrag von Martin Luther King über Lautsprecher. Darauf folgt die eindringliche Bitte der Organisatoren, friedlich zu bleiben. Um das zu untermalen, werden alte Klassiker von Bob Marley angestimmt.

Die fast ausnahmslos schwarz gekleideten Demonstranten besammelten sich vor 14 Uhr auf dem Sechseläutenplatz. Ein Dialogteam der Polizei sucht das Gespräch mit den Menschen. Die Polizei forderte die Anwesenden zunächst freundlich auf, auf die «Veranstaltung zu verzichten». Diese sei gemäss der Covid-Verordnung des Bundesrates verboten. Die Polizei drückt gleichzeitig Verständnis aus für das Anliegen der Demonstrierenden.

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Ein BLM-Demonstrant verteilt Masken. bild: watson

Viertel nach 14 Uhr lenkt die Polizei ein. Die Demonstration werde toleriert, sofern sie friedlich bleibe. Tausende vorwiegend junge Teilnehmer ziehen sodann mit dem Segen der Polizei quer durch die Innenstadt.

Die fast ausnahmslos schwarz gekleideten Demonstrierenden halten Schilder in die Höhe mit Aufschriften wie «White silence is violence» oder «Black lives matter». Immer wieder skandierten sie die Parole «No justice no peace.»

Die Demonstrierenden verhalten sich friedlich, wie der Augenschein des watson-Reporters vor Ort zeigt. Selbstgebastelte Kartonschilder und riesige Leinenbanner werden durch die plötzlich sehr eng scheinende Bahnhofstrasse getragen. Alle fünf Minuten hält der Demozug an, die Demonstrierenden knien nieder für eine Schweigeminute.

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bild: watson

Es wird George Floyd und all den anderen Opfern der Polizeigewalt in den USA gedacht. Vereinzelt hört man noch Tupac oder Michael Jackson aus mitgebrachten Lautsprecheranlagen ertönen. Doch auch diese scheinen nach kurzer Zeit in Andacht zu erstummen.

Autonome greifen Polizisten an

Gegen 16 Uhr ist der Demonstrationszug zurück am Sechseläuten-Platz. Einem Polizisten des Dialogteams zufolge sind «mindestens 8000 Leute» vor Ort. Später teilt die Polizei mit, dass weit über 10'000 Personen friedlich demonstrierten. Am Ende kommt es beim Bahnhof Stadelhofen doch noch zu Ausschreitungen: Die Polizei ist in Vollmontur vor Ort. Die Polizisten werden von Autonomen, die losgelöst von den Demonstrierenden agieren, mit Gegenständen beworfen und antworten mit Tränengas. Ein Polizist wird verletzt. Leute rennen wild durcheinander, Kastenwägen mit Blaulicht schlängeln sich durch die Menge und werden von wütenden Demonstrierenden mit Gegenständen beworfen. Es gibt auch Verhaftungen «aufgrund der Angriffe auf die Einsatzkräfte», wie die Polizei mitteilt. Die meisten Demonstrierenden verhalten sich nichtsdestotrotz friedlich.

epa08483192 People demonstrate against racism after the worldwide movement of the Black Lives Matter (BLM) protest against the recent death of George Floyd in Zurich, Switzerland, 13 June 2020. Floyd, a 46-year-old African-American man, died on 25 May after being detained by police officers in Minneapolis (Minnesota), USA.  EPA/ENNIO LEANZA

Die Polizei betont, es sei es nie zu einer Solidarisierung der friedlichen Demonstrationsteilnehmenden mit den Linksautonomen gekommen. Bild: keystone

«Der Umzug verlief friedlich und es kam zu keinerlei Zwischenfällen oder Sachbeschädigungen», bilanziert die Polizei. Gegen 17 Uhr hat sich die Situation wieder beruhigt. Die Demo löst sich langsam auf.

Schwarz dominiert Bern

In Bern versammeln sich am Nachmittag tausende Menschen für eine Kundgebung gegen Rassismus. Die Polizei lässt den unbewilligten Anlass unbehelligt.

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer befolgen den Aufruf der Organisatoren und erscheinen schwarz gekleidet zur Kundgebung auf dem Bundesplatz. Immer wieder wird «Black lives matter» skandiert, also «Auch das Leben von Schwarzen zählt». Viele Kundgebungsteilnehmer tragen Masken.

Etwas Aufregung gibt es zu Beginn der Kundgebung, als plötzlich das Wasserspiel auf dem Bundesplatz startet und viele Teilnehmer überrascht. Die Polizei twittert in der Folge, sie versuche, die Verantwortlichen zu erreichen.

Wie ein Augenschein an der Berner Kramgasse ergibt, hat die Berner Zunft zum Mohren eine Figur eines Schwarzen vor der Kundgebung eingepackt.

«We are one!»

In St.Gallen gehen gemäss Angaben der Stadtpolizei St.Gallen etwa 1100 Menschen auf die Strasse. In Luzern sind es mehrere hundert, die für eine Überwindung des Rassismus demonstrieren. Diesen gebe es nicht nur in den USA, sondern auch in der Schweiz.

Die bewilligte Kundgebung führt vom Bahnhof durch die Neustadt zum Helvetiagärtli und wieder zurück.

Der Slogan der Protestbewegung «Black lives matter» ist während fast des ganzen Umzugs zu hören. Skandiert wird auch «No justice – no peace».

Wegen der Corona-Massnahmen sind maximal 300 Personen zugelassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen daher bei der Versammlung den Organisatoren ihre Kontaktangaben hinterlassen und werden gezählt. Viele schliessen sich aber auch frei dem Umzug an. Die meisten Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind auch in Luzern jung, schwarz gekleidet und mit Mundschutz ausgerüstet.

Auf den Plakaten herrscht die englische Sprache vor. Eine Ausnahme ist etwa «Kein Platz für Rassismus – wir räumen auf». An der Kundgebung wird kritisiert, dass Rassismus zu oft toleriert und dass nicht darüber gesprochen wird. Rassismus sei indes Teil unserer Geschichte, wir würden mit diesem sozialisiert, sagt eine Rednerin. Er sei im Alltag vorhanden.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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Black-Panther-Bewegung in den USA

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